﻿Stärkeglanz

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Stärkezucker

reichen Verfälschungen der S. werden mi-
' neralische Zusätze, wie Kreide, Gips, Schwer-
spat durch die Sedimentierprobe mit Alkohol,
sowie die Aschenbestimmung leicht erkannt.
Befeuchtung mit Wasser läßt sich durch die
Bestimmung des spez. Gew. oder durch Trock-
nen bestimmen. Die S. findet in ihren ver-
schiedenen Formen mannigfache Verwendung
zu medizinischen, technischen und Ernährungs-
zwecken. Für letztere sind alle Sorten gleich
gut geeignet. In der Medizin benutzt man
besonders Weizen- und Reisstärke zur Her-
stellung von Verbänden, zur Verdünnung von
Medikamenten und zur Herstellung von Pul-
vern und Oblaten. In der Technik ist sie das
unentbehrliche Plilfsmittel zahlreicher Ge-
werbe. Die Kartoffelstärke dient zur Berei-
tung von Kleister, als Schlichte in der Zeug-
weberei und als Farbenverdickungsmittel beim
Zeugdruck, ferner als Ausgangsmaterial der
Fabrikation von Dextrin, Stärkesirup und
Stärkezucker. Weizenstärke ist die eigentliche
Waschstärke und das Appretierungsmittel für
Zeuge, wird aber hierfür neuerdings vielfach
durch Reisstärke verdrängt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 173/5.

Stärkeglanz (Glanzstärke) ist eine Stärke,
welche durch Zusatz von Stearin oder
Paraffin die Eigenschaft erhalten hat, der
damit behandelten Wäsche einen höheren
Glanz zu geben und das Plätten zu erleich-
tern. Auch wird häufig noch Borax zuge-
setzt, um eine größere Weiße zu erzielen. —
Zoll: S. Tarif Nr. 173.

Stärkezucker (Traubenzucker, Glu-
kose, Glykose, Dextrose, Krümel-
zucker). Diese in der Wissenschaft jetzt
meist als Glukose oder Rechtsglukose be-
zeichnete Zuckerart bildet einen Bestandteil
sehr vieler Früchte, namentlich der Wein-
trauben, Kirschen, Pflaumen und Feigen und
findet sich neben der linksdrehenden Fruk-
tose im Honig. Bei der Zuckerkrankheit
tritt sie im Ham auf und entsteht außerdem
bei der Spaltung vieler Glukoside mit verd.
Säuren. Auch bei Behandlung von Zellulose
(Sägespänen), Gummi, Dextrin und Stärke
mit Säuren wird S. gebildet. Der bei der
Hydrolyse des Rohrzuckers entstehende In-
vertzucker ist ein Gemisch von S. und Fruk-
tose, Maltose zerfällt bei der Hydrolyse in
2 Moleküle Glukose, Milchzucker in ein Mole-
kül Glukose und Galaktose. Zur Darstellung
reiner Glukose bedient man sich des Saftes
von Weintrauben oder des Auszuges von Ro-
sinen, welche mit Witherit oder Kreide neu-
tralisiert und dann durch Kochen mit Tier-
kohle entfärbt werden. Als Ausgangsmaterial
für die Fabrikation des technischen S. kommt
aber nur die Stärke, und zwar in Deutschland
Kartoffelstärke, in Amerika Maisstärke in Be-
tracht. Man läßt die mit Wasser zu einer
dünnen Milch angerührte frische Stärke in
siedende, etwas Salpetersäure enthaltende 2-
proz. Schwefelsäure einfließen, erhitzt dann
zur Umwandlung der ersten Zersetzungspro-
dukte: Dextrin und Maltose, weiter, bis eine
herausgenommene Probe mit Jod keine Blau-

färbung und mit Alkohol keine Fällung mehr
gibt, und läßt dann erkalten. Das Kochen
wird zweckmäßig in geschlossenen Kesseln
bei 120° vorgenommen. Die erkaltete Flüs-
sigkeit wird durch Zusatz von Kalzium- oder
Bary umkarbonat neutralisiert, filtriert, mit
Knochenkohle entfärbt, im Vakuum einge-
dampft und zur Einleitung der Kristallisation
mit etwas fester Glukose geimpft. Die nach
einiger Zeit kristallinisch erstarrende Masse
gelangt entweder in viereckigen Holzkisten,
als sog. Kistenzucker, direkt in den Handel
oder wird durch Zentrifugieren, Decken mit
Methylalkohol und nochmaliges Umkristalli-
sieren als eine trockne, weiße, dem Hut-
zucker ähnliche Masse erhalten. — Die reine
Glukose ist der typische Vertreter der
Hexosen oder Monosen, d. h. der aus einer
Kette von 6 Atomen Kohlenstoff bestehenden
Zuckerarten, zu denen außerdem noch die
Fruktose und die Galaktose gehören. Sie
bildet ein Kristallpulver aus locker zusammen-
hängenden Nadeln oder harte, klingende
Krusten. Das spez. Gew. beträgt 1,5384, der
Schmelzpunkt des Anhydrids liegt bei 144 bis
146°, derjenige der mit einem Molekül Wasser
kristallisierten Glukose bei 80—86°. Sie
schmeckt weniger süß als Rohrzucker, löst
sich leicht in Wasser und heißem verd. Al-
kohol, hingegen kaum in absolutem Alkohol.
Aus Methylalkohol kann sie umkristallisiert
werdeA. Die wäßrige Lösung ist rechts-
drehend und zeigt die spez. Drehung 53,30.
Gegen Säuren ist Glukose ziemlich beständig,
wird aber durch Alkalien unter Gelbfärbung
zersetzt. Durch Hefe wird sie leicht vergoren
und scheidet aus den Lösungen von Schwer-
metallen durch Reduktion Niederschläge von
Oxydul oder Metall aus. Die Reduktion von
alkalischer, Seignettesalz enthaltender, Kupfer-
lösung (Fehlingscher Lösung) wird zur quan-
titativen Bestimmung, die Reduktion von
Quecksilber- oder Wismutlösungen zu ihrem
qualitativen Nachweis benutzt. — Der Stärke-
zucker des Handels enthält infolge unge-
nügender Verzuckerung oft noch erhebliche
Mengen Dextrin. Absichtlich läßt man diese
darin bei der Fabrikation des Stärkesirups
(Kartoffel-, Kapillär-Sirups). Zu dessen
Herstellung verwendet man eine zur völligen
Verzuckerung unzureichende Säuremenge und
kocht ohne erhöhten Druck nur so lange,
bis Jodlösung gerade keine Blaufärbung mehr
hervorruft. Damit der Sirup klar bleibt, ist
völlige Entfernung des Gipses erforderlich.
Er bildet dann eine sehr dickflüssige, zäh-
klebrige, farblose oder blaßgelbliche Flüssig-
keit, welche etwa 20°/o Wasser und je 40%
Glukose und Dextrine enthält, doch kommen
nach der Art der Fabrikation Produkte sehr
wechselnder Zusammensetzung in den Handel.
—■ Der S. findet vielfache Anwendung als
Versüßungsmittel in der Likörfabrikation und
zur Herstellung von Konfekt und Konditorei-
erzeugnissen. Die früher gebräuchliche Be-
nutzung zum Gallisieren hat wesentlich nach-
gelassen, seitdem das neue Weingesetz die
Verwendung dextrinhaltiger Erzeugnisse unter-