﻿Salpeterätherweingeist

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Salpetersäure

tropfen von konzentrierter Salpeterlauge.
Chilisalpeter wird in großen Mengen zur Her-
stellung von Salpetersäure und von Kali-
salpeter, sowie als Düngemittel verwandt. —
Zoll: Ammoniaksalpeter s. Tarif Nr. 302. Na-
tronsalpeter Nr. 303. Kalisalpeter Nr. 304.

Salpeterätherweingeist. Unter diesem
Namen findet man im Chemikalienhandel
eine verdünnte alkoholische Lösung des Sal-
petrigsäureäthyläthers (salpetrigsau-
ren Äthyloxyds), welche als Salpeter-
äthergeist, versüßter Salpetergeist(lat.
Spiritus aethereus nitrosi, Spiritus nitrico-
aethereus, Spiritus nitri dulcis, frz. Alcool
nitrique öthere, engl. Spirit of nitrous ether)
offizineil ist. S. bildet eine farblose, klare
Flüssigkeit von kräftigem, angenehmem, obst-
artigem Geruch, mit Wasser in jedem Ver-
hältnisse mischbar und vom spez. Gew. 0,840
bis 0,850. Er muß in stets vollgefüllten Ge-
fäßen im Dunkeln aufbewahrt werden, da er
sonst sehr bald stark sauer wird, und enthält
stets noch kleine Mengen von Ameisenäther
und Aldehyd. Reiner und spiritusfreier Sal-
petrigsäureäthyläther kommt für gewöhnlich
im Handel gar nicht vor. Verwendet wird S.
medizinisch als Geschmackskorrigens, tech-
nisch als Zusatz in der Spirituosenfabrikation.
— Zoll: S. Tarif Nr. 178/79.

Salpetersäure (Scheidewasser, Stick-
stoffpentoxyd, lat. Acidum nitricum, Aqua
fortis, frz. Acide nitrique ou azotique, engl. Ni-
tric acid) findet sich in freiem Zustande nicht
in der Natur, entsteht aber bei der Ver-
wesung stickstoffhaltiger organischer Sub-
stanzen und bildet daher die Säure des Chili-
salpeters, aus dem sie fabrikmäßig her-
gestellt wird. Zu ihrer Darstellung wird der
Salpeter mit Schwefelsäure erhitzt, wobei die
stärkere Schwefelsäure die S. austreibt, wäh-
rend schwefelsaures Natrium (Glaubersalz) zu-
rückbleibt. Für die Destillation kleinerer
Mengen besonders reiner Säure bedient man
sich in Apotheken und Laboratorien glä-
serner Retorten, im Großbetriebe aber guß-
eiserner Zylinder von mehreren Zentnern Fas-
sungsraum. Das unter gewöhnlichen Um-
ständen von Schwefelsäure und S. angreif-
bare Eisen geht bei starker Erhitzung in einen
passiven Zustand über, in welchem es außer-
ordentlich widerstandsfähig ist. Je nach der
Stärke der angewandten Schwefelsäure de-
stilliert eine S. von verschiedener Konzen-
tration über, welche in hintereinander ge-
schalteten Töpfen kondensiert wird. In den
ersten Kondensationsgefäßen sammelt sich
die stärkste, in den folgenden immer schwä-
chere Säure an. Die Menge der Schwefel-
säure ist so zu bemessen, daß auf jedes
Molekül Salpeter ein Molekül Schwefelsäure
entfällt, da nur dann unter Hinterbleiben
von Natriumbisulfat alle Salpetersäure aus-
getrieben wird. Verwendet man hingegen
äquivalente Mengen beider Verbindungen, so
bleibt die Hälfte des Salpeters unzersetzt.
Erst beim Erhitzen bis nahe zum Glühen
geht auch der Rest der S. über, zerfällt aber

gleichzeitig z. T. in Untersalpetersäure
(Stickstoffdioxyd), welche in Form braun-
roter Dämpfe in die Vorlagen kommt und
von der Flüssigkeit gelöst wird. Die dann
entstehende rote rauchende S. (Acidum
nitricum fumans) besitzt ein spez. Gew.
von 1,540. Die gewöhnliche reine S. ist
in völlig wasserfreiem Zustande noch nicht
erhalten worden, sondern nur bis zu einer
Konzentration bis zu 99,8°/o. In diesem Zu-
stande ist sie eine farblose Flüssigkeit vom
spez. Gew. 1,560 bei 0°, welche an der
Luft raucht und sich unter Abspaltung von
Untersalpetersäure gelb färbt. Die S. ist mit
Wasser in jedem Verhältnisse mischbar. Sie
löst die meisten Metalle mit Ausnahme von
Gold und Platin und oxydiert die meisten
Metalloide, wie Jod, Schwefel und Phosphor
zu den entsprechenden Säuren. Organische
Substanzen werden durch Salpetersäure zer-
stört, und, wenn sie gefärbt sind, wie Indigo-
lösung gebleicht. Im Handel erscheint die
S. in den verschiedensten Reinheits- und
Stärkegraden. Die rohe S. (Acidum nitri-
cum crudum) ist eine durch Untersalpeter-
säure, Eisen- und Chlorverbindungen meist
gelb gefärbte Flüssigkeit. Sie wird besonders
in zwei Stärken, als einfaches Scheide-
wasser mit einem spez. Gew. von 1,320 bis
1,330 und 50—53°/o S. und als doppeltes
Scheidewasser mit einem spez. Gew. von
1,380—1,390 und 60—64°/o S. hergestellt. Zur
Entfernung der flüchtigen Verunreinigungen
erwärmt man die Säure längere Zeit im
Wasserbade, während sie von den nichtflüch-
tigen Stoffen, wie Eisen, durch Destillation
getrennt wird. Im Hinblick auf die nahe
bevorstehende Erschöpfung der Salpeterlager
sind in letzter Zeit zahlreiche Versuche zur
Umwandlung des Ammoniaks und des atmo-
sphärischen Stickstoffs in S. angestellt wor-
den. Die erstere gelingt nach dem Verfahren
von Ostwald durch Überleiten eines Ge-
misches von Ammoniakgas mit viel Luft über
Platin bei erhöhter Temperatur. Die andere,
besonders aussichtsreiche Methode, benutzt
den im magnetischen Felde scheibenförmig
ausgebreiteten Flammenbogen von Wechsel-
strömen zur direkten Oxydation des Luftstick-
stoffs. — Die S. findet in größtem Umfange
Verwendung in der chemischen und gewerb-
lichen Technik, sowie für medizinische und
Laboratoriumszwecke. Auf ihrer Eigenschaft,
Gold nicht, wohl aber Silber zu lösen, beruht
die Bezeichnung: Scheidewasser. Ferner
bildet sie das Ätzmittel der Kupferstecher, dient
zum Abbeizen von Metallen, zum Brünieren
von Eisen, und zur Herstellung von Beizen
für Hutmacher und Pelzfärber. Sie ist das
Ausgangsmaterial zur Fabrikation des Nitro-
benzols, Nitroglyzerins, der Pikrinsäure und
Schießbaumwolle und wird überdies bei der
Herstellung von Schwefelsäure, Farbstoffen
und salpetersauren Salzen (Nitrate) benutzt.
Für den Versand der roten, rauchenden S.
gilt die Vorschrift, daß die Flaschen oder
Ballons mit mindestens dem gleichen Volum
getrockneter Infusorienerde oder anderen in-