﻿Sparterie

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Spinell

Sparterie (Spanböden) nennt man Flecht-
werke aus dünnen, bandartig geschnittenen
Streifen von weichem, weißen Holze, wie
Linden, Weiden, Espen, welche z. T. durch
Handflechterei, z. T. auch auf dem Webstuhl,
mitunter im Gemisch mit Zwirnfäden, her-
gestellt werden. Man fertigt aus Sp. Tisch-
decken, Fenstervorsetzer, Hutfutter, sowie
ganze Hüte, Mützen usw. Die Industrie ist
besonders in Böhmen heimisch, und die wohl-
feilen Waren werden weit versandt. Aus S.
hergestellte Hüte heißen unrichtig Bast- oder
selbst Reisstrohhüte. — Zoll: S. Tarif Nr.593/4.
S.-Hüte Nr. 541.

Speck. Mit diesem Namen belegt man das
noch nicht ausgelassene, nur aus dem Körper
gewisser Tiere ausgeschnittene, festere Fett,
namentlich der Schweine(Schweinespeck,
Speckseiten), doch spricht man auch von
Robbenspeck und Walfischspeck. Speck-
seiten werden gewöhnlich gesalzen und ge-
räuchert. — Zoll: Schweinespeck: S. Tarif
Nr. 109. Robben- und Walfischspeck: Nr. 131.

Speckstein (Steatit, venezianische
oder spanische Kreide), ein aus wasser-
haltiger, kieselsaurer Magnesia bestehen-
des Mineral, ist sehr weich, fettglänzend und
fettig anzufühlen, rein weiß oder oft gelblich,
grünlich bis gräulich gefärbt und sehr leicht
zu schneiden, wird aber im Feuer so hart,
daß er selbst Glas ritzt. Der Stein findet sich
nesterweise in unregelmäßigen, kleineren und
größeren Stücken in zersetztem Glimmer-
schiefer, sowie auch eingewachsen in Serpen-
tinfels. Seine hauptsächlichsten Fundorte sind
bei Wunsiedel in Bayern (Göpfersgrün, Thiers-
heim), doch findet er sich auch im Fichtel-
gebirge, ferner bei Zöblitz und Altenberg in
Sachsen, in Briangon und in Nyntsch (Un-
garn). Aus S. werden auf der Drehbank und
durch Schneiden Pfeifenköpfe, Spielwaren,
Schreibzeuge und andere , Gebrauchsgegen-
stände hergestellt. Auch Bildsteine werden
von Künstlern daraus geschnitten und darauf
gefärbt und gebrannt. Die gepulverte Masse
benutzt man als Mittel gegen Reibung (sog.
Rutschpulver zur Erleichterung des Stiefel-
anziehens), zum Putzen von Metall- und Glas-
waren (Spiegelpolieren), zum Vorzeichnen auf
Tuch (Schneiderkreide), Seidenzeug und Glas-
tafeln, zum Entfernen von Fettflecken, zur
Verfälschung von Seifen, zu feuer- und säure-
festen Stöpseln und anderen Zwecken. Große
Mengen werden auch zur Herstellung von Gas-
brennern, sog. Lavabrennern, verbraucht.
Die bei der Fabrikation entstehenden Abfälle
werden, wie Meerschaumabfall, gepulvert, mit
Ton und Wasser zu einem Teig angemacht,
um daraus kleine plastische Kunstwerke zu
formen, die gebrannt eine große Härte und
sehr hübschen Farbenton zeigen. Bei Lowell
in Massachussets finden sich so ausgedehnte
Lager von S., daß man Röhren zu Wasser-
leitungen daraus fertigt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 231. 339. Schmelztiegel aus Speckstein
s. Tarif Nr. 725.

Spergel (Spörgel, Spark, Sperk,
Ackerspark, Knörrich, frz. Spargoute,

engl. Piney), eine Alsinee, Spergula L.,
wird in verschiedenen Arten, die als Futter-
pflanzen Verwendung finden, angebaut.
Der Ackerspergel (Spuvre, Spark) S.
arvensis L., S. geniculata, ist einjährig,
15—30 cm hoch und besitzt quirlförmig ge-
büschelte Blätter, weiße Blumenkrone und
kugelige, linsenförmige, fein punktierte Samen.
Er wird als Gründüngungspflanze für san-
digen Boden angebaut in den Varietäten S.
sativa mit samtschwarzen, kahlen, fein punk-
tierten Samen, S. vulgaris, mit weißlichen,
zuletzt braunen Warzen auf dem Samen und
S. maxima, Riesenspörgel, Flachs-
spergel, mit größeren Samen. Die Saat
erfolgt im Frühjahr und im Herbst mit 18
bis 50 kg Saatgut von 130 kg Gewicht pro hl.
Man erntet 60—100 dz. Grünfutter, welches
an Güte dem besten Wiesengras gleichsteht.
Von Saatspergel erzielt man 5—8 dz Körner
und 12—15 Ztr. Stroh, welches ebenfalls ver-
füttert wird. —- Zoll: Spergelsamen s. Tarif
Nr. 21. S. als Futter Nr. 27.

Spermazetiöl (Spermöl), eine im Handel
häufig gebrauchte Benennung für das Wal-
ratöl, vgl. unter Walrat.

Spezies (lat. Species) ist die pharmazeu-
tische Bezeichnung für Mischungen aus zer-
kleinerten Pflanzenteilen, die entweder als Tee
zu Abkochungen, oder in Substanz trocken
oder naß zu Umschlägen dienen. Bekanntere
Sorten sind: Sp. lignorum, Holztee, Sp. spec-
torales, Brusttee, Sp. ad cataplasma, ad fo-
mentum, Stoffe zu Umschlägen, zu Bähungen,
Sp. emollientes, erweichende, Sp. resolventes,
zerteilende, Sp. aromaticae, würzhafte Kräu-
ter, Sp. laxantes, abführender Tee usw. —
Zoll: Spezies sind lose zollfrei; als zube-
reitete Arzneiwaren: S. Tarif Nr. 388.

Spinat, die jungen Blätter von Spinacea
oleracea, bilden ein beliebtes Gemüse. Die
in Gartenkultur angebaute Pflanze erfordert
einen tiefgründigen, humosen und gut ge-
düngten Boden sowie sorgfältige Pflege, da
sie dem Insektenfraß in hohem Grade aus-
gesetzt ist. Spinat enthält nach König:
89,24% Wasser, 3,71% Stickstoffsubstanz,
0,50% Fett, 0,10% Zucker, 3,50% stickstoff-
freie Extraktstoffe, 0,94% Rohfaser und 2,00%
Asche. Die Pflanze ist verhältnismäßig reich
an Stickstoff, der sich aber nur zum Teil in
Form von Eiweiß vorfindet. Wichtig ist der
Spinat für die rationelle Ernährung wegen
seines hohen Gehaltes an Mineralstoffen und
besonders an Eisen, der 3,35 (!) der Asche
ausmacht. — Zoll: S. Tarif Nr. 33.

Spinell, ein in verschiedenen Varietäten
vorkommendes, tesseral kristallisierendes Mi-
neral, besteht in reinster Form nur aus Ton-
erde und Magnesia und ist dann farblos
und durchsichtig, häufiger aber durch Eisen
und Chromoxyd gefärbt. Die roten (karmin,
ponceau, rosa), besonders schön gefärbten und
durchsichtigen S. sind meist geschätzte Edel-
steine, ähneln den Rubinen und werden daher
Rubinspinelle oder, wenn sie blaß gefärbt
sind, Balasrubine genant. Die letzteren,
blaßrot bis gelblichrot gefärbten, Steine sind