﻿Schweflige Säure

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Schweineschmalz

den letzten 20 Jahren große Fortschritte ge-
macht. Dementsprechend ist auch die Aus-
fuhr bedeutend gestiegen. Während im Jahre
1888 die Ausfuhr 152119 dz betrug, wurden
im Jahre 1906 aus Deutschland 532 957 dz
exportiert, vornehmlich nach Österreich-
Ungarn, Holland und der Schweiz. Die Ein-
fuhr ist ebenfalls in dem genannten Zeitraum
erheblich gestiegen. 1888 wurden nur 67118 dz
S. importiert, 1904 aber 160867 dz und 1906
gar 747878 dz. Von letzteren lieferte Belgien,
das seine S. zum größten Teil aus Zinkblende
darstellt, allein 656558 dz. — Zollfrei.

Schweflige Säure (Schweflichte Säure,
Schwefeldioxyd, lat. Acidum sulfurosum,
frz. Acide sulfureux, engl. Sulfurous acid),
eine aus gleichen Gewichtsteilen Schwefel
und Sauerstoff bestehende chemische Verbin-
dung, ist bei gewöhnlicher Temperatur ein
farbloses, stechend riechendes Gas, das von
Wasser leicht gelöst wird. Das Wasser ver-
schluckt bei 4° C das 70fache, bei 16° C
das 45 fache Volumen dieses Gases und bildet
damit eine wässerige Lösung, welche nach S.
riecht und schmeckt und stark sauer reagiert.
Die Darstellung der wässerigen schwefligen
Säure erfolgt entweder durch Verbrennen von
Schwefel oder Rösten von Schwefelkies, oder
auch durch Erhitzen von Schwefelsäure mit
Holzkohle. Im letzteren Falle entzieht die
Kohle der Schwefelsäure ein Drittel ihres
Sauerstoffes und bildet dadurch schweflige
Säure, welche dann in Wasser geleitet wird.
Die wässerige S. muß in sehr gut verschlos-
senen und ziemlich voll gefüllten Gefäßen
aufbewahrt werden, da sie durch die Ein-
wirkung des Sauerstoffes der Luft nach und
nach in Schwefelsäure verwandelt wird.
Nicht mehr ganz gefüllte Ballons werden
daher am besten in kleinere Gefäße umgefüllt.
Durch Druck verdichtete flüssige schwef-
lige Säure darf auf der Bahn nur in Be-
hältern aus Schweißeisen, Flußeisen, Gußstahl
oder Kupfer versendet werden, welche vorher
auf 30 Atmosphären Druck (ohne bleibende
Formveränderung) geprüft sein müssen. Die
Druckprüfung muß alljährlich wiederholt
werden. Die Behälter sind in Kisten zu ver-
packen. S. dient zum Bleichen von Wolle,
Seide und Strohgeflechten, zum Konservieren
von Wein, zur Füllung von Kältemaschinen
und zur Fabrikation von Schwefelsäure und
Sulfiden. — Zollfrei.

Schweineschmalz (Schmer, lat. Axungia
porci seu Adeps suillus, frz. Graisse de porc,
engl. Axonge), das ausgelassene Fett des
Schweines, wird in Deutschland meist aus
dem im Inneren des Tierkörpers befindlichen
Fettgewebe, in Amerika aus allen Teilen ge-
wonnen. In Deutschland erfolgt das Aus-
schmelzen in der Regel über freiem Feuer,
in Amerika mit Hilfe von Wasserdampf. Das
amerikanische S., welches in ungeheuren
Mengen zur Einfuhr gelangt, unterscheidet
man nach Herkunft und Bereitungsweise meist
in folgende Handelssorten: Neutral Lard,
die beste Sorte, wird durch Auslassen von
Netz- und Eingeweidefett im Wasserbade ge-

wonnen und stellt eine rein weiße, milde
schmeckende Masse dar. Neutral Lard
Imitation wird in ähnlicher Weise wie die
vorige Sorte, aber aus Speck hergestellt und
unterscheidet sich nur durch die etwas
weichere Konsistenz. Choise Lard und
Prime Steam Lard werden aus den Rück-
ständen der Neutral Lard-Fabrikation, sowie
aus allen verwendbaren T eilen des Schweines
durch direkten Dampf bei 2Vs—3 Atmo-
sphären ausgelassen. Das letztere hat eine
körnige Beschaffenheit und meist einen Stich
in Grünliche, Gelbliche oder Graue. Da es
für den direkten Gebrauch zu weich und ölig
ist, wird es noch einer besonderen Raffination
unterworfen und durch Abpressen bei
niedriger Temperatur in das flüssige Speck-
oder Schmalzöl (Lard oil) und das feste
Schmalz- oder Solarstearin (Lard Stea-
rin) getrennt. Das erstere wird als Schmieröl,
Brennöl oder zu Speisezwecken benutzt, das
letztere meist durch Mischung mit weicherem
Dampfschmalz in das hauptsächlichste Speise-
fett (Refined Lard) übergeführt. Nur für
technische Zwecke bestimmt sind: Sead hog
grease und white grease, brown grease von
erstickten oder erfrorenen Tieren, Yellow
grease aus Abfällen der Packhäuser und
Pigs-foot grease aus Schweinefüßen. — Das
Schweineschmalz ist in chemischer Hinsicht
ein Gemenge von Glyzeriden der Öl-, Palmitin-
und Stearinsäure und soll bisweilen auch
Linolsäure enthalten. Seine Zusammensetzung
wird durch Rasse und Fütterung der Tiere,
klimatische Verhältnisse und die Körperteile,
denen es entstammt, beeinflußt und unterliegt
demnach außerordentlichen Schwankungen.
Das spez. Gew. bei 100° beträgt im Mittel
0,861, der Schmelzpunkt liegt meist bei
38—42°, die Verseifungszahl bei 196—198.
Die Refraktion bei 40° liegt für deutsches und
ungarisches S. zwischen 48 und 49, die Jod-
zahl meist zwischen 48 und 54. Bei ameri-
kanischem S. sind die entsprechenden Zahlen
50—51 und 60—66, doch kommen nach oben
und unten erhebliche Abweichungen vor. Das
für Speisezwecke benutzte reine S. ist eine
weiße, geruchlose oder, bei deutschen Sorten,
schwach aromatische Masse von mildem Ge-
schmack und salbenartiger, aber nicht schmie-
riger Konsistenz. Das ungarische S. ist meist
etwas rötlich und körnig, das amerikanische
vielfach schmierig. Von den zahlreichen Ver-
fälschungen kommen besonders Zusätze
von Schmalzstearin und Schmalzöl, Rindstalg,
Baumwollenstearin, Baumwollsamenöl, Kokos-
öl und andere billigere Fette in Betracht. Ihr
Nachweis erfolgt nach den Methoden der
Fettanalyse, ist aber nicht immer mit Sicher-
heit zu führen. Ein vorläufiges Urteil gewährt
die Schmelzprobe, bei welcher der charakte-
ristische Geruch gewisser Öle hervortritt. Die
in neuerer Zeit beliebte Beimischung von
Wasser erkennt man daran, daß das S. beim
Schmelzen über offener Flamme knistert.
Charakteristisch für reines S. ist auch die Art
des Erstarrens. Nach dem Schmelzen in einer
Porzellanschale erstarrt es mit matter faltiger