﻿Salmiak

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Salpeter

kann auch aus dem Salizin, von dem sie
ihren Namen hat, abgeschieden werden. Zur
fabrikmäßigen Bereitung wird wasserfreies
Phenolnatron mit sorgfältig getrockneter
Kohlensäure behandelt, wobei die Kohlen-
säure mit dem Phenol zu S. Zusammentritt.
Man braucht das entstandene Salizylsäure Na-
tron nur in Wasser zu lösen und mit einer
stärkeren Säure zu behandeln, um die freie
S. abzuscheiden. Das Natron kann bei dieser
Fabrikation durch Kali nicht ersetzt werden,
da sonst die isomere Paraoxybenzoesäure
entsteht. S. löst sich schwer in kaltem, leicht
in siedendem Wasser, Alkohol, Äther, Chloro-
form und Amylalkohol. Sie schmilzt bei
156,8° und ist mit Wasserdämpfen flüchtig.
Die Lösungen geben mit Eisenchlorid eine
violette Färbung und mit Bromwasser einen
Niederschlag. Die S. findet sich in zwei
Sorten im Handel. Die eine, als Acidum
salicylicum praecipitatum bezeichnete,
ein leichtes, lockeres, weißes Pulver, zu-
weilen mit einem schwachen Stich ins Rötliche,
ist geruchlos, reizt aber beim Verstäuben
stark zum Niesen. Die andere, Acidum
salicylicum crystallisatum, besteht aus
kleinen, feinen, schneeweißen Kristallen und
ist für den inneren Gebrauch bestimmt, wäh-
rend die wenig reine, nicht kristallinische
Sorte äußerlich medizinisch verwendet wird.
Außer zu medizinischen Zwecken benutzt man
die S. auch als Konservierungsmittel für ein-
gemachte Früchte, Gemüse usw., doch wird
diese Verwendung von ärztlicher Seite be-
kämpft, und soll daher mindestens deklariert
werden. In Drogerien und Apotheken werden
verschiedene salizylsäurehaltige Mittel geführt,
wie Salizylsäuremundwasser, Salizyl-
säurezahnpasta, Salizylsäureheftpfla-
ster, Salizylsäurewatte und andere. Von
den Salzen hat das Natronsalz (lat. Natrium
salicylicum, frz. Salicylate de soude, engl.
Sodii salicylas) die größte Bedeutung. Es
wird in der Medizin gegen Gelenkrheumatis-
mus und als Antipyretikum, sowie technisch
in der Farbenfabrikation verwendet. — S. ist
zollfrei. S.-Mundwasser und S.-Zahnpasta
300 M. S.-Heftpflaster 40 M. S.-Watte s.
Tarif Nr. 511.

Salmiak (Chlorwasserstoffammoniak,
Chlorammonium, salzsaures Ammo-
niak, lat. Ammonium chloratum, Ammonium
muriaticum, Ammonium hydrochloricum, Sal
ammoniacum, frz. Chlorure d’ammonium, Hy-
drochlorate d’ammoniaque, engl. Hydrochlo-
rate of ammonia, Ammonium Chloride). Diese
aus Chlor, Wasserstoff und Stickstoff be-
stehende chemische Verbindung bildet in
völlig gereinigtem Zustande ein geruchloses,
weißes Kristallpulver von scharf salzigem Ge-
schmack. S. ist in Wasser leicht löslich, beim
Erhitzen unzersetzt flüchtig, seine Dämpfe
verdichten sich an kalten Gegenständen als
sublimierter S. Durch stark glühende Röh-
ren geleitet, zerfällt er jedoch in Ammoniak
und Chlorwasserstoff. Der Rohsalmiak findet
sich im Handel teils in Form dichter, weißer,
durchscheinender Brote von faserig-kristal-

linischer Struktur (sublimierter S.), teils
in Zuckerhutform als weniger fest zusammen-
hängende Kristallmasse. Der S. wurde früher
nur aus Ägypten bezogen, wo man ihn durch
Verbrennen von Kamelmist erhielt. Jetzt wird
sämtlicher S. aus dem Teerwasser der Leucht-
gasfabriken dargestellt, indem man dieses mit
Salzsäure sättigt und die geklärte Flüssigkeit
zur Kristallisation verdampft. Der auskristal-
lisierte S. wird dann durch Umkristallisieren
oder Sublimation weiter gereinigt. Schneller
zum Ziele führt das Verfahren, nach welchem
man das Ammoniak mittels eines Dampf-
stromes aus dem Gaswasser austreibt, in
Wasser leitet, dieses dann mit Salzsäure neu-
tralisiert und weiter reinigt. Außerdem erhält
man den S. auch durch Sublimation von
schwefelsaurem Ammoniak mit Chlornatrium
(Kochsalz). Verwendung findet der S. zur Dar-
stellung verschiedener chemischer Präparate,
zum Löten, Verzinnen, zum Füllen der Ele-
mente für Klingel- und Fernsprecheranlagen
usw. Der chemisch reine S. (lat. Ammo-
nium chloratum purissimum) wird in der Me-
dizin als auflösendes Mittel, als Zusatz zu
Salmiakpastillen usw. verwandt. — Zollfrei.

Salol, der Salizylsäurephenylester
(Salizylsäurephenyläther, salizyl sau-
res Phenyloxyd) wird durch Behandlung
eines Gemisches von salizylsaurem Natron
und Phenolnatrium mit Phosphoroxychlorid
oder auch Phosphorpentachlorid dargestellt.
Es erscheint als weißes kristallinisches Pulver
von schwachem aromatischen Geruch nach
Wintergrünöl, ist fast geschmacklos und
schmilzt bei 42° C zu einer klaren farblosen
Flüssigkeit, welche dann weit unter diese
Temperatur abgekühlt werden kann, ohne zu
erstarren. In Wasser ist das S. fast unlöslich,
löst sich dagegen leicht in Alkohol, Äther
und Chloroform. Man verwendet das S., in
der Medizin sowohl innerlich, als äußerlich.
— Zollfrei.

Salpeter. Unter Sal petrae, Stein- oder
Felsensalz, verstand man in früheren Zeiten
die salzigen Ausblühungen auf Gemäuer, Fel-
sen und Erdreich und spricht in diesem Sinne
noch jetzt von Mauersalpeter, während
man heutzutage nur gewisse Nitrate, besonders
das salpetersaure Kali oder den Kali-
salpeter (Kaliumnitrat, salpetersaures
Kalium, lat. Kali nitricum, Kalium nitricum,
frz. Nitrate de potasse, engl. Nitrate of po-
tash) und das salpetersaure Natron, Na-
tronsalpeter (Natriumnitrat, salpeter-
saures Natrium, lat. Natrium nitricum, frz.
Nitrate de soude, engl. Nitrate of soda), so
bezeichnet. Seltner spricht man von Am-
moniaksalpeter (flammender S., sal-
petersaures Ammoniak, Ammonium-
nitrat, lat. Ammonium nitricum, Nitrum
flammans, frz. Nitrate d’ammoniaque, engl.
Nitrate of ammoniac), Silbersalpeter, sal-
petersaures Silber oder Höllenstein, und
Bleisalpeter. — Salpetersaure Salze ent-
stehen in jedem Boden, in welchem sich
organische stickstoffhaltige Stoffe zersetzen,
wenn die nötigen Bedingungen: Gegenwart