﻿Schieferöl

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Schießbaumwolle

Schlagen auf einem Amboß mit scharfen
Kanten, bei feinerer Ware durch Schneiden
auf einer Stockschere gegeben. Das letztere
gilt namentlich von dem sog. Schablonen-
schiefer, welcher nicht nur quadratisch
und lang viereckig, sondern auch 5-, 6-, 8-
eckig und in anderen Formen hergestellt wird.
Der Tafelschiefer erhält seine Glätte durch
Schaben und Schleifen, worauf er meistens
eingerahmt (Schiefertafeln) in den Handel
kommt. Nächst Lehesten ist die Umgegend
von Gräfenthal in Thüringen reich an gutem
S. Hier findet sich neben vortrefflichem
Material zu Schiefertafeln auch der Griffel-
schiefer, eine besondere Varietät, welche
nicht in Platten, sondern gleichsam holzartig
spaltet, so daß ein Block, der an richtiger
Stelle im bruchfeuchten Zustande einen Schlag
erhält, sogleich in eine Menge Stengel ausein-
anderfällt, die durch Schaben noch etwas
abgeglichen werden. Die Schieferbrüche bei
Goslar am Harz ergeben ein vorzügliches
Dachdeckungsmaterial, ausgezeichnet durch
Festigkeit und große Dünnspaltigkeit. Andere
Lager finden sich im Rheinlande, Erzgebirge,
Großbritannien, Frankreich und Belgien.
Guter Dachschiefer muß vollständig eben-
flächig, glatt und möglichst dünn sein, damit
die Tafeln das Dach nicht zu sehr belasten.
Auf dem Querbruche muß er genügend dicht
sein und darf keinen eingesprengten Schwefel-
kies enthalten, weil er sonst leicht verwittert.
— Zoll: S. Tarif Nr. 233. 684. 688.

Schieferöl nennt man die öle, welche durch
trockene Destillation aus bituminösen, d. h.
von Erdharzen oder Erdölen durchdrunge-
nen Schiefern gewonnen werden. Sie be-
stehen aus Kohlenwasserstoffen, die sich
als Brennöle verwerten lassen, haben aber
seit dem Aufkommen des Petroleums an Be-
deutung verloren. — Zoll: S. Petroleum.

Schieferschwarz (frz. Noir de schiste, engl.
Slate black), eine wohlfeile Anstrichfarbe,
welche aus groberdigem, zerreiblichem, durch
Kohle schwarz gefärbtem Schieferton,
sog. schwarzer Kreide, durch Mahlen her-
gestellt wird, findet sich am besten in der
Gegend von Rennes in Frankreich, sowie
bei Saalfeld. — Zoll: S. Tarif Nr. 224. 329.

Schierling (lat. Herba conii s. cicutae, frz.
Feuilles de cigue, engl. Hemlock leaves).
Von dieser, zu den Doldengewächsen ge-
hörenden Pflanze, Conium maculatum,
sind die getrockneten Blätter offizineil, dürfen
aber im Kleinverkehr nicht verkauft werden.
Das zweijährige Gewächs siedelt sich gern
in der Nähe von Ortschaften, an Zäunen,
Wegen, auf Schutthaufen wie in fruchtbarem
Lande an und erreicht eine Höhe von 9 bis
12 dm und darüber. Die Pflanze hat einen
runden, hohlen, bläulich bereiften Stengel,
der nach oben stark verästelt, an seinen
unteren Partien, wie an denen der stärkeren
Äste und den Blattscheiden aber mit dem
Artmerkmal, rotbraunen oder purpurroten
Flecken, versehen ist (gefleckter S.). Die
dreifach gefiederten, glanzlosen Blätter sind
denen der Petersilie außerordentlich ähnlich,

die im zweiten Jahre erscheinende Blütendolde
ist weiß. Alle Teile der Pflanze sind übrigens
glatt, ohne Härchen und sonstige Anhängsel,
wodurch sie von anderen ähnlichen Ge-
wächsen unterschieden werden kann. Das
Kraut ist vor der Blütezeit einzusammeln,
von den dickeren Stengeln zu befreien und
rasch zu trocknen. Frisch zerrieben riecht
es widerwärtig und fast betäubend nach
Mäuse- oder Katzenurin und schmeckt ekel-
haft süßbitterlich. Durch das Trocknen
schrumpft das Kraut sehr ein und wird dunkel-
graugrün. Es muß wegen leichter Verderbnis
gut aufbewahrt und alle Jahre erneuert werden.
Alle Teile der Pflanze, auch die Wurzel
und die Früchte sind sehr giftig. Sie ent-
halten zwei eigentümliche organische Basen,
das Koniin (s. d.) und das Konhydrin. —
Das gepulverte Kraut, sowie daraus herge-
stellte Extrakte und Tinkturen werden in
sehr kleinen Gaben innerlich bei Keuch-
husten, Asthma usw. medizinisch verwendet.
— Die Schierlingsfrüchte, fälschlich
Schierlingssamen (lat. Fructus conii ma-
culati, frz. Semences de cigue, engl. Hemlock
seeds) genannt, sind durch fünf auf der Wöl-
bung des Rückens befindliche erhabene, helle
Riefen, die wellenförmig gekerbt sind, charak-
terisiert. Hierdurch unterscheiden sie sich
leicht von anderen ähnlichen Früchten, z. B.
Kümmel, Fenchel. Man benutzt sie zur Dar-
stellung des Koniins. — Zoll: S.-Kraut und
Früchte sind zollfrei.

Schießbaumwolle (Pyroxylin, Nitro-
zellulose, nitrierte Baumwolle, lat.
Pyroxylinum, frz. Pyroxyline, engl. Pyroxylin),
eine deutsche Erfindung, wurde zuerst und
beinahe gleichzeitig im Jahre 1846 von Schön-
bein in Basel und Böttcher in Frankfurt a. M.
hergestellt. Die anfangs überschwänglichen
Erwartungen, daß in der S. ein völliger Ersatz
des Schießpulvers für Sprengungen und Schuß-
waffen gefunden worden sei, schienen zunächst
nicht in Erfüllung zu gehen. Erst nachdem es
durch die Arbeiten v. Lenks und später Abels
gelungen war, die Ursache der Selbstentzünd-
lichkeit zu beseitigen, fand sie allgemeinen
Eingang in die Sprengtechnik. Das Verfahren
zu ihrer Darstellung beruht auf demselben
Prinzip wie das der Nitroglyzerinfabrikation.
Reine Zellulose, besonders fettfreie, durch!
Krempeln gereinigte Baumwolle, wird in ein
Nitrierungsgemisch von Salpetersäure und
Schwefelsäure gebracht, eine Zeitlang darin
belassen und dann aufs sorgfältigste durch
Waschen mit viel Wasser in Zentrifugen von
jeder Spur anhaftender Säure befreit. Nach-
dem sie dann in einem Papierholländer unter
starkem Wasserzufluß vollständig zu Brei
vermahlen ist, wird sie entweder außerordent-
lich vorsichtig bei 40—50° getrocknet, oder
durch Behandlung mit Alkohol entwässert,
oder endlich direkt in feuchtem Zustande
weiter verarbeitet. Nach dem Abelschen Ver-
fahren wird der noch feuchte Brei durch
Pressen unter hohem Druck in Patronen,
Sprengröhren und Scheiben geformt, die unter
Umständen noch durch Imprägnieren mit