﻿Siderolith

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Sikkative

bewahren nicht so leicht ranzig zu werden,
und eignet sich für alle Zwecke, zu denen
Palmöl verwendet wird. S. ist von grünlich-
weißer Farbe, die sich an der Luft aber
schnell ausbleichen läßt. Das spez. Gew. be-
trägt 0,954. In den Fruchtkernen sind ca.
45°/o Fett enthalten. — Verwendung findet
S. als Speisefett und technisch in der Seifen-
fabrikation. — Zoll: Sheanüsse s. Tarif Nr. 16.
Sheabutter Nr. 171.

Siderolith (wörtlich Eisenstein) nennt
man eine besondere Sorte von Tonwaren
aus weißer, scharf gebrannter Tonmasse. Das
Ausgangsmaterial ist ein plastischer Ton, der
in gleicher Weise wie zu Steingut zubereitet,
geformt und scharf gebrannt wird. Die Ge-
genstände erhalten dann aber keine Glasur,
sondern werden nach dem Brennen mit einem
farbigen oder Bronzefirnis überzogen, teils
auch mit Vergoldung versehen und sodann
im Ofen bei mäßiger Hitze getrocknet. Die
Erzeugnisse haben ein hübsches Äußeres, sind
aber zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten
nicht geeignet und werden auch bald un-
scheinbar. Die Fabrikation hat eine be-
deutende Ausdehnung erreicht und wird in
Böhmen, auf dem Thüringer Walde und zu
Nymphenburg in Bayern betrieben. — Zoll:
S. Tarif Nr. 713 ff.

Sidonal, ein neueres Arzneimittel, wird
durch Neutralisation von Piperazin mit China-
säure dargestellt und ist demnach als china-
saures Piperazin (Piperazinum chini-
cum) anzusprechen. Das farblose, säuerlich
schmeckende Kristallpulver schmilzt bei 168
bis 171° und ist in Wasser leicht löslich.
S. bildet wegen seiner harnsäurelösenden Wir-
kung ein spezifisches Mittel gegen alle Krank-
heiten, welche, wie die Gicht, auf Harnsäure-
ausscheidung beruhen. — Zollfrei.

Siegellack (Packlack, Postlack, lat.
Lacca sigiilata, frz. Laque de poste, engl.
Sealing lac) nennt man im allgemeinen Mi-
schungen harziger, in der Hitze schmelzender
Stoffe mit Körperfarben. Das Grundmaterial
zu gutem S. ist Schellack, dessen Schmelz-
barkeit durch Zusatz von etwa 1/4 oder mehr
venezianischen Terpentin erhöht wird. Den
feinsten roten S. erhält man nur durch An-
wendung von gutem Vermillonzinnober. Bei
den geringeren Sorten wird dieser Stoff zum
Teil, bei noch wohlfeileren ganz durch Men-
nige, Chromrot oder Englischrot ersetzt, wäh-
rend für den Schellack Kolophonium und
ähnliche Harzstoffe eintreten. Zur Vermeh-
rung des Gewichts, zur Ersparung an Farb-
stoff und zur Nuancierung der Farbe werden
häufig auch weiße erdige Zusätze von Talk-
pulver, Schwerspat, Barytweiß oder Kreide
angewendet. Die erdigen Stoffe, zum Teil
auch die Farbkörper, werden für bessere
Sorten erst für sich mit Terpentin und Terpen-
tinöl gut verrieben und dann zu der schmel-
zenden Schellackmasse hinzugesetzt. — Or-
dinäre Flaschenlacke bestehen nur aus
Kolophonium, Burgunderharz oder Weiß-
pech und gewöhnlichem Terpentin nebst
wohlfeilen Farbkörpern. Als Farben benutzt

man für Schwarz feinen Ruß, Beinschwarz
oder Pechasphalt, für Braun Zinnober mit
Ruß oder irgendeine braune Erdfarbe, für
Gelb und Orange die betreffenden Chromblei-
farben, für Grün Chromgrün oder Kupfer-
grün (Schweinfurter Grün darf zu S. nicht
verwendet werden, da es beim Schmelzen
giftige Dämpfe von arseniger Säure ent-
wickelt), für Blau Ultramarin. Der blaue S.
ist am schwierigsten herzustellen, da hierzu
die Harzmasse besonders hell sein muß, und
man benutzt daher gebleichten Schellack in
Verbindung mit anderen hellen Harzen, wie
Dammar. Zu Gold- und Bronzelack werden
in die Masse kleine Flitter von echtem Blatt-
gold oder die betreffenden Metallbronzen
eingerührt. — Zum Pafümieren feiner S.
benutzt man Benzoeharz, Tolu- oder Peru-
Balsam oder Moschus, welche erst der zum
Ausgießen fertigen Masse einverleibt werden.
Die Vereinigung der Bestandteile erfolgt
durch gelindes Schmelzen über Kohlenfeuer.
Man erhitzt und rührt, bis das Gemisch
Blasen wirft, nimmt es dann vom Feuer
und rührt weiter, bis die Blasen vergehen,
und gießt die Masse schließlich in blecherne,
innen verzinnte Formen, welche mit etwas
feinem Öl ausgestrichen sind. Die erhärteten
Stangen werden geglänzt, indem man sie
rasch durch eine Spiritusflamme oder die
Hitze eines Kohlenfeuers zieht. — Zoll: S.
Tarif Nr. 344.

Sienaerde (lat. Terra de Siena, frz. Terre
de Siene, engl. Siena earth), so genannt von
ihrem Fundorte Siena in der italienischen
Provinz Toskana, ist eine Art Ocker, und
zwar der feinste dieser Klasse. Sie ist von
Natur hellbraun, dunkelgelb bis dunkelbraun,
nimmt aber durch Brennen andere Farben-
töne an in braun, rötlich und orangegelb.
Im rohen, geschlämmten Zustande dient S.
als gelbe Aderfarbe für Holzanstriche. Ge-
brannt gibt sie ein feuriges Rotbraun und
wird hauptsächlich als Lasurfarbe verwen-
det. — Zoll: S. Tarif Nr. 224. 329.

Sikkative (Siccative, Trockenmittel)
nennt man Präparate, die als Zusätze zu
Leinöl- oder Firnisfarben verwendet werden,
um diesen eine größere Trocknungsfähigkeit
zu verleihen. Die flüssigen S. (Trockenöle)
sind zum Teil stark bleihaltige Firnisse,
welche durch Kochen von altem Leinöl mit
Mennige, Bleiglätte oder Bleizucker herge-
stellt und zum Gebrauch mit Leinölfirnis
oder Terpentinöl verdünnt werden. Auch
durch Anwendung von Braunstein, bor-
saurem Manganoxydul, oxalsaurem
Manganoxydul (Manganoxalat) und von
Zinksalzen erhält man Trockenöle, welche
vor den bleihaltigen den Vorzug besitzen,
selbst nicht dunkel zu werden und Anstriche
mit Zinkweiß nicht dunkel zu färben. Durch
Zusammenschmelzen der genannten Metall-
salze mit Fichtenharz oder durch Eindampfen
der Trockenöle erhält man die S. in fester
Form. — Auf 1 kg streichfertige Öl-
farbe rechnet man 40—50 g flüssiges Sik-
kativ, während von borsaurem Mangan-