﻿Schellfische

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Schiefer

in der Pyrotechnik zu den rauchschwachen
Buntfeuern verwendet. Gepulverter Schellack
wird entweder für sich, oder in Verbindung
mit anderen Harzen, als Kitt benutzt. Der
Schellack löst sich beim Kochen auch leicht
in alkalischen Mitteln, z. B. in wässeriger
Boraxlösung. Die erhaltene Lösung bildet
eine leimartige Masse, die nach dem Trock-
nen einen wasserdichten Überzug bildet. Als
Steife für Hutmacher hat sie den Namen
Wasserfirnis erhalten. Mit Teerfarben und
anderen Farben gefärbt, ergibt sie die so-
genannten Lederappreturen. — Da die
Wachssubstanz und die rote oder braune
Farbe für verschiedene Zwecke hinderlich ist,
raffiniert oder reinigt man den Schellack,
indem man ihn durch Kochen in verdünnter
Alkalilauge löst. Die wachsartige Substanz
schwimmt nach dem Erkalten auf der Flüssig-
keit und wird abgehoben. Dann wird die
Lösung nochmals erhitzt, das Schellackharz
durch Zusatz von Mineralsäuren ausgeschie-
den, die noch weiche Harzmasse durch Aus-
kneten vom Wasser befreit, und die Ware
in Stangen oder Zöpfe geformt. Soll der Farb-
stoff völlig entfernt werden, um einen ganz
weißen Schellack zu erhalten, so wird die alka-
lische Lösung durch Eau de Javelle entfärbt,
und dann das Harz durch Säure ausgeschieden.
Solcher gebleichter Schellack oxydiert sich an
der Luft sehr schnell, wird bröcklich und gelb
und daher am besten unter eisenfreiem oder
destilliertem Wasser aufbewahrt. Die Oxy-
dation zeigt sich dadurch, daß der Schellack
seine Löslichkeit in Weingeist verloren hat.
Die lat. Bezeichnung für gebleichten
Schellack ist: Lacca alba depurata in ba-
cillis, frz. Laque purifiö, engl. Purified Lac.
Gebleichter Schellack findet Verwen-
dung zur Herstellung weißer farbloser Lacke
und Polituren, weißer Siegellacke usw. -—
Die Versendung von Schellack aus dem Ur-
sprungslande Ostindien geschieht meist über
Kalkutta, nach London und Hamburg, in
Kisten von ca. 70 kg, die mit Sackleinwand
bedeckt sind. Schellack wird häufig mit Kolo-
phon und anderen billigen Harzen verfälscht,
doch kann man derartige Verfälschungen
leicht erkennen, indem man eine Probe mit
Benzin vornimmt. Da Schellack in Benzin
unlöslich ist, die Wachssubstanz und das
als Verfälschung dienende Kolophon sich
hingegen in Benzin löst, so kann man aus der
Menge des verbleibenden ungelösten Rück-
standes folgern, ob der Schellack rein oder
verfälscht ist. — Zoll: Schellack in seinen
verschiedenen Sorten ist zollfrei. Schellack-
lösungen in Weingeist, Schellackkitt s. Tarif
Nr. 342.

Schellfische. Diese zu den Gadiden,
einer Familie von Weichflossenstachlern,
gehörenden langgestreckten Seefische mit
schleimiger Haut und kleinen Rundschuppen,
großer Mundöffnung, zwei bis drei Rücken-
und einer kehlständigen Bauchflosse, bilden
einen wichtigen Gegenstand des Massenkon-
sums bis weit in den Kontinent hinein. Die
größte Bedeutung hat die Gattung Gadus,

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

mit drei Rücken- und zwei Afterflossen, und
zwar erstens der Kabeljau, Gadus mor-
rhua (s. d.), zweitens der Schellfisch, Ga-
dus aeglefinus (Haddock in England),
ein 30—40 cm langer Fisch mit braunem
Rücken und silberigen Seiten, ausgeschnit-
tener Schwanzflosse und gerader Seitenlinie,
und drittens Gadus merlangus, Merlan,
auch Wittling genannt, in Nordeuropa. Wei-
tere S. sind Merlucius vulgaris, der See-
hecht, in der Nordsee und im Mittelmeer,
und die Aalraupe, Lota fluviatilis, in
Süßwasser. — Hinsichtlich der Verwendung
des eigentlichen S. und über Zoll: Siehe
Kabeljau.

Schiefer (frz. Ardoise ou Schiste, engl.
Slate). In der Gesteinskunde werden mit
diesem Namen alle diejenigen Sedimentge-
steine belegt, welche sich in mehr oder we-
niger dünne, annähernd ebene Platten spalten
lassen. Da diese Eigenschaft vielen Gesteinen
zukommt, so hat man auch ebenso viele ver-
schiedene Schiefersorten, wie Glimmer-
schiefer, Chloritschiefer, Tonschiefer,
Grauwackenschiefer, Kieselschiefer,
Kupferschiefer, Mergelschiefer und
Talkschiefer. Im Handel versteht man
jedoch unter S. ohne nähere Bezeichnung,
nur diejenigen Sorten, welche sich als Dach-
schiefer oder Tafelschiefer eignen. Aber
auch diese sind in ihrer Beschaffenheit nicht
völlig gleich, sondern zeigen in der Mischung
ihrer Bestandteile, durch kristallinische oder
nicht kristallinische Struktur, feineres oder
gröberes Gefüge, verschiedene Grade der
Spaltbarkeit und Härte mannigfache Unter-
schiede. Die im Handel vorkommenden Dach-
und Tafelschiefer gehören immer zur Gruppe
der Tonschiefer und sind teils kristalli-
nische Urtonschiefer, teils nicht kristalli-
nische S. der Übergangsformation. Die Schie-
ferbrüche sind entweder Tagbauten wie ge-
wöhnliche Steinbrüche, oder werden unter-
irdisch wie Bergwerke betrieben. In beiden
Fällen ist immer viel wildes Gestein zu be-
seitigen, zwischen welchem der brauchbare S.
in Schichten liegt. Englischer S. findet
in Deutschland, wenigstens im Norden, Ab-
satz, da die Wasserfracht von England dorthin
weniger kostet, als das Hinschaffen aus dem
Binnenlande. In Deutschland wird der beste
S. im Thüringer Walde gefunden, und nament-
lich der aus den berühmten, seit Jahrhun-
derten betriebenen Brüchen von Lehesten
im Meiningenschen gewonnene zeichnet sich
durch Güte, Reinheit und Schönheit aus.
Die Blöcke werden in möglichster Größe ab-
gebaut und sogleich auf den Spalthütten in
Arbeit genommen, weil sie sich im Zustande
ihrer natürlichen Erdfeuchtigkeit am leich-
testen halbieren lassen. Dicke Platten für
Grabmonumente, Fußbodenbelcge,,Tröge und
Tischplatten werden durch Sägen, Behauen,
und Schaben in die verlangte Form gebracht,
die dünneren Platten zu Dachbedeckung und
Schreibtafeln durch Spalten mit stählernen
Meißeln hergestellt. Die Form der Platten
wird bei gewöhnlichem Dachschiefer durch

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