﻿Schneeballrinde

439

Schollen

einen Handelsartikel bildet. Der Verkauf
geschieht nach Hundert oder Schock. Die
Schnecken sind vom Spätherbst an, im gan-
zen Winter bis zum März, solange sie mit
Deckeln verschlossen sind, genießbar und
werden mit Salat, Gemüseabfall, Kleie usw.
gemästet. Das Gehäuse der Weinbergs-
schnecke ist gelb, graubraun gestreift, etwas
durchscheinend, bis 9 cm im Durchmesser
und etwa 9 cm lang. Zum Verspeisen wird
der Deckel geöffnet, die Schnecke heraus-
gezogen, von der schwarzen Haut, den harten
Teilen an Kopf und Schwanz und allen schlei-
migen Teilen befreit, mit Salz eingerieben, gut
gewaschen und entweder gebacken, gebraten,
gekocht, oder zu Schneckensalat verarbeitet.
Auch verwendet man sie zur Herstellung von
Suppen (Kraftsuppe gegen Auszehrungskrank-
heiten), Schneckenmilch oder Schnek
kendekokt (Decoctum helicum). Außer der
Weinbergsschnecke verwendet man noch die
Kreiselschnecke, den Goldmund, das
Midasohr und auf den ostindischen und
australischen Inseln große, bis V2 kg schwere
Seeschnecken, welche auch als Handels-
artikel nach China in Betracht kommen. Die
Chinesen essen S. in großer Menge, besonders
mit Essig und Zitronensaft. Seeschnecken
bilden, eingemacht in Gläsern, Büchsen oder
Flaschen, oder frisch in Blechbüchsen ver-
lötet, einen auch weiterhin versendeten Han-
delsartikel. — Zoll: S. Tarif Nr. 120. 124.

Schneeballrinde (lat. Cortex viburni pruni-
folii, frz. Ecorce de viburne, engl. Viburnum
bark), die Rinde des amerikanischen
Schneeballstrauches, aus der arten-
reichen Familie der Kaprifoliaceen, hat
ein rot bis graubraunes Äußere und ist mit
höckrigen schwarzen Punkten besetzt. Sie
enthält Viburnin, Bitterstoff, Baldrian-
säure u. a. und wird in Extraktform, z. B.
gegen Krampfleiden verwendet. — Zoll: S.-
Rinde ist zollfrei. S.-Extrakt: S. Tarif Nr. 386.

Schneiderkreide wird entweder aus Speck-
stein, Talkum, in Form dünner Scheiben
geschnitten, oder in der Weise hergestellt, daß
man aus gepulvertem Talkum herzförmige,
flache Stücke formt. Außer der weißlichen
S. hat man solche in rot und blau im Handel,
die unter Farbzusatz hergestellt wird, so-
wie in Holz gefaßte Stifte, ähnlich den Blei-
stiften. Die S. ist ein weiches Zeichenmaterial,
welches sich besonders zum Vorzeichnen auf
Tuch, Samt, Seide usw. eignet. — Zoll: S.
Tarif Nr. 339.

Schöllkraut (lat. Herba chelidonii, frz. Ch6-
lidoine, engl. Celandine) ist das Kraut von
Chelidonium majus, einer Pflanze aus der
Familie der Papaveraceen, die in Europa
und Mittelasien heimisch ist. Die Blätter sind
zottig, behaart, hellgrün gefärbt und mehr-
paarig gefiedert, ln der Pflanze ist ein gelber
Milchsaft enthalten, der z. B. gegen Warzen
angewendet wird. Das Kraut wird medizinisch
als harntreibendes und abführendes Mittel
gebraucht, doch ist der alkaloidischen Be-
standteile halber Vorsicht geboten, — Zollfrei.

Schönheitsmittel. Hierunter versteht man
die große Zahl der kosmetischen Mittel,
die zur Reinigung, Pflege oder Färbung der
Haut, des Haares oder der Mundhöhle ver-
wendet werden. Sie bestehen je nachdem
aus Auszügen, Mischungen oder Verreibungen
von Stoffen aus dem Tier-, Mineral- und
Pflanzenreich. Zu ihrer Herstellung sollen
nur die besten, reinsten Ausgangsmaterialien
Verwendung finden. Falls eine Parfümierung
gewünscht wird, darf diese nicht so hervor-
treten, daß sie aufdringlich erscheint. Als
Farbstoffe kommen nur völlig giftfreie in
Betracht. — Zoll: S. Tarif Nr. 356. 358.

Schollen (Seeschollen, Flach-, Platt-
fisch, Seitenschwimmer), Raubfische
mit gutem Fleisch, stark zusammengedrück-
tem, sehr hohem, fast scheibenartigem Körper,
unsymmetrischem Kopfe und nur auf einer
Seite befindlichen Augen, sind an der oberen
Körperseite, wie der Meeresboden, dunkel
schmutzig, an der unteren oder Bauchseite
weiß gefärbt und zuweilen gefleckt. Die
Rücken- und Bauchflosse ist sehr lang und
ungeteilt. Meist liegen die S. gesellig im
schlammigen, flachen Meeresgrund, mit Sand
bedeckt, auf einer Seite oder schwimmen mit
der Augenseite nach oben. Ihre Färbung ver-
ändert sich, der Umgebung entsprechend.
Von den zahlreichen Arten sind zu erwähnen:
1. Die Flunder oder Flunker, auch Teer-
butt genannt (Pleuronectus flessus L.),
die von der französischen Küste bis Irland und
in der Ostsee vorkommt und, 30 cm lang, bis
3 kg schwer wird. Sie erscheint graubraun mit
dunklen Flecken (vgl. Flunder). 2. Die ge-
meine Scholle, der Goldbutt oder das
Platteisen (P. plattessa L.), 50 cm lang,
9 kg schwer, braun, grau, gemurmelt, gelb ge-
fleckt, gelb- und grünlichweiß auf der Blind-
seite, hat die gleiche Verbreitung und wird
in großen Mengen frisch und geräuchert ver-
sendet. 3 .Die Heilbutte (Hippoglossus
Cuv.) zeigt schmaleren, gestreckteren Leib.
4. Der H eiligbutt, Riesenscholle(Hippo-
glossus vulgaris Flem.), bis 2 m lang und
5 Ztr. schwer, ist besonders wichtig für die
Nordländer. 5. Der Steinbutt, Turbot
(Rhombus maximus), bis 1,25 m lang und
bis 35 kg schwer, an der Augenseite höckerig,
braun, marmoriert und heller gefleckt, ein
sehr geschätzter Fisch, lebt in der Nord- und
Ostsedundim Mittelländischen Meer. 6. Der
Glattbutt (Rhombus laevis Cuv.), 40 cm
lang, bis 4 kg schwer, braun, dunkelbraun
marmoriert, perlenartig hell gefleckt, in der
Nord- und Ostsee bis zum Atlantischen Ozean.

7.	Die längliche Zungenscholle, Soo-
len oder Sole (Solea Gthr.), mit rechts-
stehenden Augen und sehr großer Afterflosse.

8.	Die Zunge, Seezunge (Solea vulgaris
Quensel), bis 64 cm lang, 3—4 kg schwer,
wird besonders in England in großen Mengen
verbraucht. Butten und Zungen gedeihen
auch im Süßwasser, in Teichen und Aquarien.
— Alle zur Gattung S. gehörenden Fische
werden sowohl frisch verspeist, als auch ein-
gesalzen und getrocknet, zum Teil auch ge-