﻿Stahlspäne

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Stearin

sagte. Auch zur Herstellung untergäriger
Biere darf S. nicht benutzt werden. Der
Stärkesirup dient vielfach als billiger Ersatz
des Rohrzuckers bei der Herstellung von
Obstkonserven, Fruchtsirupen, und besonders
von sog. Marmeladen, die zum Teil vollständig
aus künstlich gefärbtem Stärkesirup be-
stehen. Nach der jetzt herrschenden Auf-
fassung der Nahrungsmittelchemiker und dem
jetzigen Stande der Rechtsprechung muß die
Verwendung des Stärkesirups bei Nahrungs-
und Genußmitteln, mit Ausnahme von Li-
kören und Konditorwaren deklariert werden.
S. und Stärkesirup unterliegen im Gegensatz
zum Rohrzucker keiner Steuer. — Zoll: S.
Tarif Nr. 177.

Stahlspäne, ursprünglich ein Abfallpro-
dukt, werden jetzt in großen Mengen zum Rei-
nigen bez. Glänzendmachen von Parkettfuß-
böden verwendet. Man stellt sie in ver-
schiedenen Feinheitsnummern dar und han-
delt sie abgepackt in V4kiIo Paketen. —
Stahlonit, ein zum Preise von 1,60 M. für
1 kg verkauftes Mittel, welches als Ersatz der
Stahlspäne in den Verkehr gebracht wurde,
besteht im wesentlichen aus Glimmersand mit
zirka 10°/o Kalk, 9°/o Soda und Spuren Eisen-
feile. — Zoll: 1 M.

Stahlwässer (Chalyb okrenen) nennt man
eisenhaltige Mineralwässer, welche das Eisen
in Form des Bikarbonats enthalten, im Gegen-
satz zu den Eisensulfat führenden Eisen-
wässern. Die wichtigsten deutschen Eisen-
wässer finden sich in Pyrmont, Driburg,
Elster, Schwalbach, Reinerz, Kudowa, Alexis-
bad, Liebenstein, Bocklet und Brückenau am
Rhön, Freienwalde a. O., Petersthal, Gries-
bach, Rippoldsau und Antogast. Außerdem
finden sich Eisenwässer in Franzensbad (Öster-
reich), St. Moritz und Tarasp in der Schweiz,
sowie zu Spaa in Belgien. Die Stahlwässer
enthalten bis zu 0,06 g Eisen in 1 1 und
werden sowohl zu Trink- wie zu Badekuren
benutzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 190.

Staubbindemittel. Zur Bekämpfung der
Staubplage werden seit einiger Zeit ver-
schiedene Präparate in den Handel gebracht.

—	Die Angehörigen der ersten Klasse, welche
vermittels Sprengwagen auf die Straßen auf-
getragen werden, bestehen aus Emulsionen
von Mineral- und Asphaltölen mit Wasser,
wie Westrumit, Antistoff, Standutin,
und zwar wird der Zustand der feinen
Verteilung durch Zusätze von Ammoniak,
Kalilauge, Seife oder Mehlkleister auf-
recht erhalten. — Die zweite Klasse bilden
die sog. Fußbodenöle, Mineralöle oder
Mischungen von Mineralölen und Leinöl, mit
welchen die Fußböden eingefettet werden.

—	Zu der dritten Klasse gehören die sog.
Kehrmittel, fettig anzufühlende Pulver,
■welche, wie früher angefeuchtete Säge-
späne oder Kaffeesatz, vor dem Ausfegen auf
den Boden gestreut werden und so ein Auf-
wirbeln des Staubes verhindern. Sie bestehen
entweder wie das sog. Verrin aus Mischungen
von Holzschliff mit Talkpulver oder wie das
patentierte Bronil aus Mischungen von

Zement, Sand oder Holzmehl mit Mineralölen.
Verschiedene ähnlich zusammengesetzte Stoffe,
wie Reesil, Perolin, Frottil u. a. sind als
Nachahmungen des Bronils anzusehen. —
Zoll: S. Tarif Nr. 239;

Staufenbrunnen bei Göppingen enthält
in 1000 g nach H. Fresenius (1902): Bi-
karbonate des Natriums 3,7893 g, Lithiums
0,0078 g, Ammoniums 0,0031 g, Kalziums
0,3356 g, Baryums 0,0009 g, Strontiums 0,0009 g,
Magnesiums 0,4209 g, Eisenoxyduls 0,0144 g,
Manganoxyduls 0,0002 g, Chlornatrium
0,5702 g, Bromnatrium 0,0014 g, Jodnatrium
0,00004 g, Sulfate des Kaliums 0,0536 g,
Natriums 0,2378 g, Natriumphosphat 0,00005 g,
Natriumnitrat 0,0131 g, Kieselsäure 0,0074 g,
freie Kohlensäure 1,5604 g.

Stearin. Diesen Namen führt in der
Chemie das Triglyzerid der Stearinsäure,
im gewöhnlichen Leben versteht man hier-
unter jedoch den aus Talg und anderen Fet-
ten ausgeschiedenen festen, kristallisierbaren
Kerzenstoff, der seinen chemischen Eigen-
schaften nach eine schwache Säure ist,
nämlich die Stearinsäure selbst. Die Stea-
rinkerzen sind daher richtiger als Stea-
rinsäurekerzen zu bezeichnen. Sie be-
stehen jedoch niemals aus reiner Stearin-
säure, sondern enthalten stets noch andere
ähnliche Fettsäuren, namentlich Palmitin-
säure, die ebenfalls ein Bestandteil der
meisten Fette ist und sich von der Stearin-
säure durch den niedrigeren Schmelzpunkt
unterscheidet. Ein Gemisch beider schmilzt
noch leichter als jeder der einzelnen Stoffe
für sich. Die Abscheidung des harten Kerzen-
stoffes aus den Fetten kann nach verschiede-
nen Methoden ausgeführt werden. Das ur-
sprüngliche Verfahren, das bei der Verarbei-
tung von Talg noch jetzt in Gebrauch ist,
besteht in einer Verseifung des Fettes durch
Kalk, Zersetzung der Seife durch Säure und
Trennung der erhaltenen Fettsäuren durch
Pressen. Zur Verseifung dient ein hölzerner,
mit Rührvorrichtung versehener Bottich, in
welchem ein gewundenes Dampfrohr liegt.
Hierin wird der Talg durch einströmenden
Dampf geschmolzen, darauf das Rührwerk
in Gang gesetzt, und eine Milch aus frisch-
gebranntem und gelöschtem Kalk hinzuge-
setzt. Die anfangs flüssige Masse wird während
des Rührens und Kochens immer zäher, und
schließlich scheidet sich die unlösliche Kalk-
seife in Klumpen aus. Sie ist eine Verbin-
dung der Fettsäuren des Talges mit Kalk,
während sich nebenbei Glyzerin (s. d.) ge-
bildet hat, das in der Flüssigkeit gelöst bleibt.
Die Verseifung dauert etwa einen halben Tag.
Die gebildete Kalkseife wird gewaschen, und
die bröcklige Masse zwischen kanellierten
Walzen in ein grobes Pulver verwandelt.
In einem Dampfbottich ohne Rührwerk,
der mit Blei ausgeschlagen ist, erwärmt
man dann das Seifenpulver unter Zusatz von
verdünnter Schwefelsäure durch Dampf. Die
Säure zersetzt die Seife und bildet mit dem
Kalk Gips, während die freigewordenen
Fettsäuren wie ein dünnes Öl obenauf