﻿Senfmehl, Speisesenf

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Sennesblätter

Geruch des Senföls. 4. Der Ackersenf
(Ackerkohl, Feldsenf, falscher Hederich, gel-
ber Trill) Sinapis arvensis, ein einjähriges,
weit verbreitetes Unkraut, wird in Amerika
bisweilen als Zusatz zu Speisesenf verwendet.
—Der bei den schwarzen Senfsorten er-
wähnte scharfe Geruch, welcher bei Gegen-
wart von Wasser hervortritt, beruht auf den
Bestandteilen: Myrosin und myronsaurem
Kalium (s. Senfmehl). — Die Senfsamen, von
denen die holländischen am höchsten, die
russichen am geringsten bewertet werden,
dienen zur Herstellung von Speisesenf und
Senfmehl (s. d.), sowie von ätherischem und
fettem Öl (s. d.). — Zollfrei.

Senfmehl, Speisesenf. Das aus fetthal-
tigen oder entfetteten Samen hergestellte
Mehl, welches beim schwarzen S. meist grö-
ber, beim weißen Senf feiner erscheint, findet
wegen seines Gehaltes an wertvollen Inhalts-
stoffen mannigfache technische und medi-
zinische Verwendung. Alle Senfsorten ent-
halten beträchtliche Mengen, 28—30%, fettes
Öl, 27—30% Stickstoffsubstanz, 9-—10% Holz-
faser und 4—5% Mineralstoffe. Ihren schar-
fen Geruch und Geschmack verdanken sie
einem schwefelhaltigen öl, welches aber nicht
in freiem Zustande, sondern in glukosidischer
Bindung vorhanden ist und erst bei der Be-
handlung mit Wasser durch das Ferment
Myrosin abgespalten wird. Das im schwar-
zen und Sareptasenf vorhandene Sinigrin
(myronsaure Kalium) zerfällt unter der
Einwirkung des Fermentes in Zucker, Kalium-
bisulfat und Allylsenföl. Der weiße Senf
enthält einen scharfen aber geruchlosen
Stoff, das Sinalbin, welches in Zucker,
saures schwefelsaures Sinapin und S inalb in-
senföl zerfällt. Das Sinapin ist ein Ester
des Cholins und der Sinapinsäure. — Zur
Darstellung des Speisesenfs (Mostrich)
wird das entölte oder fetthaltige Pulver des
weißen oder braunen Senfs mit Essig oder
Wein angerührt und meist mit verschiedenen
Zusätzen wie Zucker, Piment, Nelken und
anderen Gewürzen versehen. Eine Bei-
mischung von Mehl und Farbstoffen (Teer-
farben, Kurkuma) ist ohne Deklaration un-
zulässig. — Das Mehl des schwarzen Senfs
findet in ganz oder halbentöltem Zustande
zu medizinischen Zwecken als Senfteig,
Senfpflaster und Senfpapier zur Haut-
reizung vielfache Anwendung. Es muß für
diese Zwecke vor Feuchtigkeit geschützt und
nicht zu lange aufbewahrt werden. — Zoll:
Senfpflaster und -papier als Arzneimittel
40 M.; Senfmehl Nr. 210; zubereiteter Senf
s. Tarif Nr. 211.

Senföl. Das durch Auspressen der Senf-
samen erhaltene fette Öl (lat. Oleum sina-
pis pingue, frz. Pluile de moutarde, engl.
Mustard seed oil) ist gelb bis bräunlich gelb
und von mildem Geruch und Geschmack.
Es enthält neben Glyzeriden flüssiger Fett-
säuren Behen- und Erukasäure. Das spez.
Gew. beträgt 0,915—0,917, die Verseifungs-
zahl 170—180. In dem Öl des schwarzen
Senfs ist stets Schwefel vorhanden. Fettes

S. wird als Speiseöl, Brennöl und als Schmier-
mittel verwandt. — Das ätherische S. (lat.
Oleum sinapis aethereum, frz. Essence de
moutarde, engl. Mustard oil) wird durch De-
stillation des mit Wasser längere Zeit ange-
rührten schwarzen Senfmehls mit Wasser-
dampf als ein farbloses oder gelbliches, dünn-
flüssiges Öl vom spez. Gew. 1,016—1,022 dar-
gestellt. Es besteht hauptsächlich aus
Schwefelcyanallyl und kann daher auch
künstlich durch Behandlung von Allyljodid
mit Rhodankalium erhalten werden. Das S.
besitzt einen scharfen, zu Tränen reizenden
Geruch, ist giftig und erregt auf der Haut
Brennen, Rötung und Blasenbildung. Die
alkoholische Lösung (Senfspiritus) findet
medizinische Anwendung. — Zoll: Fettes S.
s. Tarif Nr. 166/67; ätherisches S. 30 M.

Sennesblätter (lat. Folia sennae, frz. Feuil-
les de send, engl. Senna leaves), eine als
kräftiges Purgiermittel in ausgedehntem Maße
benutzte Droge, sind die Fiederblättchen ver-
schiedener Cassia-Arten, strauchartiger, zu
den Leguminosen gehöriger Gewächse mit
paarig gefiederten Blättern, die in Ägypten,
Abessinien und Arabien auf dürrem Boden
wachsen und in Ostindien angebaut werden.
Während früher mehrere Sorten im Handel
zu verzeichnen waren, gibt das Deutsche
Arzneibuch jetzt nur noch eine Sorte, und
zwar die Blätter von Cassia angustifolia
Vahl, als offizinell an. Im Drogenhandel
werden diese Blätter als ostindische oder
Tinnevelly-S. bezeichnet. Ihre Heimat sind
die Küsten des Roten Meeres, doch wer-
den sie vielfach in Ostindien, namentlich
im Distrikt Tinnevelly der Präsidentschaft
Madras angebaut. Die Tinnevelly-Sennes-
blätter sind schmal lanzettlich, 4—6 cm lang,
1—2 cm breit, hellgrün bis bräunlich grün,
fast ohne Bruch und frei von Stengelresten.
Der Geschmack ist schleimig. Die T.-S. kom-
men in gepreßten Ballen über England und
Hamburg in den Handel. — Die andere im
Handel noch vorkommende Sorte, die sog.
Alexandriner, stammen aus den Wüsten
Oberägyptens, wo sie von Arabern gesammelt,
von Pländlern aufgekauft und nach Kairo
oder Alexandrien gebracht werden. Gewöhn-
lich ist die Ware mit Zweigen, Stielen, Bruch
und Sand so gemengt, daß beim Reinigen
über die Hälfte Abgang entsteht. Das Rei-
nigen durch Auslesen, wiederholtes Aussieben
und Schwingen wird entweder schon in Triest
oder erst von den großen inländischen Dro-
genhäusern vorgenommen. Man scheidet da-
bei noch eine Sekundasorte als kleine Senna
(lat. Folia sennae parvae) ab, indem man von
dem gröblich Abgesiebten wieder den Staub
absiebt. Möglichst frische Ware, bei der die
Blätter noch zäh, grünlich, ohne Flecken
und Bruch sind, wird natürlich am meisten
gesucht. Der Geschmack der Alexandriner
S. ist weniger schleimig als bei der T.-Sorte.
— Die S. riechen eigentümlich aromatisch
und schmecken schleimig und bitter. Sie
enthalten als wirksame Bestandteile: Emo-
din, Chrysophansäure, Sennapikrin