﻿Steinkohle

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Glasuren, sind immer stark bleihaltig und
bestehen aus einem Glase, das vorher aus
Kieselpulver, Soda, Borax und Bleiweiß oder
Mennige zusammengeschmolzen, dann ge-
stampft und mit Wasser feingemahlen wurde.
Beim zweiten Brennen überzieht sich das S.
mit einer dünnen, durchsichtigen Glashaut,
welche die Grundfarbe sehen läßt und zur
Verdeckung des gelblichen Tons der letzteren
meist mit etwas Smalte gebläut wird. Die
gemeine Fayence (Majolika) wird aus
einem mehr oder weniger eisenschüssigen, mit
Sand und Mergel gemischten Ton durch
zweimaliges Brennen hergestellt. Nach dem
ersten Brand wird die Malerei entweder unter
Glasur oder auf die rohe Glasur aufgetragen
und dann mit der Glasur eingebrannt. Im
ersteren Falle verwendet man eine durch-
sichtige, im letzteren Falle eine undurchsich-
tige, zinnhaltige Glasur oder Email. Majo-
liken werden in Frankreich und Deutschland,
besonders im badischen und württembergi-
schen Schwarzwald farbig und weiß fabriziert.
Die braunen italienischen Waren besitzen trotz
der geringen Grundmasse durch die Malerei
einen hohen Wert. Eine Unterabteilung der
Fayence bilden die weißen Ofenkacheln. —
Zoll: S. Tarif Nr. 730/1. Siehe auch Stein-
zeug und Ton waren.

Steinkohle (frz. Houille, Charbon de terre,
engl. Coal, Pitcoal). Dieses, für das industrielle
und Kulturleben der modernen Menschheit
unentbehrliche Material ist pflanzlichen Ur-
sprungs und, nach den Versteinerungen und
Abdrücken zu schließen, aus Farnkräutern,
Schachtelhalmen, Bärlappgewächsen
und anderen Kryptogamen hervorgegangen.
Wahrscheinlich ist ihre Entstehung in der
Weise zu erklären, daß die Produkte einer
üppigen Vegetation bei feuchtem und tropi-
schem Klima angehäuft wurden und unter
Bedeckung mit Niederschlagsmassen von
Sand und Schlamm, aber ohne besonders
hohe Temperaturen, einen langsamen Reduk-
tionsprozeß durchmachten. Im Verlaufe dieser
Reduktion nahm der Gehalt an Sauerstoff
und Wasserstoff naturgemäß ab, derjenige
an Kohlenstoff zu. Die S. finden sich auf
der ganzen Erde stets unter den gleichen
Verhältnissen und enthalten auch immer die-
selbe Flora. Es muß daraus geschlossen
werden, daß zur Zeit ihrer Entstehung an
den verschiedenen Punkten der Erde nahezu
dasselbe Klima geherrscht hat. Nach ihrem
geologischen Vorkommen faßt man sie zu
einer besonderen Formation, der Stein-
kohlen- oder karbonischen Formation,
zusammen, die wohl auch in Unter- und Ober-
karbon unterschieden wird. Vorkommnisse in
anderen Formationen, wie in der Wealden-
formation in Schaumburg-Lippe sind selten
und nur von lokaler Bedeutung. Als Funda-
ment der eigentlichen Kohlenformation findet
sich in einigen Gegenden, z. B. in England,
ein Kalkstein (Kohlenkalk), auf welchem
Schichten von Sandstein und Tonschiefern ab-
wechselnd mit Kohlenschichten lagern. In
Deutschland fehlt der Kohlenkalk. Die Decke

wird meist durch das Rotliegende gebildet.
Die Kohlenschichten, Flötze, deren Mächtig-
keit zwischen wenigen Zentimetern bis zu
mehreren Hundert Metern schwankt, sind
bisweilen horizontal gelagert oder auch durch
Verwerfungen gestört und bilden meist flache
Mulden (Kohlenbecken oder -bassins),
deren Ränder vielfach zutage treten. Die
reichsten Kohlenlager hat Nordamerika,
dessen Kohlenbecken eine Fläche von mehr
als 6000 Quadratmeilen bedecken. In Eu-
ropa hat England die größten Kohlen-
schätze, deren Wert um so höher ist, als sie
leicht zugänglich sind und vielfach nahe am
Meere liegen. Deutschland besitzt sehr er-
giebige Flötze im Saargebiet, ferner zwischen
Lüttich und Aachen, in Westfalen, im Ruhr-
gebiet, in Sachsen und besonders in Ober-
schlesien. Reich an Kohlen sind vor allem
auch Belgien und China. — Nach ihrem
Aussehen, ihrer Herkunft und Zusammen-
setzung unterscheidet man zahlreiche Kohlen-
sorten. Die zwei Hauptabteilungen bilden
die sog. fette und die magere Kohle, von
denen die erstere bei der trocknen Destillation
eine große Ausbeute an gasförmigen Pro-
dukten liefert. In England unterscheidet man
Back-, Splint- oder harte Kohle, Kirsch-
kohle oder weiche Kohle, Kännel- und
Bogheadkohle. DieKannel-K. (Candle- oder
Kerzenkohle) gehört zu den Sandkohlen, ist
am reichsten an Bitumen, daher von
niedrigem spez. Gew., sehr leicht entzündlich
und brennt mit schön weißer, langer, kerzen-
artiger Flamme. Neben 74,5°/o Kohlenstoff
enthält sie 5,4°/o Wasserstoff und 19,6°/o
Sauerstoff, ist aber sehr arm an Asche. Bei
der trockenen Destillation gibt sie 44% flüch-
tige Stoffe ab und bildet daher eine vor-
treffliche Gaskohle. Die schottische Boghead-
kohle, die eigentlich eher als ein fester, nicht
abfärbender Brandschiefer anzusehen ist, ver-
hält sich der vorigen ganz analog. Nach
anderen, besonders mineralogischen Gesichts-
punkten, unterscheidet man noch folgende
Sorten: Glanzkohle, eine spröde, samt-
schwarze Kohle von starkem Glanze und
muscheligem Bruch, wird hauptsächlich zur
Gasfabrikation benutzt. Pechkohle gehört
wegen ihres hohen Bitumengehaltes zu den
Back- oder Sinterkohlen. Sie ist schwarz
und pechglänzend, nicht abfärbend, besitzt
muscheligen Bruch und ist leicht entzündlich.
Die Rußkohle (Faserkohle) ist weich,
glanzlos, oft beinahe erdig und stark ab-
färbend. Die Schieferkohle besteht aus
parallelen Schichten von teils glänzender, teils
matter Oberfläche und würfligem oder
splittrigem Bruch. Nach der Dicke der
Schichten teilt man sie in Grobkohle und
Blätterkohle. Anthrazit endlich ist eine
harte, schwarz glänzende Masse von musche-
ligem Bruch und hohem spez. Gew. In chemi-
scher Hinsicht kommt er dem Graphit am
nächsten, besteht fast ganz, zu 92—97% aus
Kohlenstoff, ist daher schwer entzündlich und
brennt ' langsam ohne Flamme und Rauch.
Er eignet sich nicht zur Gasfabrikation, bildet