﻿Schwefel

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Schwefel

melt sich im geschmolzenen Zustande im
unteren Raume an. Von hier wird er von
Zeit zu Zeit abgelassen und in Formen
gegossen, größtenteils zu den bekannten
Stangen — Stangenschwefel — oder auch
zu Broten. Die Ausfuhrhäfen für den sizilia-
nischen S. sind Girgenti, Katania und Licata,
und zwar werden jährlich etwa 200—300 Mil-
lionen Kilogramm exportiert. Der in der
Romagna vorkommende S. wird, wie schon
erwähnt, durch Destillation der Schwefelerze
gewonnen, meist in Rimini raffiniert und von
dort aus versandt. Die Schwefelbrüche an
der Westküste des Roten Meeres gehören
einer Kompagnie und finden sich in den
schroffen Gipsfelsen, welche den Küsten-
saum bilden. In neuerer Zeit sind auch auf
Island gewaltige Schwefellager gefunden wor-
den. Kleinere Mengen von S. werden ferner
in Schweden, Frankreich und Böhmen aus
Schwefelkiesen gewonnen und zwar durch
Destillation der Erze aus tönernen oder
eisernen Retorten. Bei der Verarbeitung von
Eisenkiesen scheidet sich nur ein Teil des
S. ab, während der Rest als Röstrückstand
in den Retorten verbleibt und zur Gewinnung
von Eisenvitriol benutzt wird. Die Schwefel-
erzeugung aus Kiesen lohnt sich übrigens nur
dann, wenn das Brennmaterial billig zu be-
schaffen ist. In Swoszowice bei Krakau wird
der S., welcher sich dort in erdigem Zu-
stande in Mergel eingelagert findet, mit
Schwefelkohlenstoff extrahiert, und
letzterer durch Abdestillieren immer wieder
gewonnen, so daß die Herstellungskosten
dieses sehr reinen S. ziemlich niedrige sind.
Der Swoszowicer S. führt den Namen Ex-
traktionsschwefel. — Eine nicht unbedeu-
tende Menge von S. wird endlich auch aus
den Abfällen der Sodafabrikation, welche
neben kohlensaurem Kalk Natriumsulfid und
Kalziumsulfid enthalten, als sog. regenerierter
(Retour-) S. gewonnen. — Der gewöhnliche S.
stellt einen gelben, spröden Körper dar, wel-
cher in Wasser unlöslich, in Alkohol und
Äther etwas löslich ist. In reinem Zustande
hat er weder Geruch noch Geschmack und
ist indifferent gegen Lackmus. Bei 114°
schmilzt der gewöhnliche S. zu einer hell-
gelben, dünnen Flüssigkeit, bei etwa 160°
wird er braun und zähflüssig, bei 250° dunkel-
braun und so dickflüssig, daß man das Gefäß
umkehren kann, ohne daß er ausfließt. Bei
noch stärkerem Erhitzen wird er wieder
dünnflüssiger, aber nicht heller und bei 448°
beginnt er zu sieden und verwandelt sich
in einen bräunlichgelben Dampf. Der S.
kommt in mehreren Modifikationen, sowohl
im kristallisierten, als auch im amorphen
Zustande vor. Kristallisiert findet er sich
als rhombischer oder oktaedrischer S.
sowohl fertig gebildet in der Natur, als auch
ausgeschieden aus einer Schwefelkohlenstoff-
lösung, und als monokliner oder pris-
matischer S. in bräunlichgelben Prismen,
die sich beim langsamen Erkalten des ge-
schmolzenen S. bilden. Sowohl der rhom-
bische wie der monokline S. lösen sich leicht

in Schwefelkohlenstoff. Auch im amorphen
Zustande existiert der S. in mehreren Modi-
fikationen: Der zähe oder plastische S. wird
als braune, elastische Masse erhalten, wenn
man S. auf 250° erhitzt und die geschmolzene
Masse in einem dünnen Strahle in kaltes
Wasser gießt. Der pulverige, in Schwefel-
kohlenstoff unlösliche S. bildet den
Hauptbestandteil der Schwefelblumen und
stellt ein gelbes, lockeres Pulver dar. Der
pulverige, in Schwefelkohlenstoff lös-
liche S. oder die Schwefelmilch entsteht
bei der Zerlegung der Polysulfide durch Salz-
säure und bildet ein gelblichweißes Pulver.
— Wird S. an der Luft erhitzt, so verbrennt
er mit blauer Flamme zu schwefliger Säure,
einem eigentümlich stechend riechenden Gase.
Durch Einwirkung von Salpetersäure, Salz-
säure und Königswasser verwandelt er sich in
Schwefelsäure. Konzentrierte Schwefelsäure
löst den S. in der Wärme unter Entwicklung
von schwefliger Säure, ebenso lösen ihn
Laugen in der Wärme auf, wobei sich Poly-
sulfide und unterschwefligsaure Salze bilden.
Um S. in einem Körper nachzuweisen, schmilzt
man ihn, mit Soda gemischt, auf Holzkohle.
Wird die geschmolzene Masse auf eine blanke
Silbermünze gebracht und mit Wasser an-
gefeuchtet, so entsteht ein brauner Fleck von
Schwefelsilber. — Im Handel unterscheidet
man folgende Sorten von S.: Stangenschwefel,
Schwefelblumen, gereinigter S., präzipitierter
S. und grauer S. Der Stangenschwefel und
die Schwefelblumen bilden den gewöhnlichen
S.; sie enthalten außer geringen Mengen
von zufälligen Verunreinigungen noch Spuren
Arsen, Selen und schweflige Säure bzw.
Schwefelsäure. Letztere beiden entstehen in-
folge des Raffinierens, da sich die Luft aus
den Kammern nicht vollständig abhalten
läßt, und teilweise V erbrennungen stattfinden,
wobei Schwefelteilchen zu schwefliger Säure
bzw. Schwefelsäure oxydiert werden. — Der
Stangenschwefel (lat. Sulfur in baculis, frz.
Soufre en canons, engl. Canes of sulphure)
kommt in gelben, glänzenden, runden Stücken
in den Handel, die 5—8 cm im Durchmesser
haben und kristallinisches Gefüge zeigen. —
Die Schwefelblumen (lat. Flores sulfuris,
Sulfur sublimatum) stellen ein Gemenge aus
wenig kristallinischem und viel amorphem S.
dar und bilden ein säuerlich schmeckendes,
gelbes Pulver. Sie dürfen für den innerlichen
Gebrauch medizinisch nicht verwendet werden,!
sondern nur im gereinigten Zustande als sog.
gewaschener oder gereinigter S. (lat.
Sulfur depuratum, Sulfur lotum, frz. Soufre
lavd, engl. Washed sulphur). Um die Schwefel-
blumen zu reinigen, werden sie mit ver-
dünntem Salmiakgeist digeriert und dann mit
Wasser gründlich ausgewaschen. Durch den
Salmiakgeist wird die vorhandene Schwefel-
säure gebunden, und das Arsen gelöst. Der
gereinigte S. ist ein gelbes, geruch- und ge-
schmackloses Pulver von neutraler Reaktion.—
Der präzipitierte S., Schwefelmilch (lat.
Sulfur praecipitatum, Lac sulfuris, frz. Lait
de soufre, engl. Milk of sulphur) ist höchst