﻿Schweinfurter Grün

449

Seegras

Oberfläche, in deren Mitte sich eine starke,
scharf abgesetzte Vertiefung bildet. Jedoch ist
dieses Kennzeichen mit Vorsicht zu verwen-
den, da besonders amerikanische Schmalze
häufig ein abweichendes Verhalten zeigen
und mit glatter Oberfläche erstarren. Das S.
unterliegt den Bestimmungen des Fleisch-
beschaugesetzes und darf daher insbesondere
die in diesem verbotenen Konservierungs-
mittel nicht enthalten. Zur Durchführung
der gesetzlichen Vorschriften wird alles im-
portierte S. einer amtlichen Untersuchung
unterzogen. — Das S. bildet in seinen besseren
Sorten eines der wertvollsten Speisefette,
sowie eines der Ausgangsmaterialien der Mar-
garinefabrikation. Weiter dient es in be-
sonders gereinigtem Zustande als Grundlage
von Salben und Pomaden, während die min-
derwertigen Sorten als Schmieröle und in
der Seifenfabrikation benutzt werden. — Zoll:
S. Tarif Nr. 126. In verschiedenen deutschen
Bundesstaaten bez. Städten kommt außerdem
noch eine Übergangssteuer dazu.

Schweinfurter Grün, ein prächtig grüner
Farbstoff, wurde zu Schweinfurt in der Fabrik
von W. Sattler erfunden und zuerst dort be-
reitet, wird aber jetzt auch in verschiedenen
anderen Orten fabriziert. Der Name S. G.
kann als eine Kollektivbezeichnung für alle
Grünfarben gebraucht werden, welche als
wesentliche Bestandteile Kupfer und Ar-
senik enthalten und demnach entschieden
giftig sind. Sie kommen unter den mannig-
fachsten Benennungen, wie Kaisergrün,
Pariser-, Wiener-, Kasseler-, Neuwie-
der-, Mitis-, Berggrün, Scheelesches
Grün, in den Handel und unterscheiden sich
durch ihre Nuancen, sowie durch lebhaftere
oder mattere Farbe. Auch ist ihre Bereitung
nicht durchweg dieselbe. Alle aber sind
durch ihren Arsengehalt gefährlich. Das
Scheelesche oder Schwedischgrün er-
hält man durch Fällen eines heißen Gemisches
von Kupfervitriollösung und arsenigsaurem
Kalium mittels Ätzkalilauge. Der dunkelgrüne
Niederschlag besteht aus basisch arsenig-
sauremKupferoxyd. Das eigentliche Schwein-
furter Grün im engerenSinne ist ein Doppel-
salz aus basisch arsenigsaurem und essigsaurem
Kupferoxyd und wird in der Weise hergestellt,
daß man siedende Lösungen von kristallisier-
tem Grünspan (neutralem essigsauren Kupfer-
oxyd) und arseniger Säure (weißem Arsenik)
zusammengießt. Hierbei entsteht zunächst ein
schmutzig grüner, flockiger Niederschlag, wel-
cher sich durch 2—3 tägiges Stehen in mikro-
skopisch kleine, glänzende, grüne Kristalle
verwandelt und in dieser Form ausgepreßt
und getrocknet wird. Um ein besser decken-
des Produkt zu erzielen, erhält man die ge-
mischten Flüssigkeiten kurze Zeit im Sieden,
wobei sich das Grün sogleich, aber fein-
pulverig, zwar ohne das Feuer der ersten
Sorte, aber für öl- und Lackfarben besser
geeignet, abscheidet. Die gewöhnlicheren
Sorten sind mit weißen Zusätzen, wie Schwer-
spat u. dgl. gemischt, während gelbgrüne Sor-
ten (Mitisgrün, Papageigrün) Zusätze

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

einer gelben Farbe erhalten. Der Verbrauch
dieser äußerst giftigen Farbe hat bedeutend
nachgelassen und befindet sich erfreulicher-
weise in einem weiteren Rückgänge. — Um
ein schnelles Urteil darüber zu erlangen, ob
eine grüne Farbe S. G. ist, behandelt man sie
mit Ammoniak und überträgt die blaue Lösung
auf Papier. Bleibt nach dem Verdunsten
des freien Ammoniaks ein hellblauer Rück-
stand, so liegt nur eine Kupferfarbe ohne
Arsenik vor, während Arsenik sich dadurch
zu erkennen gibt, daß der Rückstand eine
schmutzig gelbgrüne Farbe annimmt. Über-
gießt man etwas S. G. mit Salzsäure, so löst
es sich mit gelber Farbe. Bringt man zu der
in einer verschlossenen Flasche befindlichen
Lösung ein Stückchen blankes Kupferblech,
so bedeckt sich dieses infolge der Gegenwart
von Arsen nach einiger Zeit mit einer schwar-
zen Kruste, die aus Arsen und Arsenkupfer
besteht. — Zollfrei.

Schweizerkäse nennt man im weiteren
Sinne des Wortes alle in der Schweiz fabri-
zierten Käsesorten, im engeren nur den sog.
Emmenthaler Käse, der jedoch nicht allein
im Emmenthale (Kanton Bern), sondern auch
in anderen Gegenden der Schweiz, sogar im
bayerischen Allgäu fabriziert wird. Er ist
einer der beliebtesten fetten Hartkäse, von
hellgelber Farbe und kommt in großen mühl-
steinförmigen Laiben von 20—75 kg Gewicht
in den Handel. Charakteristisch für diese
Käsesorte sind die 5—6 mm im Durchmesser
haltenden Löcher oder Hohlräume im In-
neren, welche feuchtglänzend sind und etwas.
Salzwasser enthalten. Käse, welcher keine
oder nur sehr kleine Hohlräume hat, heißt
Gläsler, solcher mit zu vielen kleinen und
fehlenden großen Löchern N iß ler. Die
fetteste Sorte ist der Käse von Greierz im
Kanton Freiburg. Vgl. ferner unter Käse.
— Zoll: S. Tarif Nr. 135.

Schwerspat (Baryt, lat. Spathum ponde-
rosum, Baryta sulfurica nativa, frz. Spath
pesant, Sulfate de baryte, engl. Heavy-spar,
Barium sulfate), ein durch sein hohes spez.
Gew. (4,500) ausgezeichnetes Mineral, erscheint
in rhombischen, dicken, tafelförmigen Kri-
stallen, meist undurchsichtig und farblos, sel-
tener gefärbt und von schwachem Glas- oder
Fettglanz. Fundorte des S. sind namentlich
das Erzgebirge, Thüringen, der Harz, Schwarz-
wald und Siebenbürgen. Der S. besteht aus
schwefelsaurem Baryt (Baryumsulfat)
und wird im feingemahlenen Zustande als
Anstrichfarbe unter dem Namen Mineral-
weiß oder Neuweiß in den Handel ge-
braucht, aber auch zur Vermengung mit Blei-
weiß und als Zusatz zu Glasuren verwendet.
Zur Darstellung von Baryumsalzen ist hin-
gegen der Witherit geeigneter. — Zollfrei.

Seegras (Wasserriemen, lat. Zostera, frz.
Goemon, engl. Sea weed) nennt man die
im Handel vorkommenden getrockneten Blät-
ter von Zostera marina, einer zu den
Najadeen gehörigen Wasserpflanze, die
an den Küsten der Nord- und Ostsee und
des Adriatischen Meeres auf seichten san-

29