﻿Schildkrot

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Schlangenwurzel

(Pikratpulver) herangezogen. — Zoll: S. Tarif
Nr. 364.

Schildkrot (Schildpatt, frz. Ecaille, engl.
Tortoise Shell, Shell of sea turtles) nennt man
die hornartigen, aus verdickten Epidermis-
zellen bestehenden, oberen Platten des
Rückenschildes mehrerer Arten von Schild-
kröten. Die Schale der ihres wohlschmecken-
den Fleisches wegen geschätzten Riesen-
schildkröte oder Suppenschildkröte
(Chelonia Mydas) ist zu dünn und kann
nur zu Laternen gebraucht werden, hingegen
werden andere Arten, deren Hornpatten klar
durchscheinend und buntfarbig, gelb, rot,
braun, schwarz geflammt oder gewölkt sind,
besonders die Karetschildkröte (Che-
lonia Caretta) und die schuppige Schild-
kröte (Chelonia imbricata) lediglich ihres
S. wegen gefangen. Das beste Schildpatt
kommt aus dem ostindischen Inselmeer und
wird je nach den Bezugswegen chinesisches
oder ostindisches genannt. Doch kommen
auch aus dem Roten Meer schöne schwere
Stücke, mit dunkelgelbem Grund und braun-
schwarzen Flecken über Kairo in den Handel.
Vom Schildkrötenpanzer verwendet man nur
das Rückenschild, welches aus 12 um eine
sechseckige Mittelpatte geordneten Tafeln
besteht. Die Patten werden in der Weise
abgenommen, daß man die Panzer über
Kohlenfeuer hält, wodurch sie sich von der
unterliegenden Partie des Rückenschildes
trennen. Der Wert des S. hängt, außer von
der guten Färbung, besonders auch von der
Größe und Dicke der Patten ab, das beste
muß dick, durchsichtig, lebhaft gefärbt und
großgefleckt sein. Die bekanntesten Sorten
sind das indische, schwarz mit gelber und
roter Nuance, das sehr dicke, veilchenblaue
von den Seyschellen, das außen muschel-
grüne, innen schwärzliche, mit bräunlichem
Schein und gelben Flecken versehene ameri-
kanische und das S. von der Insel Bour-
bon, in sehr großen, weichen und biegsamen,
blaßgelben, mit rotgelben und schwarzen
Nuancen ausgezeichneten Stücken. Das S.
ist seiner Natur und seinen Eigenschaften
nach dem Horn sehr ähnlich, aber von
feinerer und kompakterer Masse, nicht so
faserig und blätterig, und daher politurfähiger.
Es läßt sich auch in gleicher Weise wie
Horn bearbeiten, durch siedendes Wasser
erweichen und pressen und in trockener Hitze
schweißen und findet daher zur Herstellung
von Dosen, Kämmen, Messerheften und Ga-
lanteriewaren Verwendung. Nachahmungen
von S. werden hergestellt, indem man auf
weißem Horn, Knochenleim u. dgl. durch
Beizen ähnliche Farben und Zeichnungen her-
vorbringt. Auch werden die Abfälle von der
Verarbeitung des echten S. zu einer Art
künstlichen S. verarbeitet. — Zoll: Schild-
krot s. Tarif Nr. 156. 603/4.

Schildkröten (frz. Tortues, engl. Turtles).
Von diesen zur Klasse der Amphibien ge-
hörigen Tieren bilden mehrere Arten ihres
nahrhaften und schmackhaften Fleisches
wegen einen Handelsartikel. So wird von den

Landschildkröten die bis zu 2 kg schwere
griechische S., Testudo graeca, in ganz
Italien und Griechenland regelmäßig auf den
Markt gebracht, und in Brasilien bildet eine
andere Art Landschildkröten, der Schabuti
(Testudo tabulata), ein wichtiges Nahrungs-
mittel. Die schmackhafteste und wichtigste
aller Arten ist die im Atlantischen Ozean
lebende Suppenschildkröte, Chelonia
Mydas. Sie erreicht unter Umständen ein
Gewicht von 500 kg, hält sich vorzugsweise
in der Nähe der Küste auf und legt ihre
Eier in ein in den Sand oder die Erde ge-
grabenes Loch. Die Schildkröteneier
mehrerer Arten werden ebenfalls genossen
und auch, eingesalzen und mariniert, in den
Handel gebracht. Aus dem Fleische bereitet
man die Schildkrötensuppe (engl. Real
turtle soup), sowie auch Ragouts und Fri-
kassees. Echte Schildkrötensuppe, sowie un-
echte, nachgemachte Schildkrötensuppe (engl.
Mock turtle soup) kommt in hermetisch ver-
schlossenen Blechbüchsen zum Verkauf. —
Zoll: Schildkröten s. Tarif Nr. 121. 124. Sch.
als Konserven: Nr. 219.

Schildkrötenöl (Schildkröten eieröl).
Die Eier der Schildkröten enthalten ein
fettes Öl, das in manchen Gegenden, so
namentlich von den Indianern am mittleren
und unteren Orinoko in großer Menge ge-
wonnen wird. Die Tiere legen ihre Eier auf
gemeinschaftlichen Brutplätzen am Ufer des
Flusses in Gruben, die sie mit ihren Hinter-
füßen in den Sand scharren. Die Indianer
graben den Boden vorsichtig auf, nehmen die
Eier heraus und werfen sie in große, mit
Wasser gefüllte Tröge, in denen sie mit
Schaufeln zerdrückt, umgerührt und der
Sonne ausgesetzt werden. Das obenschwim-
mende Öl wird abgeschöpft und über freiem
Feuer erhitzt, wodurch es haltbarer wird.
Es ist schwach gelblich gefärbt, geruchlos
und dem Olivenöl ähnlich und dient zur
Bereitung von Speisen, sowie als Brennöl.
Auch rühmt man ihm nach, daß es gegen
Lungenleiden wirksamer als Lebertran sei, da
es vom Magen besser vertragen werde. —
Zoll: S. Tarif Nr. 166/7.

Schinken (frz. Jambon, engl. Ham), die ein-
gesalzenen und geräucherten Hinterschen-
kel der Schweine, bilden einen bedeutenden
Handelsartikel. Besonderen Ruf genießen
die westfälischen und pommerschen S.,
nächstdem die aus Thüringen, Braunschweig
und Holstein. In Frankreich sind Bayonne,
Bordeaux und Troyes wegen ihrer S. be-
sonders bekannt. — Zoll: S., Anmerkung 2
zu Nr. 108. Steuer: S. Fleisch.

Schlackensteine. Aus Schlacke werden
durch Gießen in Formen würfelförmige und
auch prismatische Steine gefertigt, die eine
schwarzgraue Farbe besitzen und namentlich
zum Pflastern von Straßen verwendet werden.
Sie sollen sich gut halten und bilden einen
nicht unbedeutenden Handelsartikel. — Zoll-
frei.

Schlangenwurzel. Diesen Namen führen
zwei verschiedene Wurzeln, nämlich: 1. die