﻿Satin

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Skammonium

liert worden. Das Alkaloid ist ein Herzgift,
ähnlich dem Digitalin. — Zoll: S. ist zollfrei.

Satin. Im engeren Sinne bezeichnet man
mit diesem Namen weißen seidenen Atlas
(s. d.), im weiteren Sinne alle seidenen, wol-
lenen, baumwollenen und leinenen Gewebe,
welche nach Atlasart mit glänzender Ober-
fläche hergestellt sind. Die seidenen Stoffe
der Gattung führen, je nachdem sie leichter
oder schwerer sind, verschiedene Namen, wie
Satin de Chine, russe, turc usw. Baum-
wollsatins (engl. Sateens) werden in
Deutschland englisches Leder genannt.
Wollsatins oder Wollatlasse (Satins de
laine) sind wollene, härtere oder weichere
Glanzstoffe zu Röcken und Möbelüberzügen.
Die glatten, einfarbigen Gewebe dieser Art
bilden die sog. Lastings. — Satinets sind
gewöhnlich halbseidene, bunt gestreifte Zeuge
aus Baumwollgrund mit seidenen Streifen,
oder Zeuge aus Glanzwolle, die dann Lastings
zweiter Sorte abgeben, wie denn überhaupt
baumwollenes englisches Leder sowohl mit
dem Namen Satin als Satinet belegt wird.
— Zoll: S. Tarif Nr. 401 ff. 445 ff.

Saucen nennt man Auszüge von Pflanzen
und Gewürzen, welche bisweilen auch Zusätze
von Fisch- und Fleischextrakten, Zucker,
Mehl und Kochsalz erhalten und neuerdings
vielfach fabrikmäßig dargestellt werden. Als
viel benutzte Ausgangsmaterialien erwähnt
König: Gold-Liebesäpfel, Knoblauch, Scha-
lotten, Sauerampfer, Champignons, Wal-
nüsse, Trauben, Tamarinden, Samen von
Bockshornklee, Kümmel, Blätter von Dragon,
Kerbel, Minze, Thymian, Majoran, Pfeffer,
Paprika, Senf, Muskatnuß, Gewürznelken,
Ingwer, Garnelen, Hummer, Anchovis und
Lobster. Von den bekannteren Saucen soll
Maggis Suppenwürze aus Gemüsen und
Steinpilzen hergestellt werden. Ovos, Wuk,
Sitogen sind unter Hefenextrakte,
Shoya (Soja) und Worcester unter ihrem
Namen in besonderen Artikeln besprochen
worden. — Zoll: S. Tarif Nr. 216.

Sauerkraut (Sauerkohl) wird durch Be-
handlung von feingeschnittenem Weißkohl
(Brassica oleracea capitata) mit Koch-
salz in festgefüllteh Fässern, zweckmäßig
Weißweinfässern hergestellt. Der Kohl unter-
liegt unter dem Einflüsse verschiedener Bak-
terien und Hefen einem Gärungsprozeß, in
dessen Verlaufe neben reichlichen Mengen
Milchsäure auch aromatisch riechende Ester
entstehen. Zur Erhöhung des Wohlge-
schmacks werden häufig auch geschnittene
Borsdorfer Äpfel, Weinbeeren, grüne Wal-
nüsse, Kümmel und andere Gewürze, sowie
geringe Mengen Wein hinzugesetzt. Das S.
besitzt eine gute Haltbarkeit, muß aber, so-
bald es im Fasse weich wird, schnell ver-
brauchtwerden. Haupthandelsplatz ist Magde-
burg. — Zoll: S. Tarif Nr. 33. 37.

Sauerstoff (lat. Oxygenium, frz. Oxygfene,
engl. Oxygen), der zur Erhaltung des Lebens
vermittels der Atmung unentbehrliche Be-
standteil der atmosphärischen Luft, in welcher
neben 78°/o Stickstoff und geringen Mengen

Wasserdampf und Kohlensäure rund 22°/»
Sauerstoff enthalten sind, kann für die Zwecke
des Laboratoriums nach verschiedenen Me-
thoden : Glühen von Quecksilberoxyd, Kalium-
chlorat oder eines Gemisches von Kalium-
chlorat und Braunstein, Behandlung von
Wasserstoffsuperoxyd mit Kaliumpermanga-
nat hergestellt werden. Er bildet im reinen
Zustande ein farbloses und geruchloses Gas
vom spez. Gew. 1,1056 auf Luft bezogen.
1 1 S. wiegt 1,43028 g. Als Handelsartikel
kommt S. erst in Betracht, seitdem man ihn
in flüssige Form überführt. Hierzu ist eine
Abkühlung auf — 1400 und ein Druck von
320 Atmosphären erforderlich. Für die fabrik-
mäßige Herstellung des flüssigen S. wird
Baryumoxyd in einem Strome kohlensäure-
freier Luft auf 500—600° erhitzt, wobei es
sich unter Sauerstoffaufnahme in Baryum-
superoxyd verwandelt, das nun seinerseits
beim Erhitzen auf 800° wieder nahezu reinen
Sauerstoff von 90—96°/o abspaltet. Nach
einem anderen Verfahren leitet man über
Kalziumorthoplumbat Kohlensäure, wo-
bei Sauerstoff abgespalten wird, und führt die
zurückbleibende Bleiverbindung durch Über-
leiten von Luft wieder in das Orthopiumbat
über, so daß auch hier ein kontinuierlicher
Betrieb möglich ist. Noch andere Methoden
beruhen auf der elektrolytischen Zersetzung
des Wassers, der Verwendung flüssiger Luft
und der verschiedenen Löslichkeit von Sauer-
stoff und Stickstoff in Wasser. Der nach
irgendeinem Verfahren gewonnene S. wird in
Stahlzylindern, wie die Kohlensäure, ver-
flüssigt und so in den Handel gebracht. Der
Preis beträgt für 1000 1 8—10 M. ausschließ-
lich der Zylinder. Flüssiger Sauerstoff wird
zum Einatmen bei Atemnot, bei zahlreichen
Blutvergiftungen, wie durch Leuchtgas und
Kohlenoxyd, bei Herzkrankheiten und Bleich-
sucht verordnet. Die Luftschiffer führen ihn
in große Höhen, die Feuerwehrleute in ver-
qualmte Gebäude mit sich. Die Technik be-
nutzt ihn als Oxydationsmittel bei chemischen
Prozessen, zur Erzeugung hoher Tempera-
turen in Hochöfen, zur Speisung von Knall-
gasgebläsen usf. -— Zollfrei.

Skammonium (Windenharz, lat. Gummi s.
resina scammonium, frz. Scammonöe d'Alep,
engl. Scammony) ist der eingetrocknete
Milchsaft der Wurzel einer im Orient wild
wachsenden Winde, Convolvulus Scam-
monia (Purgierwinde). Die gedrehten
Wurzeln werden sehr lang, bis 1 m, 5 bis
7 cm dick, zeigen eine braune Farbe, auf
dem Querschnitt dunklere Harzgänge und
kommen noch mit den Ranken und Blättern
umwickelt in den Handel. Zur Gewinnung
des Harzes entblößen die Landleute von
Smyrna und Syrien die Wurzel, machen Ein-
schnitte hinein, fangen den herausquellenden
Saft in Gefäßen auf und trocknen ihn an der
Luft und der Sonne. Gewöhnlich wird die
Masse noch weich nach Smyrna gebracht und
hier von den Kaufleuten durch Stärkemehl,
Gummi- und Mineralstoffe verfälscht. Die
verhältnismäßig reinste Handelssorte: Alep-