﻿Salzäthergeist

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Sämereien

differenten Mineralpulvern umgeben sein
müssen. — Zollfrei.

Salzäthergeist (Versüßter Salzgeist,
Chlorätherspiritus, lat. Spiritus salis
dulcis, Spiritus muriatico-aetherus,
Spiritus aetheris chlorati, frz. Alcool
muriatique etherö, engl. Spirit of muriatic
ether), im wesentlichen eine verdünnte alko-
holische Lösung von Äthylchlorid (Chloräthyl),
von angenehm ätherartigem Geruch, wird er-
halten, wenn Weingeist, Kochsalz, Braunstein
und Schwefelsäure zusammen der Destillation
unterworfen werden, das Übergegangene durch
Schütteln mit Kalk oder gebrannter Magnesia
säurefrei gemacht und dann rektifiziert wird.
Verwendung findet S. in der Medizin und ähn-
lich dem Salpeterätherweingeist in der Spiri-
tuosenfabrikation. — Zoll: S. Tarif Nr. 178/79.

Salzbrunner Oberbrunnen enthält in 1000
Gewichtsteilen nach der Analyse von Remi-
gius Fresenius (1881): Bikarbonate des Na-
triums 2,1522 g, Lithiums 0,0130 g, Ammo-
niums 0,0007 g, Kalziums 0,4383 g, Stron-
tiums 0,0044 g, Magnesiums 0,4704 g, Eisen-
oxyduls 0,0057 g, Manganoxyduls 0,0008 g,
Chlornatrium 0,1767 g, Bromnatrium 0,0008 g,
Jodnatrium Spur, Sulfate des Kaliums
0,0528 g, Natriums 0,4594 g, Natriumnitrat
0,0060 g, Kieselsäure 0,0031 g, und freie
Kohlensäure 1,8766 g.

Salzsäure (Chlorwasserstoffsäure, Hy-
drochlorsäure, lat. Acidum hydrochloricum,
Acidum muriaticum, frz. Acide hydrochlortque,
engl. Hydrochloric acid) nennt man im Han-
del die wäßrige Lösung des gasförmigen
Chlorwasserstoffs, welcher durch Vereinigung
gleicher Raumteile Chlor und Wasserstoff
im Sonnenlichte (Chlorknallgas), ferner
durch Verbrennen einer Wasserstofflamme in
einer Chloratmosphäre und durch Zersetzung
von Chloriden mit Schwefelsäure erhalten
werden kann. Im Großbetriebe wird die S.
als Nebenprodukt bei der Fabrikation der
Soda aus Kochsalz nach dem Verfahren von
Leblanc gewonnen. Seit der Einführung
des Ammoniakverfahrens in die Sodafabrika-
tion hat man aber auch zahlreiche andere
Stoffe, besonders das Magnesiumchlorid der
Abraumsalze, als Ausgangsmaterial herange-
zogen. Die so erhaltene rohe S. (Acidum
hydrochloricum crudum) ist für viele Zwecke
der Technik direkt verwendbar. Zur Dar-
stellung reiner Salzsäure destilliert man ent-
weder ein Gemisch von Kochsalz und Schwe-
felsäure aus Glasretorten oder man unterwirft
die rohe Säure einem umständlichen Reini-
gungsverfahren. Zur Entfernung der nicht
flüchtigen Beimengungen wird die Säure mit
Wasser verdünnt, darauf, wenn sie freies
Chlor enthält, mit schwefliger Säure, oder,
wenn schweflige Säure zugegen ist, mit Chlor-
wasser versetzt und mit Schwefelsäure desti-
liert. Die für gewisse Zwecke, besonders in
der forensischen Analyse, gebrauchte völlig
arsenfreie Säure erhält man durch Destilla-
tion mit Eisenchlorür. — Die reine S. ist
eine farblose Auflösung des Chlorwasserstoff-
gases in Wasser, welches das Gas begierig

verschluckt und bei 20° das 475fache seines
Volums davon aufzunehmen vermag. Eine
derartig völlig gesättigte Lösung hat bei 15°
das spez. Gew. 1,212 und enthält 42,9 °/o
Chlorwasserstoff. Sie stößt an der Luft weiß-
liche Nebel aus und wird bei —40° fest.
Beim Erwärmen entweicht zunächst gasför-
miger Chlorwasserstoff, bis bei 110° eine S.
vom spez. Gew. 1,104 und einem Chlor-
wasserstoffgehalt von 20,24 °/o überdestilliert.
Die freie S. ist eine der stärksten Säuren
und bildet mit den meisten Basen neutrale
Salze, von denen dasjenige des Silbers in
Wasser unlöslich, dasjenige des Bleies schwer
löslich ist, während die meisten übrigen sich
leicht in Wasser lösen. Unter der Einwirkung
von Oxydationsmitteln, wie Braunstein, Sal-
petersäure, Mennige, wird freies Chlor abge-
spalten. Nach dem Gehalte an Chlorwasser-
stoff unterscheidet man gewöhnlich rohe
Salzsäure (Acidum hydrochloricum
crudum) mit einem spez. Gew. von 1,195
und 38,2°/o Chlorwasserstoff, konzentrierte
S. (Acidum hydrochloricum concen-
tratum vom spez. Gew. 1,120—1,180 und mit
24—36°/o Chlorwasserstoff, und verd ünnte
S. (Acidum hydrochloricum dilutum)
mit einem spez. Gew. von 1,036—1,062 und
8—12°/o Chlorwasserstoffgehalt. Die rohe S.
des Handels enthält meist 30—32°/o Chlor-
wasserstoff. — Die S. wird in ungeheuren
Mengen zur Fabrikation von Chlor, Chlorkalk,
Kaliumchlorat und Chloriden, besonders Sal-
miak, verwandt. Außerdem dient sie zur Ex-
traktion der Knochen für die Leimbereitung,
in der Zuckerfabrikation zur Wiederbelebung
der Knochenkohle, zur Extraktion von Kupfer
aus armen Erzen, zur Entwicklung von
Kohlensäure aus Karbonaten und zu vielen
anderen technischen Zwecken. Die reine Salz-
säure wird in starker Verdünnung medizinisch
als Darmdesinfiziens und zur Unterstützung
der Magenverdauung verordnet und im Labo-
ratorium als eins der wichtigsten Reagentien
benutzt. — Zollfrei.

Sämereien, die Samen von wild wachsen-
den Pflanzen und von Kulturpflanzen ver-
schiedener Art für Gärtner, Land- und Forst-
wirte, bilden hochwichtige Handelsartikel,
welche in großen Mengen verbraucht und
entweder von Kunst- und Handelsgärtnern
oder auch von Landwirten und in Forstgärten
gezogen oder von wild wachsenden Pflanzen
gesammelt werden. Der Sämereihandel ist
sehr lebhaft und erheischt ein geübtes Per-
sonal, welches die Beschaffenheit der guten
Samen und besonders die Charaktereigen-
schaften der verschiedenen Sorten genau
kennen muß. Um vor Fälschungen oder
schlechten Waren zu schützen, sind Samen-
kontrollstationen eingerichtet worden, die
erste 1869 in Tharandt durch Nobbe, deren
Hilfe sich vorzüglich bewährt hat. Man ver-
langt jetzt von den Händlern Garantie und
hat sich über gewisse Normen hinsichtlich
des Begriffs der Fälschung geeinigt. Vor
allem darf je nach Art der S. nur ein be-
stimmter Prozentsatz von fremden Samen oder