﻿Schwefelkohlenstoff

445

Schwefelsäure

schem Geschmack. In Wasser ist er nur
sehr wenig, in starkem Weingeist, Äther,
Chloroform, fetten und ätherischen Ölen hin-
gegen leicht löslich. Trotz des hohen spez. Gew.
von 1,272 ist er äußerst leicht flüchtig und
höchst feuergefährlich, denn er entzündet
sich schon bei Annäherung eines glimmenden
Körpers, ohne daß dieser mit der Flüssigkeit
selbst in Berührung zu kommen braucht.
Angezündet verbrennt der S. mit bläulicher
Flamme zu Kohlensäure und schwefliger
Säure. Seine Dämpfe geben mit Sauerstoff
oder Luft gemengt explosive Gemische von
hoher Energie. Am Sonnenlicht in einem nur
teilweise gefüllten Glase nimmt der S. eine
gelbe Farbe und sehr unangenehmen Geruch
an und scheidet bisweilen auch braune
Flocken von Einfach-Schwefelkohlenstoff ab.
Für niedere Tiere ist S. ein Gift. Das längere
Zeit fortdauernde Einatmen kleiner Mengen
von Schwefelkohlenstoffdämpfen, wie es von
den Arbeitern verschiedener technischer Fabri-
kationszweige geschieht, ruft häufig chronische
Vergiftung hervor. Zu medizinischem Ge-
brauch darf nur rektifizierter S. (lat. Alcohol
sulfuris rectificatus) verwendet werden. Dieser
soll farblos, klar und ohne widerlichen Ge-
ruch sein. Ferner darf er keine schweflige Säure,'
Schwefelsäure und Schwefelwasserstoff, so-
wie auch keine fremden organischen Schwefel-
verbindungen und keinen Schwefel enthalten.
— Verwendung findet der S. hauptsächlich in
der Technik. Er ist ein ausgezeichnetes
Lösungsmittel für Harze, Fette, Schwefel,
Phosphor, Guttapercha und Kautschuk und
dient infolgedessen zum Entfetten der Wolle,
zur Extraktion von Fetten und Ölen aus
Knochen und Samen, zum Ausziehen von
Gewürzen behufs Herstellung der sog. „lös-
lichen Gewürze“, zum Extrahieren der feinen
Blumengerüche in der Extraitfabrikation Süd-
frankreichs, zum Extrahieren des Schwefels
aus Erzen usw. In den Olivenöldistrikten
von Frankreich, Italien und Griechenland wer-
den jährlich weit über 100 Millionen kg S.
zum Extrahieren der Olivenpreßrückstände
verbraucht. Bei den chemischen Waschan-
stalten spielt der S. neben anderen flüchtigen
Stoffen, wie Benzin, gegenwärtig eine ziem-
liche Rolle. Drucker und Färber, welche sich
mit der Aufarbeitung getragener Sachen be-
schäftigen, benutzen ihn zum Entfernen des
Fettes und der Ölfarben, mit denen die Stoffe
früher bedruckt waren. In der Kautschukindu-
strie wird der S. teilweise zum Vulkanisieren
des Kautschuks verwendet, in der chemischen
Großindustrie zur Herstellung von Rhodan-
verbindungen. Er dient ferner in großen
Mengen zum Vertilgen der Reblaus in den
Weinbergen, sowie zum Töten von Wanzen,
Motten und anderem kleinen Ungeziefer. So
lassen sich z. B. Herbarien damit reinigen, in-
dem man sie einige Tage zusammen mit S. in
dichtschließende Behälter bringt. Die in ihnen
befindlichen Insekten werden dadurch sicher
getötet. Die Aufbewahrung des S. hat in stark-
wandigen Glasgefäßen, welche entweder mit
gut eingeschliffenen Glasstopfen oder mit

Korkstopfen verschlossen sind, zu erfolgen,
und zwar an einem kühlen Orte, vor Licht ge-
schützt. Für die Lagerung größerer Mengen
von S. sind die etwa erlassenen Polizeiverord-
nungen streng zu beachten. — Die Beförde-
rung des S. auf Eisenbahnen geschieht aus-
schließlich in offenen Wagen ohne Deckung
und nur mit den Feuerzügen. Die Gefäße
müssen zu diesem Zwecke zylindrisch sein und
entweder aus Zinkblech oder aus starkem,
gehörig vernieteten und in den Nähten gut
verlötetem Eisenblech bestehen. Auch dürfen
sie höchstens 500 kg fassen. —- Zollfrei.

Schwefelleber (lat. Hepar sulfuris, frz. Foie
de soufre alcalin, engl. Liver of sulphur).
Diesen Namen führen im allgemeinen alle in
Wasser löslichen Verbindungen des Schwefels
mit Metallen, d. h. diejenigen der Alkali-
metalle und der alkalischen Erden, also des
Kaliums, Natriums, Kalziums usw. Im beson-
deren bezeichnet der Name jedoch nur die
Kalischwefelleber (Schwefelkalium,
Kaliumsulfid, Kaliumsulfuret, lat. Kalium
sulfuratum, Hepar sulfuris kalinum). Sie wird
erhalten durch das Zusammenschmelzen von
2 Teilen trockener, gepulverter Pottasche und
ls/t Teilen Schwefelblumen, bis die Masse
ruhig fließt. Die Schmelze wird ausgegossen
und nach dem Erkalten entweder sofort grob
gepulvert und zum Schutze gegen den Luft-
einfluß in gut schließende Gefäße gebracht,
oder auch in ganzen Stücken aufbewahrt.
Sie ist nicht das reine Schwefelkalium, das
sich übrigens mit starkem Weingeist ausziehen
läßt, sondern enthält neben diesem noch viel
schwefligsaures, schwefelsaures und unter-
schwefligsaures Kali. Das Schwefelkalium ist
größtenteils als Fünffachschwefelkalium
(Kaliumpentasulfid) vorhanden. Frisch
bereitet, sieht die Masse braun, lederfarben
aus und ist geruchlos und von muscheligem
Bruch. Sie zieht aber rasch Kohlensäure,
Sauerstoff und Wasser aus der Luft an, zer-
setzt sich damit und riecht dann nach
Schwefelwasserstoff. Man kauft sie daher am
besten in ganzen, geschlossenen Büchsen. Die
S., die sich im Wasser zu einer grünlichgelben
Flüssigkeit auflöst, dient ausschließlich zu
künstlichen Schwefelbädern gegen Hautübel,
rheumatische und gichtische Zustände und
führt daher die Bezeichnung „zu Bädern“. —
Zoll: S. Tarif Nr. 317.

Schwefelsäure (Schwefeltrioxyd, Vi-
triolöl, lat. Acidum sulfuricum, frz. Acide
sulfurique, engl. Sulfuric acid) ist die wich-
tigste und unentbehrlichste aller Säuren und
scheint im unreinen Zustande schon von dem
Alchimisten Geber, welcher im 8. Jahr-
hundert lebte, hergestellt worden zu sein. Im
15. Jahrhundert lehrte Basilius Valentinus die
Darstellung der Säure aus Eisenvitriol, wäh-
rend Cornelius Drebbel in der Mitte des
18. Jahrhunderts sie als Erster aus Schwefel
herstellte. Die Einführung des Bleikammer-
systems ist das Verdienst von Roebnik und
Garbett in Birmingham. Die S. findet sich
frei in einigen Flüssen Amerikas oft bis zu
Vio °/o. ferner in dem Drüsensafte einiger