﻿Selters Pastillen, künstliche

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Senf

Selters Pastillen, künstliche (Pastilli aero-
phori Selters) werden hergestellt, indem man
500 g Natriumbikarbonat, 375 g Weinsäure,
25 g Kochsalz und 100 g Zucker mit 90proz.
Alkohol anfeuchtet, so daß die Masse sich zu-
sammenballt, darauf zu einem breiten Kuchen
ausrollt und 500 Pastillen aussticht.

Semen (in der Mehrzahl Semina) ist die
im Drogenhandel gebräuchliche lateinische
Bezeichnung für Same. Der botanische Be-
griff Samen wird im Handel vielfach mit
Früchte, lat. Fructus (s. d.), verwechselt. Der
Same besteht aus dem Samenkern und den
Samenhüllen, während eine Frucht stets
Spuren der Narbe und des Griffels zeigt,
sowie eine Fruchtwand besitzt, in welcher
sich ein oder mehrere Samen befinden. Auf
Preislisten finden sich am häufigsten fol-
gende: Semen abelmoschi, Bisamkörner, S.
canariense, Kanariensame, S. colchici, H erbst -
zeitlosensame, S. cydoniorum, Quittenkerne,
S. daturae stramonii, Stechapfelsame, S. eru-
cae, weiße Senfkörner, S. foenugraeci, grie-
chischer Heu- oder Bockshornsame, S. hyos-
cyami, Bilsenkrautsame, S. lini, Leinsame, S.
papaveris, Mohnsame, S. psyllii, Flohsame,
S. sesami, Sesamkörner, S. sinapis nigrae,
Senfkörner, schwarze, S. staphisagriae, Läuse-
same, S. strychni, Brechnüsse, S. tanaceti,
Rainfarnsame. Vergl. die einzelnen Artikel.
— Zoll: Samen zum Gewerbe- und Medizinal-
gebrauch ist im allgemeinen zollfrei, s. auch
die betreffenden Artikel.

Senegawurzel (Klapperschlangenwur-
zel, lat. Radix senegae, frz. Racine de sönüga,
engl. Senega root) kommt von einem in Nord-
amerika, besonders Virginien, Pennsylvanien
und Maryland wildwachsenden ausdauernden
Gewächs, Polygala Senega, aus der Fa-
milie der Polygalaceen, und wird im
Mutterlande als Mittel gegen Schlangenbiß
angewendet. Die Wurzel ist etwa 13 cm
lang und federkieldick, oben oft einen ver-
dickten Wurzelhals tragend, unten wenig ver-
ästelt. Sie ist leicht kenntlich an ihrer ge-
wundenen Form, die sie wie eine gestreckte
Spirale erscheinen läßt, und an der kielartig
vorspringenden Kante, welche an der kon-
kaven Seite längshin läuft. An der Außen-
seite erscheint die Wurzel durch Einschnü-
rungen wulstig. Ihre Farbe ist äußerlich
gelbgrau, der Querschnitt zeigt einen gelblich-
weißen, einseitigen Holzkörper und eine bräun-
lichgelbe, weiche Rinde, in welcher die wirk-
samen Bestandteile enthalten sind. Der Ge-
ruch ist schwach, unangenehm ranzig, der
Geschmack, ähnlich wie bei der Seifenwurzel,
süßlich und nachher scharf und kratzend und
beruht auf einem Gehalt an den Saponinen:
Senegin und Polygalasäure. Medizinisch wird
S. angewandt in Form von Abkochungen,
sowie als Extrakt oder Sirup als schweiß-
und urintreibendes Mittel, besonders bei chro-
nischen Katarrhen, ist aber in Deutschland
dem freien Verkehr entzogen. — Zoll: Senega-
wurzel ist zollfrei. Senegaextrakt s. Tarif
Nr. 386. Senegasirup s. Tarif Nr. 388.

Senf (frz. Moutarde, engl. Mustard). Diesen
Namen führen verschiedene Pflanzen aus der
Familie der Cruciferen, von denen be-
sonders die folgenden technische Verwendung
finden. 1. Der weiße oder gelbe S,
(Gartensenf, englischer S., Schnabelsenf, Rau-
ken, Rockhelen, Rockheit) Sinapis alba,
eine einjährige, 60—120 cm hohe Pflanze
mit gelber Blumenkrone, wenig behaartem
Stengel und steifhaarigen Schoten, wächst
wild und angebaut in England, Holland,
Mittel- und Süddeutschland, besonders Thü-
ringen, Württemberg und am Rhein, sowie
in Rußland und Kleinasien. Der S. wird viel-
fach auch mit Dotter zusammen gebaut, und
zwar am liebsten auf Neubruch und Schlamm-
boden, doch auch auf trockenen Bodenarten.
Er ist gegen Kälte weniger empfindlich als
Raps, leidet aber wie dieser, wenngleich in
geringerem Grade von Erdflöhen und son-
stigen Schädlingen. Als mittlere Ernte rechnet
man 14—24 hl Körner und 10—15 dz Stroh.
Außerdem dient er als Futter für Milchvieh,
sowie zur Gründüngung. Die Samen oder
Senfkörner (lat. Semen sinapis albae, Se-
men erucae, frz. Moutarde blanche, engl.
White mustard) besitzen die Form einer Ku-
gel von 1V2—2V2 mm Durchmesser, eine gelbe
Farbe und matte Oberfläche. Das Pulver
ist gelb, besitzt einen anfangs öligen, später
brennenden Geschmack, aber auch nach dem
Anrühren mit Wasser keinen charakteri-
stischen Geruch. 2. Der schwarze, braune
oder grüne S. (lat. Semen sinapis nigrae,
frz. Moutarde noir, engl. Mustards seeds)
erreicht eine Höhe von IV2 m und besitzt
kurze, dünngeschnäbelte, zweifächerige Scho-
ten mit 4—6 Samen in jedem Fach. Er
wächst in Europa und Vorderasien wild und
wird im Elsaß, in Böhmen, Holland, Belgien,
England, Italien, Griechenland und Amerika
(Kalifornien) angebaut. Er gibt um 25%
geringere Erträge an Samen und Stroh als
der weiße Senf, eignet sich als Grünfutter und
-düngung gar nicht, leidet sehr durch Samen-
ausfall und wird hauptsächlich zur Öl-
gewinnung, als Zusatz zu Speisesenf und zu
medizinischen Zwecken benutzt. Die schwar-
zen Senfkörner besitzen wie die weißen
Kugelform, aber weit geringeren (höchstens
1 mm) Durchmesser und dunkel- bis schwarz-
braune, innen grünlich gelbe Farbe. Die Ober-
fläche erscheint unter Lupe mit feinen Wärz-
chen besetzt. Das Pulver zeigt, wenn die
Schale mitgestoßen wurde, eine grünliche,
sonst eine gelbe Farbe, und ist im trocknen
Zustande geruchlos, nimmt aber beim An-
rühren mit Wasser nach einiger Zeit einen
zum Tränen reizenden Geruch an. 3. Der
russische oder Sareptasenf (Sinapia
juncea) wird in Nordafrika, China, Indien
und im südlichen Rußland, besonders bei
Sarepta stark angebaut. Die Samen sind hell-
braun und stehen in der Größe zwischen den
beiden anderen Sorten. Sie werden vor dem
Pressen entschält und liefern daher hellere
Preßrückstände als der schwarze Senf. Das
Pulver zeigt beim Anrühren mit Wasser den