﻿Sandriedgraswurzel

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Santorinerde

oder Leinen in verschiedenen Nummern nach
der Graduierung der Körnung in den Handel,
von Nr. 000, dem feinsten, bis zu Nr. 6, dem
gröbsten. — Zoll: S. Tarif Nr. 662. 507.

Sandriedgraswurzel (Sandseggen-
wurzel, deutsche Sassaparille, lat. Rhi-
zoma caricis, frz. Racine de carex, engl. Ca-
rex root). Das Sandriedgras oder die
Sandsegge (Carex arenaria) ist auf dem
Küsten- und Dünensand der Nord- und Ost-
see, sowie landeinwärts auf unfruchtbarem
Sandboden gemein und nützt durch die sehr
langen Kriechwurzeln, welche dem lockeren
Sande einigen Halt verleihen. Die Wurzeln
oder Ausläufer werden im Frühjahr ge-
sammelt und getrocknet und in ca. 2 m
langen Bündeln zum Verkauf gebracht. Sie
sind etwa federkieldick, außen hellbräunlich,
innen weiß und durch Knoten gegliedert, von
denen die kleinen fadenförmigen Wurzeln
ausgehen. Frisch hat die Wurzel einen
harzig-balsamischen Geruch, der beim Trock-
nen verschwindet. Der Geschmack ist süß-
lich und schwach bitter. Die Droge dient
offizinell als blutreinigendes Mittel. — Die
Wurzel des rauhen Riedgrases (Carex
hirta), welche hier und da ebenfalls gesam-
melt wird, sieht äußerlich rotbraun aus und
heißt daher auch rote Queckenwurzel. Sie
bildet kürzere Stücke, so daß die Bündel
nur 6 dm lang sind, und hat eine größere
Verbreitung als die vorige Art. — Zollfrei.

Sandsteine (frz. Gres, engl. Sand-stone),
zu den Sedimentgesteinen gehörige Ge-
birgsarten, kommen nach Farbe, Härte und
Nebenbestandteilen in sehr verschiedenen
Formen vor, bestehen aber immer, als alte
wieder zusammengebackene Sandlager, aus
feineren oder gröberen Quarzkörnem, die
durch irgendein zwischengelagertes Binde-
mittel zusammengehalten werden. Je nach
diesem Zwischenmittel unterscheidet man
tonigen, mergeligen, kalkigen und kieseligen
S. Der letztere ist der härteste und beste.
Der Farbe nach gibt es ganz weiße, ferner
graue, gelbliche, grünliche und rote. Der
färbende Bestandteil der roten und gelblichen
Steine ist meist Eisenoxyd. Oft erscheinen
die Steine durch abwechselnde verschieden-
farbige Lagen streifig oder geadert. S. wer-
den viel als Baumaterial sowie zu Mühl-
und Schleifsteinen benutzt und in dieser Form
oft weit versendet. Als Baumaterial können
sie nur da versandt werden, wo Flüsse und
Ströme wohlfeilen Transport gewähren, wie
in der sächsischen Schweiz (Quader-
sandstein), ferner auf der Mosel bei Trier,
Weser u. a. Die feinen und dichten Steine
dienen auch zu Stein- und Bildhauerarbeiten,
wie Tür- und Fenstersimsen, architekto-,
nischen Verzierungen, Denkmälern und Sta-
tuen. Gewisse tonige Sorten, die sonst weder
zu baulichen, noch anderen Zwecken geeignet
sind, finden wegen ihrer Feuerfestigkeit als
sog. Gestellsteine, d. h. zum Ausbau der
heißesten Teile an Eisenhochöfen technische
Verwendung.

Sanikel (Saunikel, lat. Folia saniculae»
frz. Feuilles de sanicle, engl. Sanicle leaves),
die Blätter der in Europa, im nördlichen
Afrika und Mittelasien heimischen Umbelli-
fere Sanicula europaea sind dreilappig
und ungleich gezähnt. Sie haben einen
herben, zusammenziehenden Geschmack und
werden in der Volksmedizin gegen Lungen-
leiden verwendet. — Zollfrei.

Santonin (Santoninsäureanhydrid, lat.
Santoniuum, frz. Santonine, engl. Santonin)
ist der wirksame Bestandteil des sog. Wurm-
samens (s. d.), aus welchem es fabrikmäßig
dargestellt wird. Zur Gewinnung des S. wird
der Wurmsamen mit verdünnter Kalkmilch
ausgekocht, und die so erhaltene Lösung des
santonsauren Kalkes mit verdünnter Salzsäure
zersetzt, wodurch das S. ausgefällt wird. Das
gleichzeitig mit abgeschiedene Harz trennt
man durch Behandlung mit heißem ammo-
niakalischen Wasser ab und kristallisiert das
noch gefärbte S., nach Behandlung seiner al-
koholischen Lösung mit Tierkohle, aus Al-
kohol um. Die Ausbeute beträgt 1,8—2,3°/o.
Seit einigen Jahren wird in Deutschland nur
noch wenig S. hergestellt, da eine San-
toninfabrik in Taschkend in Turkestan, wegen
Ersparung der Transportkosten den Samen
direkt auf S. verarbeitet. Man erhält das
reine S. in schön glänzenden, weißen, tafel-
förmigen Kristallen. Es ist geruchlos und
geschmacklos, schmeckt aber in alkoholischer
Lösung stark bitter. Der Schmelzpunkt liegt
bei 170° C. In Wasser ist das S. nur äußerst
wenig löslich und gegen Lackmus indifferent.
In chemischer Hinsicht ist es als das An-
hydrid einer Säure zu betrachten, die man
Santoninsäure nennt. Durch Kochen von
santoninsaurem Baryum mit Barytwasser ent-
steht eine neue, aber isomere Säure, die
Santonsäure. Im zerstreuten Tageslichte,
schneller im direkten Sonnenlichte, färbt sich
das S. gelb und muß daher in schwarzen
Gläsern im Dunkeln aufbewahrt werden. Das
Hydrat des S., die Santoninsäure, färbt sich
dagegen im Sonnenlichte nicht gelb. Will
man gelb gewordenes S. wieder farblos haben,
so muß man es aus Alkohol Umkristallisieren.
In größeren Gaben wirkt es giftig. Das S.
wie auch das santoninsaure Natrium (lat.
Natrium santoninicum) wird gegen Spulwürmer
den Kindern gewöhnlich in Form kleiner
Tabletten aus einer Eiweiß und Zucker ent-
haltenden leichten Schaummasse von kegel-
förmiger Gestalt, sog. Santoninzeltchen
(lat. Trochisci santonini) verabfolgt, von denen
die schwächeren 0,03 g, die stärkeren 0,05 g
S. enthalten. — Zollfrei. Santoninzeltchen:
40 M.

Santorinerde, ein auf der griechischen
Insel Santorin vorkommendes, dem Traß ähn-
liches, zerreibliches Mineral, wie die ganze
Insel das Produkt vulkanischer Tätigkeit,
bildet einen vortrefflichen natürlichen Zement,
der zwar nicht bis zu uns gelangt, aber im
ganzen Gebiete des Adriatischen Meeres zu
Wasserbauten und Uferschutz häufig ge-
gebraucht wird. Er bedarf weder irgend-