﻿Schrot

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Schwämme

räuchert. — Über den Handel und die Be-
reitungsarten vgl. Flunder. — Zoll: Siehe
Nr. 115. 117.

Schrot (Bleischrot, Hagel, frz. Dragöe,
Plomb de chasse, engl. Shot) wird in der
Weise hergestellt, daß man das stark erhitzte
Blei löffelweise in ein Sieb gießt, dessen
Boden mit Bleikrätze bedeckt ist, um das
Blei tropfenweise durch die Sieböffnungen
austreten zu lassen. Die Tropfen durchfallen
den Schrotturm in einer Höhe von 30 bis
36 m, ballen sich zu Kugeln und erstarren,
bevor sie das auf dem Boden befindliche
Wassergefäß erreichen (Patentschrot). Um
die große Höhe der Schrottürme auf die
Hälfte vermindern zu können, treibt man
den fallenden Tropfen neuerdings einen kräf-
tigen, durch Ventilatoren erzeugten Luftstrom
entgegen. Das zur Schrotfabrikation verwen-
dete weiche Blei erhält einen Zusatz von
0,3—0,6°/o Arsen in metallischem Zustande,
oder in Form von Schwefelarsen oder ar-
seniger Säure, bisweilen wird das Arsen auch
durch Antimon ersetzt. — Das aus dem
Wasserbottich genommene S. wird sogleich
an der Luft oder in erwärmten eisernen
Pfannen getrocknet. Hierauf folgt noch das
Ausschießen aller fehlerhaften (namentlich
ovaler) Körner und das Sortieren nach der
Korngröße, indem man das S. eine schiefe
Ebene, die in bestimmten Entfernungen
durch Spalten von etwa 80 mm Weite
unterbrochen ist, hinunterlaufen läßt. Die
ovalen Körner laufen im Bogen und fallen
über die Seitenränder ab, die runden eilen in
gerader Richtung hinunter, die schwersten
überspringen alle Spalten, weniger schwere
fallen durch eine frühere Spalte ab. Schließ-
lich folgt noch eine Sortierung durch Rüttel-
siebe und, um die Körner vor Oxydation zu
schützen, ein Polieren in Lauftrommeln mit
etwas gepulvertem Reißblei. Die verschie-
denen Sorten werden mit Nummern bezeich-
net. Nr. 00 und 0 oder PP, P, 00, 0 geben
die gröbsten, Nr. 10—12 oder 14—16 die
feinsten Sorten an. — Rehposten (frz. Chre-
votines, Postes, engl. Buck-shot) sind S. von
5—6 mm Korndurchmesser; doch versteht
man darunter auch zylindrische, durch Guß
in Formen oder Pressen hergestellte Ge-
schosse von gleichem Durchmesser. Die fein-
sten S. von 0,6—1,0 mm Durchmesser heißen
Vogeldunst (frz. Cendröe, engl. Dusf shot).
— Zoll: Schrot als Bleimetall s. Tarif
Nr. 851. Schrot als Zündthütchen und Pa-
tronen: S. Nr. 365/6.

Schuhwichse wird in der Weise hergestellt,
daß man Beinschwarz, Melasse, Dextrin und
Wasser sorgfältig verreibt, etwas grünes Baum-
öl oder ein ähnliches fettes öl hinzumischt und
dann noch einen geringen Zusatz von Schwefel-
säure macht. Die fertige Ware wird in Blech-
oder Holzschachteln zum Verkauf gebracht.
Gute S. soll einen dauerhaften Glanz auf dem
Leder erzeugen. — Da die S. bei Zutritt von
Feuchtigkeit die Kleidungsstücke durch Ab-
färben beschmutzt und außerdem nicht in
bunten Farben herzustellen ist, so hat man

seit mehreren Jahren die sog. Schuhcremes
und Appreturen in den Handel gebracht.
— Die Cremes sind aus Zeresin, Wachs und
Terpentinöl zusammengeschmolzen und je
nach Wunsch für farbige Leder mittels Anilin-
farben gefärbt. Sie geben durch einfaches
Aufreiben dem Leder Glanz und konservieren
es gleichzeitig. — Appreturen sind Auf-
lösungen von Schellack in Borax und Wasser
mit nachheriger Färbung. Sie werden mit einem
Schwämmchen oder Pinsel aufgetragen und
vertreten die Stelle des Lederlacks. — Zoll:
Schuhwichse und Schuhcreme siehe Tarif
Nr. 261/2. Appretur Nr. 343.

Schuppenfelle. Diesen Namen führen im
Pelzhandel die Felle des Waschbären,
Procyon lotor Desm. Der Waschbär,
die kleinste Bärenart von etwa Fuchsgröße,
bewohnt ganz Nordamerika, weniger den
hohen Norden als die Vereinigten Staaten
und Kanada. Er wird in größter Anzahl in
den Staaten Michigan, Wiskonsin, Illinois
und Ohio, ferner auch in Arkansas und
Tennessee vorgefunden und von eigens dazu
abgerichteten Hunden gefangen. Die Behaa-
rung hat dunklere oder hellere graubraune
Färbung mit hübschen Schattierungen. Die
Felle sind dichtwollig und weich, die 16
bis 21 cm langen Schweife gelbbraun mit
schwarzen Ringeln. S. bilden einen der wich-
tigsten Artikel des Rauchwarenhandels und
gehen in der Zahl von durchschnittlich 600 000
Stück pro Jahr über den Leipziger Markt.
Hauptsächlich werden S. in Rußland ver-
braucht und bilden hier das Pelzwerk der-
jenigen Mittelklasse, welcher Wolfspelze zu
schlecht und Bären zu teuer sind. Schwarz
oder braun gefärbt bilden sie seit einigen
Jahren auch einen Modeartikel für Frank-
reich, England, Deutschland und die Ver-
einigten Staaten. Der Wert der Felle stuft
sich nach Qualität und Färbung bedeutend
ab und geht von 1/2 M. bis 40 M. — Zoll:
S. Tarif _Nr. 155. 563 ff.

Schwämme (Badeschwämme, Wasch-
schwämme, Seeschwämme, lat. Spongiae,
frz. Eponges, engl. Spunges) bestehen aus
den Gehäusen einer auf der niedrigsten Stufe
der organischen Welt stehenden Tiergattung,
sog. Tierpflanzen, Zoophyten, Spongia
officinalis, Achilleum lacinulatum.
Man findet sie in allen wärmeren Meeren
auf dem felsigen Grunde aufgewachsen in
zahlreichen verschiedenen Arten. Jeder
Schwamm bildet eine Kolonie zahlreicher
Tiere, deren aus einer gallertartigen Masse
(Sarkode) bestehender Körper die Poren des
Gehäuses ausfüllt und dieses auch äußerlich
überzieht. — Die besten Schwämme sind die
aus dem östlich en Teile des M i 11 e 11 ä n d i s c h e n
Meeres von der syrischen und kleinasiatischen
Küste und mehreren Inseln des Griechischen
Archipels. Nächst diesen kommen die S.
von der Ostküste des Adriatischen Meeres
bis Triest, sowie von der afrikanischen Küste
von Tripolis bis Marokko und aus dem Roten
Meere. — Eine geringere Sorte bilden die
Bahamaschwämme aus Westindien, welche