﻿Seide

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Seide

digen Stellen unter Wasser in großer Menge
gesellig wächst und ganze Wasserwiesen
bildet. Es hat am Boden kriechende Stengel
und zahlreiche, 14—18 cm lange, grasartig
schmale Blätter, die im Leben glänzend grün,
getrocknet aber graubraun und durchein-
ander gewirrt erscheinen. Im letzteren Zu-
stande bildet S. ein Polstermaterial für Stühle,
Sofas und Matratzen, das mit Roßhaar zwar
nicht zu vergleichen, aber auch bedeutend
billiger ist und zudem den Vorteil hat, daß
sein Seegeruch kein Ungeziefer aufkommen
läßt. Außerdem wird es häufig als Material
für Emballage gebraucht. Die Seegrasernten
bilden in mehreren Küstengegenden, nament-
lich in der Zuidersee (Holland), einen ein-
träglichen Erwerbszweig. Das nach Stürmen
oft in großen Massen ans Land geworfene S.
wird von dem darunter vorkommenden Blasen-
tang gesondert, mehrmals gewaschen und an
der Luft getrocknet. Kopenhagen, Hamburg,
Lübeck, Stettin und Triest liefern es in Ballen
von 100—150 kg zusammengepreßt. — Zollfrei.

Seide (frz. Soie, engl. Silk), der edelste und
schönste Webstoff, besteht aus dem Kokon-
faden der Seidenraupe, mit welchem diese
sich bei der Verpuppung umspinnt. Der
Maulbeerspinner (Bombyx Mori und seine
Futterpflanze, der Maulbeerbaum,stam-
men aus Asien und haben sich erst um 550
n. Chr. über das südliche und einen Teil des
mittleren Europa verbreitet. — Der Seiden-
schmetterling mißt zwischen den ausgebrei-
teten Flügeln etwa 40—50 mm, erscheint
schmutzig weiß, mit einigen lederfarbenen
Linien und hat auf jedem Vorderflügel einen
undeutlichen halbmondförmigen Fleck. Das
Weibchen legt 200—300, häufig über 500
bläuliche Eier (Grains), welche sich im Küh-
len, bei einer Temperatur unter 18° C, lange
aufbewahren und weit versenden lassen, wäh-
rend sie in einer etwas höheren Temperatur
auskriechen. 50 g Grains, das Produkt von
300—360 Schmetterlingen, ergeben 40000 bis
60000 kleine schwärzliche Räupchen, die
binnen 4—5 Wochen heranwachsen, sich vier-
mal häuten und einen immer stärkeren Appetit
entwickeln. Die ausgewachsenen Raupen sind
ca. 60 mm lang, schmutzig weiß, mit einzelnen
dunkleren Fleckchen und haben eine glatte
Oberfläche, sowie auf dem vorletzten Hinter-
leibsringe ein Horn. Wenn die Zeit der Ver-
puppung naht, werden die Raupen unruhig.
Man gibt ihnen dann Gelegenheit, zwischen
aufgestelltem Reisig (Spinnhütten) einen Platz
zum Einspinnen zu suchen, doch spinnen sich
viele gleich in den Maulbeerzweigen ein, auf
welchen sie liegen und fressen. Im Körper
der Raupe befinden sich zwei lange Schläuche
mit einem gummiartigen Saft, welchen die
ausgewachsene Raupe aus zwei unter dem
Munde befindlichen feinen Öffnungen hervor-
treibt und sogleich zu einem einzigen Faden
vereinigt. Mit dem an der Luft rasch erhär-
tenden Faden bildet die Raupe rund um sich
herum zunächst ein lockeres, grobes, durch-
sichtiges Netz und dann innerhalb desselben
in 7—8 Tagen eine dichte ei- oder walzen-

förmige Hülle, den Kokon (frz. Cocon, engl.
Coccon), deren innerste Schicht ein perga-
mentartiges Häutchen ist. Die Länge des ein-
zigen, die ganze Hülle bildenden Fadens soll
3500—3700 m betragen, wovon jedoch für
die Verarbeitung zu langer S. nur etwa 300
bis 600, selten bis 900 m zu erlangen sind.
Die Kokons besitzen höchstens die Größe
eines Taubeneies, sind aber meist kleiner. Nur
die weiblichen haben Eiform, während die
männlichen in der Mitte eine Einschnürung
zeigen. Die Farbe ist meistens weiß oder hell-
gelb, doch auch grünlich und rötlich. Nach 2
bis 3 Wochen brechen aus den Kokons die
Schmetterlinge hervor, und die Geschlechter
suchen sich auf. Ist es nicht auf Nachzucht,
sondern auf Seidegewinnung abgesehen, so
verhindert man das Auskriechen durch Tötung
des eingeschlossenen Tieres, da die verlassenen
durchbissenen Kokons keinen ganzen Faden
mehr geben und nur als Abfallseide dienen
können. Das Töten wird entweder durch die
Hitze eines Backofens bewirkt oder durch
heiße Wasserdämpfe, indem man die Kokons
in einem Siebe über siedendes Wasser setzt,
oder endlich durch Dämpfe von Terpentinöl,
Kampfer und brennendem Schwefel. Mit dem
Abtöten des Kokons ist das Geschäft des
kleinen Seidenzüchters beendet. Die folgende
Bearbeitung, das Abhaspeln, ist Sache be-
sonders darauf eingeübter weiblicher Hände
und geschieht in Frankreich und Italien in
besonderen Anstalten, den sog. Filanden.
Die hier zu bearbeitenden Kokons werden
nach Farbe und Beschaffenheit, die festen
und lockeren besonders, sortiert, fleckige,
doppelte und sonst fehlerhafte ausgeschossen.
Durch Einlegen in heißes Wasser wird der
natürliche Leimüberzug, mit welchem die
Fadenwindungen aufeinander kleben, erweicht,
darauf die noch anhängende Flockwolle durch
Schlagen mit Reisig entfernt, und der Faden
von drei bis acht und mehr Kokons zu einem
einzigen Faden aufgehaspelt. — Die auf den
Haspeln selbst trocken gewordenen Strähne
bilden die Rohseide oder Greze (frz. Gröge,
Gröye, engl. Raw silk), welche bereits in
diesem Zustande, trotzdem der Faden hart
und starr ist, verschiedene Verwendung, zu
Gaze, Blonden u. dgl., findet. Die meiste S.
“wird aber durch Kochen in Seifenwasser von
dem leimigen Überzüge, der den Faden ein-
hüllt und auch der Träger der gelben und
anderen Färbungen ist, befreit und erscheint
rein weiß. Durch das Kochen (Entschälen
oder Degummieren) sind die Fäden dünner,
geschmeidiger und glänzender geworden. Ge-
wöhnlich wird die S. hierauf noch mit
Schwefeldämpfen gebleicht, doch ist die natur-
weiße immer besser, besonders zum Färben.
Für gewisse Zwecke, zu Geweben, die etwas
steifer und glanzloser sein dürfen, wird die S.
kürzere Zeit gekocht und heißt dann halb-
gekochte, souplierte oder Soupleseide.
Hierauf folgt das Zwirnen (Filtrieren, Mouli-
nieren), wodurch die beiden hauptsächlichen
Sorten Organsin (Ajanseide) und Trama
oder Ketten- und Einschlagseide entstehen.