﻿Scharlach

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Schellack

Kalk, nur mit Tonmörtel. Bei der Auf-
bewahrung der Steine ist darauf zu achten,
daß sie nicht dem Regen ausgesetzt, sind. —
Zoll: S. Tarif Nr. 724.

Scharlach ist der Name verschiedener roter
Teerfarbstoffe. Wollscharlach R, das
Natronsalz der Xylidinazoalphanaphtoldisulfo-
säure, ein braunrotes, in Wasser mit gelbroter
Farbe lösliches Pulver, färbt Wolle in sauerem
Bade rot. — Scharlach 3 J ist mit Ponceau
3 J identisch (s. d.). — Koschenilleschar-
lach 4 R, ein feurigrotes, in Wasser schwer
lösliches Pulver, besteht aus dem Natronsalze
der Xylidinazoalphanaphtolmonosulfosäure. —
Scharlach GR und R, ein zinnoberrotes,
in Wasser mit rotgelber Farbe lösliches Pul-
ver, ist die Natronverbindung der Xylidinazo-
betanaphtolmonosulfosäure. — ScharlachG
besteht aus der Natronverbindung der Xyli-
dinazobetanaphtoldisulfosäure und färbt Wolle
in sauerem Bade rot. — Zollfrei.

Scharpie, ein Artikel des Drogenhandels,
wird in der neueren Chirurgie nur noch wenig
verwendet und dann stets im desinfizierten
Zustande. Sch. aus gebrauchten Geweben
kommt gar nicht mehr zur Verwendung. Die
Bezüge der mit der Hand gezupften Ware
waren früher meist nicht genügend, die Nach-
frage zu decken, und in solchen Fällen mußte
dann England aushelfen, wo der Artikel be-
sonders schön gleich gewebt wird. — Gezupfte
S. ist zollfrei.

Schellack (Gummilack, Lackharz, lat.
Lacca, Gummi lacca, frz. Gomme laquö, engl.
Lac), ein wichtiger Artikel des Drogenhandels,
ist das Erzeugnis einer kleinen roten Schild-
laus (Coccus lacca, Coccus fica), welche
in Ostindien auf zahlreichen verschiedenen
Bäumen und Sträuchern, namentlich auf Anona
squamosa, Butea frondosa, Croton laxiferus,
Ficus und Urostiqua Arten lebt. Dieser
eigentümliche harzartige Stoff entsteht infolge
des Brutgeschäfts der weiblichen Tiere, und
man glaubt, daß er nicht direkt als Folge des
Anstechens aus den jungen saftigen Zweigen
austritt, sondern daß er vom Tiere selbst
innerlich bereitet und ausgeschwitzt wird. Die
Tiere, welche an den von ihnen befallenen
Stellen dicht gedrängt rund um den Zweig
sitzen, schwellen nach der Befruchtung blasen-
förmig zu Erbsengroße auf. Sie füllen sich
mit Eiern und einer lebhaft roten Flüssigkeit
und umgeben sich mit der harzigen, allmäh-
lich erhärtenden Masse, welche das Tier wie
eine Kapsel völlig einschließt, jedoch porös
ist, so daß Luft zum Atmen zutreten kann.
Fliermit ist der Lebenslauf des Muttertieres
abgeschlossen, die junge Brut aber, die aus
den Eiern hervorgeht, nährt sich von dem
roten Safte und bahnt sich nach ihrer völligen
Entwicklung einen Weg ins Freie. — Die ver-
lassenen Wohnungen, die in größeren Massen
dicht geschlossene, rauhe Borken bilden, wer-
den mit samt den Zweigen abgebrochen und
bilden den Stocklack (Stangenlack, Stab-
lack, lat. Lacca in ramulis seu baculis,
frz. Laque en bätons, engl. Stick-Lac), mit

dessen Einsammlung sich die Bewohner ver-
schiedener Gegenden Ostindiens, besonders
am Ganges beschäftigen. Die Masse des
Stocklacks bildet rauhe, außen braunrötliche
Röhren oder durch Abbröckeln Bruchstücke
von solchen, oft mit noch ansitzendem Zweig-
Stücke. Sie ist leicht zerbrechlich, auf dem
Bruch glänzend und enthält im Inneren die
zahlreichen Brutzellen, die teils leer sind, teils
noch roten Farbstoff enthalten. Je nach der
Herkunft zerfällt diese Rohware in mehrere
Sorten, unter denen die von Siam, eine sehr
dunkelfarbige, braune oder schwärzliche und
an Farbstoff reiche am höchsten, hingegen die
bengalische, farbstoffarme, daher gelbe oder
gelbrötliche am wenigsten geschätzt wird. Die
mit rotem Farbstoff gefüllten Zellen enthalten
auch noch Insekten, die also zur Zeit der
Ernte ihre Entwicklung noch nicht erreicht
hatten, während aus den bereits verlassenen
Kolonien die färbende Materie fast verschwun-
den ist. — Von den Zweigen abgeklopft, zerfällt
der Stocklack in Körner, den sog. Körner-
lack (lat. Lacca in granis, frz. Laque en
grains, engl. Seed-Lac). Stocklack und Körner-
lack enthalten den Farbstoff des Schellacks,
der Lac dye genannt wird. — Da sie aber
wegen ihres Farbstoffs in ihrer Verwendung
beschränkt sind, und man Schellack in
heller Blätterware vorzieht, entfernt man den
Farbstoff durch Ausziehen mit schwacher
Lauge und füllt die Masse in wurstförmige
Säcke die vorsichtig erwärmt werden. Der
geschmolzene Lack tritt durch die Poren
aus und wird noch warm auf Metallbleche
gestrichen. Erkaltet springt er von diesen ab
und liefert nun den Schellack lemon oder
orange in der bekannten dünnblättrigen
Ware. — Außerdem kommen noch Knopf-
schellack, Blut-Rubin- oder Granat-
Schellack in den Handel, welche direkt,
ohne Entfernung des Farbstoffs, durch ein-
fache Auswahl aus dem Stocklack hergestellt
werden. Diese Sorten bilden kleine, meist
runde, wenig durchscheinende, hellbraune bis
braunrote Tafeln von sehr glatter Oberfläche
und reiner Masse. — Der Schellack ist eine
natürliche Mischung verschiedener Harze,
insgesamt ca. 90°/o, und enthält außerdem
noch mehr oder weniger Farbstoff und etwas
Wachs. Weingeist löst ihn in der Kälte unter
Hinterlassung des Wachses, heißer Wein-
geist nimmt auch von diesem etwas auf, das
sich aber beim Erkalten wieder ausscheidet.
Die trübe Lösung kann durch Filtrieren
geklärt werden. In Benzin ist Schellack
selbst unlöslich, während die Wachssubstanz
dadurch zur Lösung gebracht wird. — Ver-
wendung: Die Schellacksorten werden viel-
fach zur Herstellung von Lacken, namentlich
Spirituslacken und Polituren, verwendet und
geben einen schnell trocknenden, schön glän-
zenden Überzug. Bei Verwendung von Poli-
turen wird der Glanz durch anhaltendes Rei-
ben mit Baumwollbäuschen erzeugt. Durch
Zusatz von Teerfarbstoffen oder anderen
Farben erhält man die farbigen Spirituslacke.
Außerdem wird Schellack zu Siegellacken und