﻿Schachtelhalm

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Schamotte

po-S. bildet leichte, lockere und brüchige,
äußerlich bestäubte, auf dem Bruche aber
glasglänzende Massen von schwachem Geruch
und bitterem Geschmack. Sie soll 75 bis
85°/o ätherlösliche Stoffe, aber höchstens 8°/o
Asche enthalten. Das geringwertigere Smyr-
na-S. ist schwärzlich oder dunkelbraun, fester
und schwerer, in Äther nur wenig löslich und
wird anscheinend durch Auskochen der gan-
zen Pflanze und Eindicken des Auszuges her-
gestellt. Eine noch geringwertigere Sorte führt
die Bezeichnung Skilip. Wegen der häufigen
Verfälschung der orientalischen Ware bezieht
man neuerdings meist die getrockneten
Wurzeln und extrahiert sie, wie bei Jalape
angegeben ist, mit Alkohol. Das so erhaltene
Produkt wird als Patent-S. bezeichnet. S.
wird wegen seines Gehaltes an dem gluko-
sidischen Scammonin als drastisches Ab-
führmittel benutzt. — Zollfrei.

Schachtelhalm (Schachthalm, Schaft-
halm, Winterkannenkraut, lat. Herba
equiseti, frz. Prfele, engl. Shave grass). Die
beiden bei uns vorkommenden Arten der zu
den Kryptogamen gehörigen Gattung
Equisetum zeichnen sich durch einen star-
ken Gehalt an Kieselsäure in ihren Ober-
flächenschichten, namentlich der Stengel, und
durch die rauhe, höckerige Oberfläche der
letzteren aus. Sie eignen sich daher gut zum
Schleifen und Glätten von Holz und zum Ab-
scheuern von Metallgefäßen. Der kleine S.
(E. arvense, lat. Herba equiseti mino-
ris), ein bekanntes, schwer zu vertilgendes
Unkraut sandiger Äcker, wird im Haushalte als
Scheuergras oder Zinnkraut zum Putzen
von Metallgeschirren verwendet. Der große
S. (E. hiemale, lat. Herba equiseti ma-
joris) hat seinen Standort auf sandigen Stel-
len in der Nähe von Wasser und in feuchten
Wäldern und ist in ganz Deutschland, be-
sonders in den Rheingegenden, verbreitet. Die
gegliederten Stengel sind rund, 6—8 dm hoch
und reihenweise mit harten, scharfen Zähn-
chen besetzt. Die getrockneten Stengel wer-
den von Tischlern, Drechslern, Holzbild-
hauern und Lackierern zum Abschleifen von
Holz benutzt, sind aber jetzt durch Glas- und
Flintpapier verdrängt worden. — Beide Sorten
werden auch vielfach medizinisch verwendet,
und zwar der harntreibenden Wirkung hal-
ber, als Tee, z. B. als Bestandteil des Kneipp-
schen Wassersuchttees. — Zollfrei.

Schachtelmus ist eine zolltechnische Be-
zeichnung für Marmelade (s. diese).

Schachteln. Diese zur Aufbewahrung oder
den Versand von Waren dienenden Behälter
werden aus verschiedenen Stoffen hergestellt.
Hauptsächlich kommen in Frage Holzspan-
schachteln, aus Fichtenholz, die z. B. in
großen Mengen in Thüringen, Franken usw.
hergestellt werden, sowie Pappschachteln,
als Buchbinderarbeiten in teils einfacher, teils
oft recht luxuriöser Aufmachung. — Zoll:
S. Tarif Nr. 628. 665 ff.

Schafgarbe (Karbekraut, Gollenkraut,
lat. Herba millefolii, frz. Millefeuille, engl.
Milfoil), ein nur noch wenig gebräuchlicher

Artikel des Drogenhandels, besteht aus den
getrockneten Blättern einer an Wegen, auf
Wiesen, Rainen und Rändern gemeinen, aus-
dauernden Pflanze mit fein zerteilten Blättern
und weißen, auf einzelnen Standorten auch
purpurroten, in zusammengesetzten Dolden-
trauben stehenden Blüten, mit würzhaftem
Geruch und bitterem und salzigem Geschmack
(Achillea millefolium). — Zuweilen wer-
den auch die Blüten (lat. Flores millefolii,
frz. Fleurs de millefeuille, engl. Milfoil flo-
wers) im Drogenhandel geführt und wie die
Blätter zur Herstellung eines weingeistigen
Extraktes, sowie des ätherischen Öles benutzt.
Die Schafgarbenblätter und Blüten werden
als Aufguß bei Blutungen, Leberleiden und
als blutreinigende Mittel verwendet. — Das
Schafgarbenöl (lat. Oleum millefolii aethe-
reum, frz. Essence de fleurs de millefeuille,
engl. Oil of milfoil flowers), von welchem
etwa 0,07—0,13% erhalten werden, ist dick-
flüssig, in der Kälte butterartig und von
blauer Farbe, die mit der Zeit in Grün und
Braun übergeht. Der Geruch des Öls ist
durchdringend, der Geschmack kampferartig
aromatisch. Es wird zuweilen noch medi-
zinisch verwendet. — Zoll: S. Blätter und
Blüten sind zollfrei. S.-Öl: 30 M.

Schalen, pflanzliche. Hierunter rechnet
man 1. diejenigen S., welche zu Schnitzar-
beiten dienen, z. B. Steinnuß- und Kokos-
nußschalen. 2. solche zum Gewerbege-
brauch = Rinde, z. B. Angosturarinde.
3. Sch. zum Heilgebrauch, z. B. Condu-
rangorinde. 4. S. aus dem Tierreich,
z. B. Muschelschalen, Schildkröten-
schalen. — Zollsatz und Beschreibung siehe
bei den betreffenden Artikeln.

Schamotte (Chamotte) nennt man die
Masse, aus welcher die für Schmelzöfen und
andre Feuerungsanlagen benutzten feuerfesten
Backsteine (Schamottesteine, frz. Briques
refractaires, Briques en chamotte, engl. Fire
bricks, Chamotte stones), ferner Schmelztiegel,
Kapseln zum Porzellanbrennen usw. gefertigt
werden. Sie besteht aus reinem Ton, der mit
bereits vorher gebranntem und gemahlenem
Ton gemengt ist. Die Feuerbeständigkeit der
Masse, vermöge welcher sie selbst in an-
haltender Weißglut nicht berstet, mürbe wird
oder schmilzt, beruht lediglich auf der Reinheit
des Tons, d. h. der Abwesenheit von Alkalien,
Kalk und Eisenoxyden, denn solcher reiner Ton
ist schon von Natur feuerfest. Der Zusatz des
bereits gebrannten Tons oder von gemahlenen
Tonscherben hat lediglich den Zweck, das
starke Schwinden zu verhindern, welchem der
fette, feuerfeste, reine Ton beim Brennen aus-
gesetzt ist. Ein guter feuerfester Stein darf
nicht zerspringen, wenn er glühend in kaltes
Wasser geworfen wird. Die von Ziegelhütten
und zum Teil von Porzellanfabriken in den
Handel gebrachten Steine sind gebrannt
und mehr oder weniger weiß. Wo sie am
Orte hergestellt und verbraucht werden, ge-
schieht das Vermauern in lufttrocknem Zu-
stande, und zwar unter allen Umständen ohne