﻿Schlehenblüten

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Schmelzbutter

hin- und hergebogene ausdauernde Wurzel
des auf allen feuchten Wiesen vorkommen-
den Wiesenknöterichs (Polygonum
Bistorta), die sog. Schlangen- oder
Natterwurzel (lat. Rhizoma bistortae, frz.
Rhizome de bistorte, engl. Snake root). Die
Wurzel schmeckt sehr herb und bitter, besitzt
einen hohen Gehalt an Gerbstoff, Gallussäure
und Stärkemehl und wird als adstringierendes
Mittel verwendet. 2. Die andere Schlangen-
wurzel, die als virginische Schlangen-
wurzel bekannte Art (lat. Rhizoma serpen-
tariae, frz. Rhizome de serpentaire de Vir-
ginie, engl. Serpentary root), hat ihren
Namen nicht von ihrer Gestalt, sondern von
ihrem angeblichen Gebrauch als Mittel gegen
Schlangenbiß. Die virginische Wurzel
kommt von Aristolochia Serpentaria
oder Endodeca Serpentaria (Raff.), einer
krautartigen Pflanze mit ausdauerndem Wur-
zelstock, die in den schattigen Wäldern der
östlichen und südlichen Vereinigten Staaten
häufig wächst. Die Wurzel besteht aus einem
kurzen, 2 mm dicken, gewundenen, oft Reste
von Blättern und Stengeln tragenden Wurzel-
stock, von welchem zahlreiche, 4—9 cm lange,
dünne, blaßbraune, durcheinander gewirrte
Faserwürzelchen ausgehen. ln der Rinde
finden sich zahlreiche Öldrüsen. Der Geruch
ist gewürzhaft kampferähnlich, der Geschmack
bitter und scharf. Außer ätherischem Öl ent-
hält die Wurzel ein grünlichgelbes Weichharz
und einen Bitterstoff. Sie wird als Pulver oder
Aufguß medizinisch gegen Fieber und Typhus
verwendet und muß in gut verschlossenen
Blech- oder Glasgefäßen aufbewahrt werden.
Etwaige Verwechslungen mit der Wurzel
von Spigelia marylandica (L.) erkennt
man daran, daß letztere geruchlos und dunkel-
braun bis schwärzlich ist. Die ebenfalls ähn-
lichen Wurzeln von Asarum virginianum
(L.) unterscheiden sich durch ihre Gliederung
und schwärzliche Farbe. — Zoll: Beide S.
sind zollfrei.

Schlehenblüten (Schlehdornblüten,
Schwarzdornblüten, lat. Flores acaciae,
frz. Fleurs de prunelle, engl. Black thorn
flowers), die getrockneten Blüten des in ganz
Europa an sonnigen Orten wachsenden
Schlehenstrauches, Prunus spinosa.
Die kleinen, weißen' Blüten schmecken bitter-
lich zusammenziehend, besitzen frisch einen
schwachen Bittermandelölgeruch und werden
als Hausmittel in Form von Tee verwendet. —
Die Früchte, Schlehen, werden teils frisch,
teils getrocknet, als Obst genossen, oder auch
zur Likörfabrikation verwendet. — Zoll: S.-Bl.
sind zollfrei. S.-Früchte: S. Nr. 47.

Schleif- und Wetzsteine unterscheiden
sich der Form nach dadurch, daß die ersteren
als Scheiben auf Achsen gesteckt sind und
beim Gebrauch in Umlauf gesetzt, die andern
meistens mit der Hand geführt werden. Die
Umlaufsteine werden, sowohl aus weißem, als
aus grauem Sandstein gehauen, doch kommt
es bei ihnen nicht, wie bei Mühlsteinen, auf
große Härte an. Sie dürfen vielmehr nur
mäßige Härte besitzen, müssen aber in ihrer

Masse sehr gleichartig, feinkörnig und frei
von härteren Einschlüssen sein. Gute Sand-
steine für Schleifsteine finden sich in Böhmen,
Thüringen, Bayern und Württemberg. —
Wetzsteine im engeren Sinne zum trockenen
Schärfen von Sensen, Sicheln und Stroh-
messern erhalten eine nach beiden Enden
verjüngt zulaufende Form, werden meist aus
blauem oder grauem Tonschiefer, zum Teil
auch Kieselschiefer hergestellt. — Andere
Sorten von Wetzsteinen zum nassen Abziehen
feinerer Schneidwerkzeuge (mit Wasser oder
Öl), sog. Wetzschalen oder Streichscha-
len, besitzen eine länglich gerade Form und
bestehen aus Wetzschiefer, einer von Kiesel-
säure durchdrungenen, daher harten, hell-
oder grünlichgrauen Tonmasse, welche im
gemeinen Tonschiefer schmale Zonen bildet.
Steine dieser Art finden sich bei Sonneberg
und Saalfeld in Thüringen, Lerbach und
anderen Orten am Harz, in Sachsen (grüner
Ölstein) und den Ardennen. Die früher sehr
gesuchten levantischen Ölsteine, eine
graubraune, von Kieselsäure durchdrungene
Abart des Dolomits, kommen in Blöcken nach
Marseille, wo sie erst gespalten und bearbeitet
werden. Die Arkansasschalen aus Nord-
amerika, ebenfalls sehr gute Ölsteine, welche
zum Schleifen der feinsten Messerwaren ge-
eignet sind, bilden eine weißliche, unglasier-
tem Porzellan ähnliche Masse und bestehen
aus einer Art Chalzedon. — Für die eigent-
lichen Schleif- oder Drehsteine werden oft
künstliche Surrogate in verschiedener Art
hergestellt, z. B. in der Weise, daß man ge-
mahlenen feinkörnigen Sandstein mit Ton
mengt und die Masse formt und brennt, oder
daß man scharfe Pulver wie Sand, Bimsstein,
Schmirgel, gestoßenes Glas mit einem Binde-
mittel wie Wasserglas, Kautschukmasse, Schel-
lack oder Magnesiazement vereinigt. Am
meisten bedient man sich hierzu des Schmirgels
in Verbindung mit Schellack, die hieraus
gefertigten Schleifscheiben greifen selbst Stahl
und Glas sehr gut an. — Zoll: S. Tarif
Nr. 694/5.

Schlichte nennt man das Material, welches
in der Weberei viel Verwendung findet,
und zwar unterscheidet man Leimen bei
tierischen Rohstoffen und Schlichten bei
vegetabilischen Stoffen. Das Durchtränken
der betreffenden Stoffe mit diesen Mitteln
erfolgt, um ihnen Haltbarkeit zu verleihen.
Als Materialien kommen hauptsächlich die
tierischen Leime, sowie die Kleisterstärke in
Betracht. — Zoll: S. Tarif Nr. 174. 375.

Schmelzbutter (Butterschmalz, Flöß-
butter) nennt man geschmolzene Butter,
welche durch Auslassen, Erwärmen über
mäßigem Feuer bis zum Kochen, unter stetem
Umrühren und Abnehmen des Schaums von
allen Beimengungen, Wasser, Käsestoff, Milch-
zucker und Salzen befreit worden ist. Sie
wird in irdene oder Steintöpfe oder auch Holz-
butten gegossen und zum Erkalten kühl ge-
stellt. Die S. hat vor der Butter den Vorzug
größerer Haltbarkeit und wird besonders in
Süddeutschland benutzt. — Zoll: S. Butter.