﻿Silber

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Silber

oxydul 10—20 g genügen. — Zoll: Sikka-
tive, flüssige, s. Tarif Nr. 343, trockne Nr. 390.

Silber (lat. Argentum, frz. Argent, engl.
Silver) findet sich sowohl gediegen, wie in
Form von Erzen auf der Erde in ziem-
licher Verbreitung. Von den Erzen haben
Silberglanz (Schwefelsilber), Hornsilber
(Chlorsilber), Silberkupferglanz (Silber-
kupfersulfid), Rotgültigerz und Schwarz-
gültigerz (Arsen- oder Antimonsulfid mit
Silbersulfid) die größte Bedeutung, doch wer-
den auch die minimalen Spuren S., welche
sich in Blei- und Kupfererzen regelmäßig
finden, hüttenmännisch gewonnen. Während
im Altertum die Mittelmeerländer, besonders
Spanien, die reichsten Silberlager hatten, steht
jetzt Amerika mit den Anden an der Spitze
der Silbergewinnung, und zwar zunächst Kali-
fornien, dann Mexiko und Bolivia. In zweiter
Linie folgen Australien, der Ural und Deutsch-
land. Je nach der Beschaffenheit der Erze
und örtlichen Umständen schlägt man zum
Ausbringen des Metalls verschiedene Wege
ein. Das direkte Ausbringen ist nur bei be-
sonders reichen Erzen möglich. In den
meisten Fällen muß eine Anreicherung vor-
hergehen. Die silberhaltigen Erze werden
entweder mit Bleierzen gemischt auf Metall
verarbeitet, oder bei etwas größerem Silber-
gehalt (mehr als 10%) direkt mit Blei ge-
schmolzen. Das erhaltene Werkblei wird
durch die Treibarbeit mit einem Feuer-
luftstrom wieder geschmolzen, bis alles Blei
zu Glätte oxydiert ist und abfließt, und nur
das Silber als ein kleiner Rückstand auf dem
Treibherde verbleibt. Auf Kupferhütten schmilzt
man das Schwarzkupfer ebenfalls mit Blei,
gießt aus der Legierung Scheiben und setzt
diese einer Erhitzung zwischen glühenden
Kohlen aus. Das nun durch „Ausseigern“
gewonnene, abfließende silberhaltige Blei wird
durch Treibarbeit vom Silber befreit. Bei sehr
geringem Silbergehalt des Werkbleies ist ein
direktes Ausbringen durch Treibarbeit nicht
möglich, vielmehr bedient man sich hier des
sog. Pattinsonierens. Dieses Verfahren
beruht auf der Beobachtung des Engländers
Pattinson, daß sich beim Abkühlen einer
silberhaltigen Bleischmelze zuerst Kristalle
von reinem Blei ausscheiden. Diese werden
mit siebartigen Schaufeln abgeschöpft und
der zuletzt auskristallisierende silberreichere
Rückstand der Treibarbeit unterworfen. Zur
Umgehung des Abtreibens schmilzt man das
pattinsonierte Metallgemisch nach der Me-
thode von Parkes jetzt meist mit Zink zu-
sammen. Das Zink nimmt das ganze Silber
auf und schwimmt mit diesem auf der Ober-
fläche des Bleies, mit welchem es keine
Legierung eingeht. Die abgehobenen Zink-
scheiben werden durch einfache Destillation
vom Zink befreit. Von den nassen Verfahren
wurde die Amalgamation schon vor drei-
hundert Jahren angewandt. Man mischt die
feingemahlenen Erze mit Seesalz oder röstet
sie mit diesem, reduziert das entstandene
Chlorsilber mit Eisenspänen, extrahiert das
metallische S. mit Quecksilber und destilliert

letzteres ab. Nach dem neuesten Verfahren
endlich werden die mit Kochsalz gerösteten
Erze mit konzentrierten Lösungen von Koch-
salz oder Natriumthiosulfat behandelt, die
erhaltenen Lösungen mit Schwefelnatrium ge-
fällt, und das entstehende Schwefelsilber durch
Glühen mit Ätzkalk und Kohle zu metalli-
schem Silber reduziert. Das nach dem einen
oder anderen Verfahren dargestellte Werk-
silber enthält noch geringe Mengen fremder
Metalle, deren Entfernung durch das Fein-
brennen, ein Umschmelzen mit Gebläseluft
auf einem muldenförmigen Herde mit einer
Sohle von Knochenasche oder Mergel, erfolgt.
Die Verunreinigungen werden hierdurch oxy-
diert und verschlackt, während Feinsilber
mit etwa 0,25% Fremdmetallen zurückbleibt.
Chemisch reines S. erhält man durch Auf-
lösen in Salpetersäure, Fällen mit Salzsäure
oder Kochsalz und Reduktion des Chlor-
silbers mit Eisen oder Zink oder durch
Schmelzen mit Soda. Das reine S. ist schön
weiß, härter als Gold, aber weicher als Kup-
fer. Sein spez. Gew. beträgt im gegossenen
Zustande 10,470, nach dem Hämmern 10,510.
Es ist ein vortrefflicher Leiter für Wärme
und Elektrizität und kann infolge seiner
hohen, dem Golde nahekommenden, Dehn-
barkeit, zu Drähten und Blechen verarbeitet
werden. Bei 960° schmilzt S. und destilliert
bei der Temperatur des Knallgasgebläses in
Form eines grünlich-blauen Dampfes. Gegen
reine, auch feuchte Luft ist S. außerordent-
lich widerstandsfähig, überzieht sich aber bei
der Einwirkung von Schwefelwasserstoff und
anderen Schwefelverbindungen (Eier) mit
einer braunen bis schwarzen Schicht. Diese
Eigenschaft wird zur Erzeugung schwarz-
grauer Silberwaren benutzt, die man fälsch-
lich oxydiertes S. nennt. — Im Handel
erscheint das Feinsilber verschiedener Rein-
heitsgrade gewöhnlich in Form von gegos-
senen Barren und Platten (Planschen), ameri-
kanisches außerdem in Form von abgestutzten
Kegeln, Pyramiden, Kuchen und Scheiben.
Die Stücke sind meist gestempelt und mit
Angabe des Ursprungs, Gewichts und Ge-
halts versehen, die aber bei fremder Ware
nicht immer zuverlässig sind und nachgeprüft
werden müssen. — Für die Zwecke der prak-
tischen Verwendung als Münzen, Schmuck-
sachen, Hausgeräte wird das S. meist mit
Kupfer legiert, weil es für sich zu weich
und daher der Abnutzung zu sehr unter-
worfen ist. Legierungen mit höchstens 10%
Kupfer zeigen noch die rein weiße Silber-
farbe bei erhöhter Politurfähigkeit und Härte.
Als Werteinheit für S. und Gold galt bis in
die sechziger Jahre die kölnische Mark zu
16 Lot, so daß z. B. eine Legierung aus
13 Teilen S. und 3 Teilen Kupfer 13lötig,
reines S. 161ötig sein würde. Jetzt bezeichnet
man unter Zugrundelegung des Kilogramms
den Feingehalt in Tausendsteln. Ein 12-
lötiges S. hat also den Feinheitsgrad 750.
Die Silbermünzen Deutschlands und vieler
anderer Länder haben einen Feingehalt von
900, Gerätschaften und Schmucksachen viel-