﻿Soya

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Spartein

Asche, 0,17°/o Fett und 90,04°/o Stickstoff-
substanz, ist also als nahezu reines Eiweiß
anzusprechen. Unter dem Mikroskope zeigt
es sich als aus Muskelfasern bestehend. Das
S. hat vor dem Tropon den Vorzug, daß es
rein animalischen Ursprungs ist, kann aber
gleich dem Tropon wegen seines hohen
Preises als billige Eiweißquelle für den
Massenkonsum nicht in Frage kommen. —
Zoll: S. Tarif Nr. 217.

Soya (Soja, Shoya), eine aus Japan und
China eingeführte scharfe Sauce für Fisch-
und Fleischspeisen, wird aus Koji, einem mit
Hilfe von Aspergillus-Pilzsporen aus Reis
erzeugten Enzyme, oder aus gekochten Soya-
bohnen (Dolichos Soya) in der Weise
bereitet, daß man ein Gemisch von gedämpf-
tem und geröstetem Weizen oder Gerste mit
diesen Enzymen in Gärung versetzt, dann
mit Kochsalz und Wasser vermischt und die
verflüssigte Masse nach längerer Zeit (1—5
Jahren) abpreßt und filtriert. Die braune
Flüssigkeit wird von den Japanern in großen
Mengen verbraucht, aber auch nach Europa,
besonders England, verkauft. — Zoll: S.Tarif
Nr. 216.

Sozojodol, eines der vielen neu aufgekom-
menen Arzneimittel, wird zu denselben Zwecken
wie Jodoform verwendet, vor welchem es aber
den Vorzug der Geruchlosigkeit hat. Man
verwendet gewöhnlich die Verbindung des S.
mit Kalium oder Natrium, farblose, kristal-
linische Körper. Das S. selbst ist in chemi-
scher Hinsicht Dijodparaphenolsulfosäure. —
Zollfrei.

Sparadrap (Emplastra extensa) nennt
man die in Apotheken und Drogerien vorrätig
gehaltenen Pflaster, deren zur Aufnahme
der Pflasterschicht bestimmte Unterlage meist
aus Schirting oder Halbleinen besteht. Eine
Unterabteilung der S. sind die Pflaster-
mulle oder Guttaperchapflastermulle
(Perchemplastra), welche auf Mull oder auf
mit dünner Guttaperchalage bedeckten Mull
ausgestrichen sind und sich durch große Ge-
schmeidigkeit und Klebkraft auszeichnen. Als
bekanntere Beispiele seien Sparadrap de
Vigo, ein Quecksilberpflaster, und Spa-
radrap de Thapsia, ein Harz-Terpentin-
pflaster, angeführt. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Spargel(Sparse, Sparschen, frz. Asperge,
engl. Asparagus) nennt man die jugendlichen,
noch nicht viel über die Erdoberfläche heraus-
gewachsenen Sprossen der kultivierten Spar-
gelpflanze, Asparagus officinalis, welche
in mehreren Varietäten angebaut wird. Die
ausdauernde Pflanze wird 0,5—1,3 m hoch und
besitzt dünne, nadelähnliche Blätter, grün-
lichgelbe Blüten und schwarze Samen in roten
Beeren. Aus Samen gezogene Pflänzchen wer-
den bei etwa 5 cm Länge 20 cm von einander
entfernt in Reihen verpflanzt, rein von Un-
kraut gehalten und dann auf die Beete in
Gräben oder neuerdings auf Hügeln in 60 cm
weiten Abständen in gut gedüngten Boden
gesetzt (reichlich Stalldünger mit Kalisalz).
Die Anlage und Unterhaltung der Spargel-

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

beete ist sehr kostspielig, da man für Rajolen
des Bodens, Düngung, Auswerfen der Gräben
oder Hügel und Pflanzung pro ha bis über
1000 M. und an jährlichen Kulturkosten min-
destens 600 M. rechnen muß. Die Dauer
der Beete beträgt 15—18 Jahre, auf Ertrag
ist vom 3. Jahre an zu rechnen. Gute Beete
geben dann in 65 Tagen Stechzeit pro ha
bis 4000 kg S., welche im großen zu 50 Pfg.
bis 1 M., in schlechten Jahrgängen (kaltes,
nasses Frühjahr) auch mit 1,20 M. verkauft
werden. Trotz der hohen Kosten ist die Kultur
außerordentlich lohnend, so daß man z. B. in
Schwetzingen bis 1900 M. Ertrag und als
Reinertrag mindestens 1200 M., in Argenteuil
in Frankreich 1600—1700 M. Ertrag bei einem
Preise der Pflanzen bis zu 5 und 6 M. pro
Hundert rechnet. In Deutschland kostet das
Hundert 1—2 M. — Der S. enthält neben ge-
ringen Mengen Säuren, Zucker, Gummi und
Mineralstoffen als charakteristischen Bestand-
teil das Asparagin. Die Samen enthalten ein
fettes Öl, die reifen Beeren Traubenzucker
und einen roten Farbstoff, Stengel und Kraut
Inosit. Das Asparagin wirkt als harntreiben-
des Mittel. Die frischen S. sind Gegenstand
des Lokal- und des Welthandels, des Groß-
und des Kleinhandels und werden auch, in
Dosen, Gläsern und Büchsen eingemacht, in
den Verkehr gebracht. Nach den Grundsätzen
der braunschweigischen Konservenfabrikanten
und Spargelexporteure soll erster S. aus nor-
mal gewachsenen (nicht krummen) Stangen
mit weiß gestochenen Köpfen (rostfrei und
ohne Faulflecke) bestehen, welche vom Kopfe
bis auf die Mitte des unteren Schrägabschnit-
tes nicht unter 22 cm lang sind, bei einem
Gewicht von mindestens 35 g für jede einzelne
Stange. Roter Anlauf der Stange, welcher
augenscheinlich nach dem Stiche eingetreten
ist, beeinträchtigt die Eigenschaft als erster S.
nicht. Zweiter S. soll im Durchschnitt nicht
mehr als 22 Stangen pro Vs kg halten
und nicht länger als 22 cm sein. Gänzlich
grüne Köpfe dürfen in dieser Sorte nicht
enthalten sein und ebensowenig vollständig
hohle Stangen. Suppenspargel muß sich gut
schälen lassen. — Zoll: S. Tarif Nr. 33. 36. 216.

Sparte'fn (lat. Spartei'num, frz. Sparteine,
engl. Spartein). Die mit den Kelchen ge-
trockneten, goldgelben Blüten des Besen-
ginsters, Sarothamnus scoparius seu
Spartium scoparium (Flores Spartii
scoparii seu Genistae), enthalten neben
gelbem Farbstoff und dem stark diuretisch
wirkenden Bitterstoff Scoparin auch ein
flüssiges und flüchtiges Alkaloid, das Spar-
te in, welches dem Kurare und Koniin ähn-
lich wirkt. Das auch aus den in England
gegen Wassersucht benutzten Zweigspitzen
der Pflanze hergestellte Alkaloid bildet ein
farbloses Öl von eigentümlichem Gerüche
und stark bitterem Geschmack, welches sich
an der Luft rasch verändert. Das Spartein
und sein schwefelsaures Salz, Sparteinsulfat
(lat. Spartei'num sulfuricum), finden beschränkte
medizinische Anwendung bei Herzerkrankun-
gen. — Zollfrei.

so