﻿Seife

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Seifenwurzel

Salzwasser, also 800 kg Seife aus 100 kg Fett.
Ja, es sollen 12—16fache Leimseifen herge-
stellt werden, die Deite geradezu als Schwin-
delseife bezeichnet. Verhältnismäßig gute Pro-
dukte sind die Halbkern- oder Eschweger
Seifen, die stets unter Zusatz von Palmkernöl
oder Kokosfett hergestellt werden, und zwar
in der Weise, daß ein Teil des Fettes zu Kern-
seife, und diese nach Zugabe des Restes zu
Leimseife versotten wird. — Im Gegensatz
zu den Natronseifen besitzen die mit Hilfe
von Kalilauge erhaltenen S. eine weiche Kon-
sistenz und bilden daher die sog. Schmier-
seifen Sie werden meist aus ole'inreichen
Ölen: Tran, Hanföl, Leinöl, Rüböl, Baumwoll-
saatöl, Erdnußöl, Sesamöl, Olein und Palmöl
hergestellt und sind, weil sie nicht ausgesalzen
werden können, als Leimseifen anzusprechen.
Verwendet man nur die genannten Öle, so er-
hält man transparente, glatte Schmiersei-
fen, während bei Zusatz von Talg und anderen
harten Fetten durch Auskristallisieren von
stearinsaurem Kali die Naturkornseife ent-
steht. Zur Vortäuschung dieser geschätzten
Eigenschaft werden bisweilen Körner von
Kalk, Ton oder Stärke eingerührt, und so
die Kunstkornseifen erzeugt. Silber-,
Schäl- oder glatte Ela'fnseife nennt man
eine Schmierseife von weißer oder gelber
Grundmasse mit perlmutterartigem Schimmer.
— Die feineren Toiletteseifen sind meist
gewöhnliche Kern- oder selbst Leimseifen,
welchen irgendeine künstliche Farbe und ein
Parfüm, bisweilen auch ein angeblich der Haut
wohltätiger Stoff, wie Milch, Mandelkleie,
Glyzerin, Galle, Bimsstein, ja selbst Ei-
gelb einverleibt wird. Ihr oft außerordent-
lich hoher Preis hängt lediglich von der Art
des zugesetzten Riechstoffs und seiner Ein-
verleibung ab. Bei gewöhnlicheren Sorten
wird das Parfüm der noch flüssigen Masse
zugesetzt. Zur Herstellung der besseren Toi-
letteseifen bedient man sich hingegen des
Pilierens, d. h. man zerteilt gute Kernseife
in feine Späne, welche dann mit den ätheri-
schen ölen sorgfältig verknetet werden. Die
transparenten S. entstehen, wenn man S.
bei gelinder Wärme in Alkohol löst und die
weiche Masse nach dem Abdestillieren des
überschüssigen Alkohols erstarren läßt. Me-
dizinische S. enthalten meist Marseiller-S.
oder selbstgefertigte Olivenölnatronseife als
Grundmasse. — Der Wert einer Seife ist im
allgemeinen von ihrem Gehalte an Fettsäuren
abhängig, der daher für behördliche Aus-
schreibungen meist festgelegt wird. Weiter
wird besonderes Gewicht auf Abwesenheit von
freiem Ätzalkali, welches die Gewebe angreift,
und von Füllmitteln gelegt. Die Anwesenheit
der letzteren erkennt man durch Behandlung
mit Alkohol, wobei die Seife in Lösung geht,
Füllmittel aber Zurückbleiben. Über die
schmutzlösende Wirkung der S. sind zahl-
reiche Theorien aufgestellt. Nach einigen
soll die Seife beim Auflösen in Fettsäure
und freies Alkali zerfallen, nach der wahr-
scheinlich richtigsten Ansicht Knapps hin-
gegen lediglich die Benetzbarkeit der Gewebe

erhöhen. Aber völlig geklärt ist diese Frage
noch nicht, und es erscheint daher wissen-
schaftlich unbegründet, wenn einigen Sorten
ganz besonders hervorragende Eigenschaften
gegenüber den normalen Talgkernseifen zu-
geschrieben werden. Den zahlreichen Verfäl-
schungen der S. suchen die Vertreter der
Industrie selbst, und wie es scheint, mit Er-
folg entgegenzutreten. — Zoll: S., allgemeine:
S. Tarif Nr. 254/56; Putzseifen, Tonerdeseifen
Nr. 263; kosmetische S. s. Tarif Nr. 356. 358.

Seifenpulver. Neben reiner pulver- oder
spänchenförmiger Kernseife finden sich im
Handel zahlreiche sog. Wasch- oder S.,
welche neben Seife mehr oder weniger erheb-
liche Mengen von Soda, Wasserglas und allen
möglichen anderen Zusätzen enthalten. Von
den bekannteren Präparaten besteht: Les-
sive Phenix aus 34°/o Wasser, 6°/o Seife,
5 % Wasserglas, 55 % Soda. Wöllners
Waschpulver aus 30°/o Wasser, 13°/o Seife,
21 °/o Wasserglas, 36°/o Soda. Minlos Wasch-
pulver aus 38°/o Wasser, 3°/o Seife, 5°/o
Wasserglas, 54% Soda. Luhns Wasch-
extrakt aus 35% Wasser, 39% Seife, 26%
Soda. Waschpulver Reform aus 32%
Wasser, 4% Seife, 9% Wasserglas, 55%
Soda. Die meisten derartigen Waschpulver
sind unverhältnismäßig teurer als ein ent-
sprechendes Gemisch von Seife und Soda. —
Zoll: S. Tarif Nr. 256.

Seifenwurzel (lat. Radix saponariae, frz.
Racine de saponaire, engl. Soap root), ein
vielgebrauchter Artikel des Drogenhandels,
kommt von zwei Pflanzengattungen in den
Verkehr. Die rote Seifenwurzel, lat.
Radix saponariae rubra, stammt vom ge-
meinen Seifenkraut, Saponaria offi-
cinalis, einer ausdauernden, durch das
ganze mittlere und südliche Europa auf Wie-
sen, in Gebüsch, und besonders gern auf Sand-
boden in der Nähe von Wasser wachsenden
Caryophyllee. Die Wurzeln oder Ausläufer
werden im Plerbst oder Frühjahr von nicht
zu jungen Pflanzen gesammelt und sind Stroh-
halm- bis federkieldick, außen braunrot, innen
gelblichweiß. Sie schmecken beim Kauen
süßlich schleimig und dann kratzend. Der
wässerige Auszug ist dickflüssig und schäumt
beim Schütteln wie eine Seifenlösung. Wegen
ihres Gehaltes an Saponin benutzt man die
wässerige Abkochung wie eine milde Seifen-
lösung in Fällen, in welchen wirkliche Seife
beim Waschen den Farben schaden würde,
also für Seidenwaren, Spitzen, Schals und an-
dere zarte Gewebe. Die Handelsware kommt
hauptsächlich aus Mitteleuropa, wo sie ver-
schiedentlich angebaut wird. — Die sog. le-
vantinische oder ägyptische S. lat. Ra-
dix saponariae alba, weiße Seifenwurzel
im Handel genannt, stammt von Gypso-
phila Struthium und anderen Gypso-
philaarten, welche ebenfalls zu den Ca-
ryophyllee n gehören und in der Levante
und in Ungarn wachsen oder hier gezogen
werden. Die levantische Ware wird haupt-
sächlich in der Gegend von Smyrna ge-