﻿Scignettesalz

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Selters bei Weilburg

sammelt und über Triest eingeführt. Sie
bildet 3—4V2 dm lange, außen graugelbe
oder bräunliche, stark längsrunzelige und
furchige, innen gelblichweiße Stücke. Die
ungarische Wurzel ist nur fingerdick oder
in dünne Scheiben geschnitten, weiß und
sehr leicht. Die ungarischen und levantischen
Wurzeln stehen der roten S. an Saponin-
gehalt und Wirksamkeit nach. — Zollfrei.

Seignettesalz, nach seinem Erfinder in
Roch eile so benannt, daher sonst auch Ro-
cheller Salz, ist ein Doppelsalz aus Wein-
säure und den beiden Basen Kali und Natron,
also weinsaures Natronkalium oder Na-
tronweinstein (lat. Tartarus natronatus, Na-
trokali tartaricum, Kalium tartaricum natro-
natum, frz. Tartrate de soude et de potasse,
Sei de seignette, engl. Tartarated soda, Salt
of seignette) und wird aus Weinstein und
Soda in der Weise hergestellt, daß man eine
Lösung von reinem kohiensauren Natron mit
Weinstein versetzt, bis kein Entweichen von
Kohlensäure mehr stattfindet. Die filtrierte
Lauge wird im Dampfbade eingedunstet und
dann zum Auskristallisieren längere Zeit hin-
gestellt. Hierbei bilden sich schöne, große,
wasserhelle, rhombische Säulen, die bei ganz
gelinder Wärme getrocknet werden, da sie
sonst ihre Durchsichtigkeit verlieren. Das Salz
schmilzt beim Erwärmen in seinem Kristall-
wasser, ist aber sonst ziemlich luftbeständig.
Es löst sich in sehr wenig Wasser, besitzt
einen milden salzigen Geschmack und wird
als ein kühlendes, gelinde abführendes Mittel,
z. B. als Seidlitzpulver, sowie auch in der
Chemie verwendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 311.

Sekt (Sektwein, Sekt) hieß ursprünglich
nur der Wein aus Trauben, die durch Um-
brechen des Stieles und Eintrocknen am
Stock einen großen Teil ihres Wassers ver-
loren haben und deshalb besonders süß und
gehaltreich sind. Das Wort ist abgeleitet von
vino secco, d. h. getrockneter Wein. Jetzt
nennt man auch die verschiedenen Schaum-
weine oder Champagner häufig Sekt. — Zoll:
S. Tarif Nr. 181.

Selen (Selenium), ein dem Schwefel
nahe verwandtes Element, findet sich in
einigen seltenen Mineralien: Selen bl ei oder
Klausthalit, Selensilberblei oder Nau-
mannit, Selenkupferblei oder Zorgit,
Selenkupferthallium oder Crookesit,
Selenkupfersilber oder Enkairit, Se-
lenkupfer oder Berzelit, Selenqueck-
silber oder Tiemannit und Selenqueck-
silberblei oder Lerbachit und wird meist
aus dem in den Bleikammern der Schwefel-
säurefabriken sich absetzenden Schlamm dar-
gestellt. Man erhält ^s als grauschwarze,
schwach metallisch glänzende Masse von
muschligem Bruche, die in dünnen Splittern
am Rande dunkelrot durchscheinend, geruch-
und geschmacklos und in Wasser unlöslich
ist. In der Hitze bei Luftabschluß schmilzt
das S. und verwandelt sich dann in einen
gelben Dampf, der sich beim Abkühlen zu
einem roten Sublimate verdichtet. Beim Er-

hitzen an der Luft entzündet es sich und
verbrennt wie Schwefel mit rötlich-blauer
Flamme unter Entwicklung eines Geruchs
nach faulem Rettich. Das S. wird zur Her-
stellung gewisser physikalischer Instrumente,
Photophone und Selenradiophone, sowie zum
Rotfärben von Glasflüssen benützt. — Zollfrei.

Sellerie (Eppich, Wassereppich, lat.
Radix apii, frz. Celerie, engl. Celery), eine
zweijährige Doldenpflanze, ist angebaut als
Garten-S., Apium graveolens L., ein be-
kanntes Küchengewächs, von welchem die
aromatisch fleischigen Wurzeln als Gemüse,
zu Salat und zu Suppen, der schilfartige
starke Schaft und das Kraut wegen seines
Aromas als beliebtes Gewürz verwendet wer-
den. In England ißt man S. auch roh zu
Brot und Käse. Medizinisch hat die Pflanze in-
sofern Bedeutung, als der Genuß von S.
auf die Harn- und Geschlechtsorgane ein-
wirkt. Von den zahlreichen Handelssorten
gelten große Erfurter Knollen, niedrig
frühe Knollen, große Ulm er, frühe
Leipziger S., als die besten. Der ein- bis
dreijährige, sehr feine Same wird möglichst
früh in Mistbeeten gesät. Im April oder Mai
pflanzt man in gut vorbereitetes, mürbes Land
in Abständen von 50 cm aus. Die Pflege
erstreckt sich auf öfteres Behacken, fleißiges
Begießen und Entfernen welker Blätter. Im
August entfernt man alle Seiten wurzeln,
nimmt im Herbst die Knollen heraus und
schlägt sie in Kellern oder Gruben ein. Auch
kann man die Pflanze über Winter in Kästen
an warmen Orten halten. Die in England und
den Niederlanden beliebte Bleich Sellerie,
deren gebleichte fleischige Blattstiele genossen!
werden, wird in Deutschland weniger geschätzt.
—- Die Teilfrüchte der S. (lat. Fructus apii,
frz. Semences de cölerie, engl. Celery seeds)
werden zu Sellerieöl verarbeitet. — Das Sel-
lerieöl (lat. Oleum apii, frz. Essence de
cölerie, engl. Celery oil) besitzt eine gelb-
liche Farbe und ein spez. Gew. von 0,880 bis
0,890, riecht stark aromatisch nach S. und
wird zur Herstellung des Sellerielikörs ver-
wendet. — Zoll: S. frisch s. Tarif Nr. 33;
Selleriefrüchte sind zollfrei; Sellerieöl 30 M.;
Sellerielikör s. Tarif Nr. 178/79.

Selters bei Weilburg. Dieses Mineral-
wasser unterscheidet sich von dem im Handel
meist als „Selterswasser“ bezeichneten Wasser
aus Niederselters (s. d.) hauptsächlich durch
das Fehlen von Natriumbikarbonat und den
geringeren Gehalt an Kochsalz. In 1000 Ge-
wichtsteilen sind nach der 1891 von A. Lud-
wig ausgeführten Analyse enthalten: Bi-
karbonate des Kalziums 2,1708 g, Eisen-
oxyduls 0,0018 g, Manganoxyduls 0,0394 g,
Chloride des Kaliums 0,0242 g, Natriums
0,5326 g, Lithiums 0,0012 g, Ammoniums
0,0009 g, Magnesiums 0,5408 g, Kalziums
0,0333 g, Sulfate des Kalziums 0,0108 g,
Baryums 0,0021 g, Strontiums 0,0004 g, Brom-
und Jodnatrium Spur, Tonerde 0,0002 g,
Kieselsäure 0,0311 g, Organische Stoffe
0,0040 g und freie Kohlensäure 2,3721 g.