﻿Salbeiöl

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Salizylsäure

Blättern (lat. Folia salviae, frz. Feuilles
de sauge, engl. Sage leaves) ein aromatisch
riechendes ätherisches Öl neben Gerbstoff,
Stärke und Harz und wird in Form von
Aufgüssen, Extrakt und Tinktur zu Mund-
wässern, zum Gurgeln bei Blutungen des
Zahnfleisches, sowie bei Verschleimung der
Atmungsorgane und sonst medizinisch ver-
wendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 34.

Salbeiöl (lat. Oleum salviae, frz. Essence
de sauge, engl. Oil of sage), das ätherische
Öl der Salbeiblätter, ist dünnflüssig und
gelblich, riecht und schmeckt nach dem
Kraute und hat ein spez. Gew. von 0,910
bis 0,930. S. enthält als wirksamen Bestand-
teil Thujon neben Pinen und Borneol und
ist rechtsdrehend. Es wird medizinisch gegen
Verschleimungen verwendet. — Zoll: 30 M.

Salben (lat. Unguenta, frz. Onguents, Pom-
mades, engl. Ointments) nennt man pharma-
zeutische Zubereitungen von butterartiger
Konsistenz, welche in einer Grundmasse von
Fetten, Wachs, Vaselin oder Lanolin medika-
mentöse Stoffe enthalten. Nach ihrer Ver-
wendung unterscheidet man besonders Kühl-
salben, welche größere Mengen Wasser
enthalten; Reizsalben; austrocknende
Salben; Wundsalben, zum Abschließen
offener Wunden, z. B. Borsalbe, und medika-
mentöse Salben, z. B. Quecksilbersalbe.
Die gemischten Salben dürfen für Heil-
zwecke nur in Apotheken verkauft werden,
mit Ausnahme der Bleisalbe, Borsalbe, Ter-
pcntinsalbe und Zinksalbe zum Gebrauche für
Tiere. Freiverkäuflich sind auch: Coldcream,
Lippenpomade, Pappelpomade, Salizyltalg.

Salep (lat. Radix seu Tubera salep, frz.
und engl. Salep) besteht aus den Wurzel-
knollen verschiedener Orchideen, und
zwar wird beim Ausgraben im Herbst nur
die junge, volle Knolle, nicht die alte, ver-
schrumpfte, genommen. Im allgemeinen be-
vorzugt man diejenigen Arten, welche rund-
liche oder länglichrunde Knollen haben, und
läßt gewöhnlich solche weg, die ihre Knollen
spalten oder fingerförmig teilen, doch kom-
men auch, namentlich in Österreich, gefin-
gerte Knollen als Händchensalep zur Ver-
wendung. Zu den kompakt knolligen Arten
gehören Orchis Morio, auf feuchten Wiesen
und Triften stellenweise sehr häufig; Orchis
mascula, auf ähnlichen Standorten; die statt-
liche Orchis militaris (Helmbuschorchis),
auf Hügelland und Kalkboden im Gebüsch,
und einige andere. Früher kamen die Salep-
knollen nur aus dem Orient, über Konstan-
tinopel und Smyrna. In neuerer Zeit wird
aber die deutsche Ware von den Drogisten
vielfach bevorzugt, da sich aus ihr ein rein
weißes Pulver darstellen läßt. Der deutsche
S. wird im Rhöngebirge, Spessart, Odenwald,
Nassau usw. gesammelt. Man brüht die
Knollen mit heißem Wasser, wobei die äußere
Haut sich loslöst, und trocknet sie dann im
Backofen oder, an Fäden aufgereiht, an an-
deren warmen Stellen. Die Größe der Stücke
variiert von der einer Haselnuß bis zu der
einer welschen Nuß. Die Farbe ist gelblich-

weiß, die der orientalischen, welche teilweise
auch größere Stücke bildet, bräunlich. Die
Hauptbestandteile der Knollen sind reichliche
Mengen Stärkemehl und noch größere eines
tragantähnlichen Schleims, Bassorin, der in
Wasser stark aufquillt, ohne sich eigentlich
zu lösen. Durch die Behandlung mit heißem
Wasser werden beide Stoffe aufgequellt, die
Stärke verwandelt sich in Kleister und ver-
leiht den Stücken nach dem Trocknen ein
durchscheinendes, hornartiges Aussehen.
Gleichzeitig verlieren sie ihren bitteren Ge-
schmack und unangenehmen Geruch. S. bil-
det ein schleimiges, reizmilderndes und ein-
hüllendes Mittel. Man gibt es besonders
Kindern in Fällen von Schwäche, Abzehrung,
Durchfällen, Ruhr u. dergl. in Form von
Salepschleim, der durch Behandlung von
1 Teil gepulvertem S. mit 10 Teilen kaltem
Wasser und weiterem Auflösen in 90 Teilen
kochendem Wasser hergestellt wird. Außer-
dem dient der Stoff auch zum Appretieren
von Seidenzeugen. Das Pulvern der Knollen
macht Schwierigkeiten und wird häufig schon
von den größeren Drogenhandlungen selbst
besorgt. Im Handel kommt auch unechter
gepulverter S. vor, der aus Kartoffeln her-
gestellt ist. — Zoll: Ganzer Salep ist zollfrei.
Saleppulver s. Tarif Nr. 175.

Salizin (Weidenbitter, lat. Salicinum,
frz. Salicine, engl. Salicin), der eigentümliche
bittere, zu den Glukosiden gehörige Stoff
derWeidenrinden, wird am zweckmäßigsten
aus den roten Weidenarten (Purpur-
weide u. a.) hergestellt, die daran reicher
sind, während bei den übrigen der Gerbstoff
vorherrscht. Man behandelt zu diesem Zwecke
die wässerige Abkochung der Rinden mit
Bleiglätte und entbleit mit Schwefelwasser-
stoff. Im gereinigten Zustande bildet das S.
kleine weiße, glänzende Kristalle in Form von
Schüppchen oder rhombischen Prismen, die
sich wenig in kaltem, reichlich in siedendem
Wasser und Weingeist, aber nicht in Äther
oder Chloroform lösen und äußerst bitter
schmecken. In konzentrierter Schwefelsäure
löst es sich mit blutroter Farbe und ent-
wickelt mit Kaliumdichromat und Schwefel-
säure den Geruch nach Salizylaldehyd. Der
Schmelzpunkt liegt bei 201°. S. wirkt gegen
Wechselfieber wie Chinin, aber viel schwächer
und wird neuerdings vielfach medizinisch ver-
wendet. Es ist bedeutend billiger als Chinin
und wird daher auch zuweilen zu dessen Ver-
fälschung benutzt, kann aber an dem er-
wähnten Verhalten gegen Schwefelsäure leicht
erkannt werden. — Zollfrei.

Salicor, eine geringwertige Sorte Rohsoda,
die im südlichen Spanien und Frankreich
aus einer Strandpflanze, Salicornia annua,
durch Verbrennen und Auslaugen der Asche
bereitet wird, enthält nur ca. 14°/o kohlen-
saures Natron. — Zoll: S. Tarif Nr. 287.

Salizylsäure (Phenylkohlensäure, lat.
Acidum salicylicum, frz. Acide salicylique,
engl. Salicylic acid) findet sich in der Natur
fertig gebildet als Salizylsäuremethyl-
ester im ätherischen Gaultheriaöl und