﻿Sepia

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Serpentin

und Kathartomannit, außerdem aber noch
andere Stoffe von harziger Natur, welche un-
günstig wirken und Leibschneiden verursachen.
Werden die Blätter mit Wasser gekocht, so
gehen diese Stoffe mit in Lösung, und es ist
daher Regel, keine Absude, sondern nur Aus-
züge mit kaltem oder höchstens warmem Wasser
aus den S. zu machen. Aus diesem Grunde
schreiben mehrere Arzneiverordnungen ent-
harzte Blätter vor (lat.Folia sennae sine resina
seu deresinata), d. h. solche, aus denen jene
nachteiligen Bestandteile durch Extrahieren
mit Weingeist entfernt worden sind. — Die
der Alexandrinerware gewöhnlich beigemeng-
ten fremden Blätter, die sog. Arghelblätter,
von Cynanchum Arghel, einer in Ägypten
heimischen Asclepiacee, müssen ausgelesen
werden. Sie sind leicht zu erkennen, da sie
dick, lederartig und runzlig sind und sich in-
folge beiderseitiger starker Behaarung rauh
anfühlen, ihre Farbe ist gelblichgrau oder
graugrün. — Unter dem Namen Mutter-
sennesblätter (Sennesbälge, Sennes-
schoten, lat. Folliculi sennae, frz. Fruits de
s6nd, engl. Senna capsules) kommen die
Früchte von Cassia obovata Colladon
in den Handel. Sie bilden flachgedrückte
Kapseln von braungrüner Farbe und leder-
artigem Äußeren. Die M. werden in manchen
Gegenden den Sennesblättern vorgezogen,
weil ihre Wirkung eine gelindere ist, und die
vorher geschilderten Beschwerden nicht her-
vortreten. — Die Sennesblätter werden im
Aufguß, oder in Form von Pulver, Latwerge
oder Extrakt als mildes Abführmittel benutzt.
— Zollfrei.

Sepia. Die S., fälschlich Tintenfisch
(Sepia officinalis) genannt, nach dem eng-
lischen Black fish, ist kein Fisch, sondern
ein zu den Zephalopoden (Kopffüßlern)
gehöriges Seetier mit sackförmigem, weichen
Körper. Es lebt im Mittelmeer, vorzugsweise
im Adriatischen Meer, zerstreuter in den üb-
rigen europäischen Meeren, und wird nicht
allein wegen des wohlschmeckenden Fleisches,
sondern auch wegen zweier anderer nutzbarer
Bestandteile gefangen, v^on den zahlreichen
anderen Arten werden namentlich Sepia ele-
gans und Sepia biserialis wegen ihres
zarten Fleisches sehr geschätzt. Alle diese
Tiere haben acht Fangarme und zwei längere
Greifarme, welche am Ende mit Saugnäpfen
besetzt sind. Zur Stütze des weichen Körpers
liegt an der Rückenseite, innerhalb der
sackförmigen Körperhülle, eine Art länglicher
Knochenplatte, deren Substanz, wie die der
Muschelschalen, in der Hauptsache aus koh-
lensaurem Kalk besteht. Dieser Rückenschild
ist etwas gewölbt, 11—23 cm lang, in der
Mitte 6V2—9 cm breit, läuft nach beiden En-
den schmäler zu und wird von der Mitte aus
nach den scharfen Rändern zu immer dünner.
Die Oberseite besteht aus einer sehr dünnen,
harten und knochenähnlichen Schicht von gelb-
lichweißer Farbe, die darunterliegende dik-
kere Masse ist rein weiß, lockerzeilig, blättrig
und zerreiblich. Da diese Stücke sehr leicht
sind, so bleiben sie nach dem Absterben der

Tiere auf der See schwimmen und werden,
ans Land ausgeworfen, gesammelt. Diese
Funde bilden die Sepiaknochen (lat. Os
seu Ossa sepiae, frz. Os de seiche, engl.
Cuttle fish bone) des Handels, auch weißes
Fischbein genannt, das als scharfes Pulver
besonders zum Schleifen und Polieren feiner
Hölzer, ferner zu feinen Gießformen für Gold-
arbeiter und als Bestandteil von Zahnpulvern
verwandt wird. — Der andere nutzbare
Bestandteil ist der Tintenbeutel, welcher
aus dem gefangenen Tiere sogleich heraus-
geschnitten und rasch getrocknet wird. Er
bildet einen birnenförmigen Sack, gefüllt
mit einer dunkeln, undurchsichtigen Flüssig-
keit, welche eine so starke Färbekraft besitzt,
daß 1 Teil noch 1000 Teile Wasser undurch-
sichtig macht. Früher kamen die getrock-
neten Tintenbeutel selbst oder ihr heraus-
genommener bröckliger Inhalt unter dem
Namen Sepia in den Handel, während jetzt
nur der präparierte und in Täfelchen ge-
formte Farbstoff vorkommt. Die Bereitung
erfolgt durch Auflösung der gepulverten
Masse in Kalilauge und Wiederausfällen
mit einer Säure. Der Niederschlag wird ge-
waschen, mit Gummischleim gemischt und so
geformt. Das Sepiabraun dient als Wasser-
farbe. — Zoll: Ossa sepiae und auch Sepia-
Farbstoff sind zollfrei.

Serge (Sarsche, frz. Serge, engl. Serge)
nennt man im allgemeinen mehrere Arten
von seidenen, halbseidenen, wollenen und
gemischten Geweben, welche mit drei oder
vier Schäften geköpert oder mit fünf- oder
siebenbindigem Atlas usw. gewebt sind. Die
wollenen Sergen dienen in den leichteren
Sorten gewöhnlich als Futterzeuge, doch
gibt es auch dichte, aus festem Kammgarn
gewebte, und solche, die durch Rauhen und
Scheren fast halbtuchähnlich sind. Die be-
kannteste Sorte aus sehr glattem, guten
Kammgarn ist die Serge de Berry. Statt der
früher vorkommenden zahlreichen Sorten wol-
lener S. werden jetzt andere Köperartikel, wie
Merino, Orleans, Napolitains, Tibets u. dgl.
benutzt. — Unter den Seidenwaren bilden
die S. hauptsächlich Futterstoffe. Sie unter-
scheiden sich von anderen geköperten Waren
dadurch, daß sie nicht appretiert sind. —
Zoll: Seidene S. s. Tarif Nr. 391 ff.; wollene
S. Nr. 427 ff.; baumwollene S. Nr. 445 ff.

Seronen (Suronen) nennt man die aus
rohen Rindshäuten bestehenden Pack-
hüllen, in welche aus Brasilien und an-
deren südamerikanischen Ländern kommende
trockene Waren eingeschlagen sind. Sie wer-
den in Europa teils noch gegerbt, teils in
den Leimsiedereien mitverarbeitet. Der Name
hat sich später auf anderes Packmaterial aus-
gedehnt und bezeichnet auch solche Embal-
lagen, welche aus einer doppelten Lage von
Bast- oder Schilfmatten, oder aus einer ein-
fachen derartigen Lage mit einer Umhüllung
von Packleinen bestehen. Es kommen daher
auch Schilf- und andere S. vor. — Zollfrei.

Serpentin (Schlangenstein), ein der
Hauptsache nach aus kieselsaurer Magne-