﻿Schmelz tiegel

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Schnecken

Schmelztiegel (frz. Creuset, engl. Crucible
oder Melting-pot) nennt man Gefäße, welche
dazu dienen, starre Körper zu schmelzen, oder
auch nur einer hohen Temperatur auszusetzen.
Das Material, aus welchem sie gefertigt
werden, richtet sich teils nach der Höhe der
Temperatur, die sie auszuhalten haben, teils
nach der Natur der Stoffe, die man darin
erhitzt. Der Form nach sind sie meist konisch
mit kreisrundem Querschnitte. Nur die sog.
hessischen S. haben zuweilen einen ab-
gerundet dreieckigen Querschnitt. Die letz-
teren werden besonders in Großalmerode und
Ebterode in der Provinz Kurhessen aus feuer-
festem Ton und Quarzsand hergestellt und
gewöhnlich in Sätzen von sechs Stück, die
genau ineinanderpassen, versandt. Scha-
mottetiegel dienen zum Schmelzen von
Gußstahl und Glas, Graphittiegel aus Gra-
phit und feuerfestem Ton zum Schmelzen
von Gold, Silber, Messing, Neusilber und
Gußstahl. Gußeiserne Tiegel eignen sich
nur für ganz gewisse Zwecke, und Porzellan-
tiegel, Platintiegel und Silbertiegel
hauptsächlich für Arbeiten in chemischen La-
boratorien. Zum Schmelzen von Platin ver-
wendet man Kalktiegel. — Zoll: S. aus
Graphit, Schamotte oder anderer feuerfester
Masse s. Tarif Nr. 725/6. Aus Platin oder
Silber s. diese Metalle.

Schmiermittel, Schmieröle. Zum
Schmieren von Maschinen kommen haupt-
sächlich die Rückstände von der Petro-
leumdestillation in Frage (s. Mineral-
öle), doch werden auch die verschiedensten
anderen fetten öle und Fette als S. ver-
wendet. Wagenschmiere wird aus Harzöl
und Vaselin hergestellt und oft mit Graphit
oder Harz versetzt. Der feingemahlene Gra-
phit (s. d.) dient als S. namentlich für Ma-
schinenwellen, um das Heißlaufen zu ver-
meiden. — Zoll: S. Tarif Nr. 239. 259/60.

Schminken. Unter diesem Namen versteht
man Gemische, welche dazu dienen, der Haut
einen zarten Ton zu geben, oder, wie z. B. die
Theaterschminken, die Haut, Augenbrauen
usw. der Rolle entsprechend zu färben. Die S.
werden, sowohl parfümiert, als auch unparfü-
miert in den Handel gebracht. — Trockene
Schminken in Pulverform (lat. Pulvis cos-
meticus, frz. Poudre cosmetique, engl. Cos-
metic powder) bestehen aus feinstem Reis-
puder, dem Magnesiumkarbonat, Talkum,
Veilchenwurzel usw. zugesetzt werden. Als
Parfüm verwendet man je nach Wahl haupt-
sächlich Moschus, Patschuli, Heliotrop,
Rose usw. Die einzelnen Bestandteile müssen
aufs feinste gepulvert und dann innig ver-
rieben werden. Als Farbstoffe dürfen nur
giftfreie Farben, z. B. Karmin, Karthamin,
Zinkweiß usw. benutzt werden. — Fett-
schminken (lat. Unguenta cosmetica, frz.
Pate de cosmötique, engl. Cosmetic pate)
bestehen aus Lanolin, Benzoeschmalz, Ka-
kaobutter oder anderen Grundlagen, die innig
zu einer homogenen Masse verrieben werden
müssen, ehe man die Parfümstoffe und die
Farben zusetzt. — Will man Schminkstifte

(lat. Styli cosmetici, frz. Batons de cosmö-
tique, engl. Cosmetic sticks) hersteilen, so
muß der vorher erwähnten Salbengrundlage
eine Wachsmischung zugesetzt werden. —
Früher verwendete man zum Schminken das
Schminkpapier oder die Schminklappen
(lat. Bezetta rubra, frz. Tournesol de dra-
peau, engl. Tournosol), feine Batiststoffe
die mit Koschenillelösungen getränkt und
dann getrocknet werden. — Während man
bis Ende des vorigen Jahrhunderts in bezug
auf Schminken hauptsächlich auf Paris und
London angewiesen war, sind jetzt die in
Deutschland, z. B. von Leichner in Berlin
hergestellten S. den ausländischen zum min-
desten ebenbürtig. — Zoll: S. Tarif Nr. 358.

Schmirgel (Smirgel, lat. Lapis smiridis,
frz. Emeril, engl. Emery), ein äußerst wich-
tiges und massenhaft gebrauchtes Mittel zum
Schleifen und Polieren von Metallen, Steinen
und Glas, besteht im wesentlichen aus dich-
tem Korund (s. d.) mit beigemengtem Mag-
neteisen. Das Mineral tritt in kompakten
Massen auf und muß zum Gebrauch erst ge-
stoßen und geschlämmt werden. Es besitzt
in seinen kleinsten Teilen eine solche Härte,
daß es das wirksamste Schleifpulver nach
dem Diamantstaub bildet, ist aber nicht an
allen Orten seines Vorkommens gleich gut.
Die beste und gesuchteste Ware von der
griechischen Insel Naxia, dem alten Naxos,
ist von gleichmäßig dunkelgrauer Farbe, und
das Korn von besonderer Härte und Feinheit.
Sie ist für gewisse Zwecke, namentlich Spiegel-
und Edelsteinschleifer unersetzlich, während
für andere, namentlich zum Stahlpolieren
neuerdings sehr brauchbarer S. aus Klein-
asien (sog. Türkischer S.) eingeführt wird.
Das Material geht von Smyrna, wie auch von
Naxia im unzerkleinerten Zustande fort und
wird erst in den Verbrauchsländern durch
Stampfen, Mahlen und Schlämmen gebrauchs-
fähig gemacht. Die verschiedenen Sorten,
von denen gröbere zum Rauhschleifen und
feinere zum Polieren dienen, werden durch
Nummern oder die Zeitangabe der Schlämm-
dauer unterschieden. Die Körner haben die
Größen des feinen bis groben Schießpulvers.
Außer in Pulverform, meistens mit Öl ge-
mischt, wird der S. auch noch, auf Papier oder
Zeug befestigt (Schmirgelpapier und S.-
Leinwand, s. die Fabrikation unter Glas-
papier), zum Schleifen von Messing, Argentan
und Stahlwaren, sowie mit Schellack einge-
schmolzen und in Formen gegossen zu künst-
lichen Schleifsteinen, Scheiben und Feilen
verwandt. — Zoll: Schmirgels. Tarif Nr. 225.
S.-Leinen Nr. 507. S.-Papier Nr. 662.	S.-

Feilen und -Scheiben Nr. 695.

Schnecken. — Die Weinbergschnecke,
Helix pomata, bildet in Italien, Österreich,
in der Schweiz und in Süddeutschland ein
beliebtes Volksnahrungsmittel (Fastenspeise),
welches in besonderen Schneckengärten oder
Schneckenbergen durch Mästen ge-
fangener Tiere marktfähig gemacht wird
und auch, in Säcke oder Fässer verpackt,