﻿Steinzeug

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Steinzeug

aber, besonders in Amerika und für sog.
amerikanische Öfen, ein wertvolles Heiz-
material. Nach der Größe der Stücke unter-
scheidet man noch Stückkohle, Würfel-
kohle, Knorpelkohle und Kohlenklein.
Das letztere wird meist zu Briketts (s. d.) ver-
arbeitet. Die Stücke unterwirft man bisweilen
einem Waschprozeß, um die erdigen Bestand-
teile und den Kohlenstaub zu entfernen, und
bezeichnet das Produkt als Waschkohle.
Der Verkauf geschieht vielfach nach Maß
(hl), bezw. unter Umrechnung auf Gewicht.
Im Eisenbahnverkehr fassen die Kasten-
wagen (Loren) in der Regel eine bestimmte
Anzahl von Zentnern. Die Kohle findet be-
sonders für drei Zwecke: als Heizmaterial,
zur Leuchtgasfabrikation und zur Eisengewin-
nung in ungeheuren Mengen Anwendung.
Der H eizwert richtet sich hauptsächlich nach
dem Gehalte an Kohlenstoff und Wasserstoff,
während der Sauerstoffgehalt ihn erniedrigt.
Je weniger Kohlenstoff vorhanden ist, um
so leichter brennt die Kohle; je kohlenstoff-
reicher sie ist, um so stärkeren Zug (Sauer-
stoffzufuhr) verlangt sie, erzeugt allerdings
auch um so größere Hitze. Zur Leuchtgas-
fabrikation dienen die stark bituminösen
Kohlen, während die Eisenhütten besonders
schwefelfreie Kohlen verlangen. Sie bedienen
sich daher meist der bei der trocknen Destil-
lation hinterbleibenden Rückstände, der Koks,
welche völlig schwefelfrei sind und aus nahezu
reinem Kohlenstoff bestehen. — Zollfrei.

Steinzeug. Dieser Begriff umfaßt eine
Klasse harter Tonwaren, welche in zwei sehr
verschiedene Gruppen zerfällt, nämlich in
feine Ware, die mehr oder weniger Luxus-
artikel ist, und in ordinäre, welche die
als steinerne bezeichneten Gebrauchsartikel
bildet. Das gemeinsame Merkmal beider
Gruppen von S. liegt darin, daß die Masse
durch heftiges Brennen gesintert, daher
hart, dicht und glattbrüchig ist. Sie unter-
scheidet sich demnach sofort von der erdig
brechenden gewöhnlichen Töpferware und
nähert sich dem Porzellan, von dem sie aber
wieder dadurch abweicht, daß sie niemals
irgend eine Durchscheinbarkeit zeigt. Die
Masse brennt sich, je nach der Tonsorte, ent-
weder ganz weiß, oder grau, bläulich oder
braun. Man verleiht ihr aber oft absichtlich
bestimmte Farbentöne durch Zusatz vonEisen-
und anderen Metalloxyden, welche dann zu-
gleich als Flußmittel dienen. Andere, nicht
färbende Flußmittel sind Feldspat, Gips, Kalk,
Baryt und Knochenasche. Da die Masse schon
an sich wegen ihrer Dichtigkeit für Flüssig-
keiten undurchdringlich ist, erscheint eine
Glasur nicht erforderlich. Wird eine solche
bei ordinären Waren aber trotzdem ge-
fordert, so wendet man in der Regel
die Salzglasur in folgender Weise an:
Sobald sich der Brennofen mit den Waren
in höchster Glut befindet, werden ein paar
Hände voll Kochsalz (Chlornatrium) ins Feuer
geworfen. Dieses verflüchtigt sich bei der
hohen Temperatur rasch, die Dämpfe kommen
mit den Waren in Berührung und bilden hier

ein aus kieselsaurem Natron, Tonerde und
Eisenoxyd bestehendes Glas, das als dünner,
aber sehr harter Überzug auf dem S. haftet.
Von dem unglasierten feinen S. ist das eng-
lische Wedgewoodgeschirr am berühm-
testen. Die Dekorierung der feinen Steinzeug-
waren, die sich noch in weiße und farbige
sondern lassen, fällt mehr in das Gebiet der
Plastik, als in das der Malerei. Die Masse ist
weit bildsamer, als der Porzellanton, und alle
Verzierungen erscheinen daher schärfer, und
zwar um so mehr, als sie von keiner Glasur
nachträglich abgestumpft werden. Sehr schöne
Effekte werden dadurch erzielt, daß man auf
den Grund der Gefäße reliefartige Ornamente
von anders gefärbter Tonmasse aufsetzt (Ap-
plikation). Die verschiedenen Färbungen
werden der Billigkeit halber bisweilen in der
Weise erzeugt, daß man nur eine farbige
Oberfläche durch Anguß einer verdünnten
farbigen Masse hervorbringt. Manche Waren
werden bronziert, andere mit Firnißfarben
überzogen, sehr häufig ist auch die Anwen-
dung der sog. Metallüster. — Die Fabrikation
der Steinzeugwaren nach englischer Art ist in
Deutschland durch verschiedene Fabriken ver-
treten. Am bekanntesten sind die zu Mettlach
und Wallerfangen im Trierschen und zu
Steinau in Hessen. Manche Waren haben
sich aus alter Zeit bis heute erhalten, so das
beliebte, zart graue Kölner Geschirr, die in
Bayern noch gebräuchlichen Bierkrüge mit
smalteblauen Verzierungen und das braune
Bunzlauer Geschirr. Letzteres ist eine An-
gußware mit gelblichem Körper und braunem
Überzug. — Von ordinärem S. wurden
einzelne Artikel, namentlich die Mineral-
wasserkrüge, früher in ungeheueren Mengen
verbraucht, doch versendet man neuerdings
die Mineralwässer häufiger in Glasflaschen.
Wegen der Undurchdringlichkeit der Masse
für Flüssigkeiten und Gase, auch ohne Glasur,
sowie wegen ihrer Unangreifbarkeit durch
ätzende Flüssigkeiten wird sie aber noch jetzt
für viele andere gewerbliche Artikel ange-
wandt, so zu Wasserleitungsröhren, großen
Säureflaschen, Woulfschen Flaschen, Retor-
ten und anderen Apparaten der chemischen
Industrie, großen Wasserständern, Einleg-
fässern u. dgl. Derartige Großstücke von
oft riesigen Dimensionen, welche sich nur
schwierig formen und brennen lassen, werden
schon seit langer Zeit in England hergestellt.
Doch ist dieser Zweig jetzt auch in Deutsch-
land durch viele Fabriken vertreten. In den
Rheinlanden wird die Fabrikation gewöhn-
lichen S. von alten Zeiten her in einer Gruppe
von Dörfern des Regierungsbezirkes Koblenz
betrieben, deren Hauptgeschäft diese Indu-
strie bildet. Die Gegend heißt daher allgemein
das Krugbäckerland. Das Ausgangsmaterial
bildet ein vortrefflicher Ton, der sog. Kölner
Ton, der in dortiger Gegend massenhaft lagert,
selbst Handelsartikel ist und weit versandt
wird. Man unterscheidet 1. Krugbäcker,
welche Mineralwasser- und Branntweinflaschen
(zu Genövre, Steinhäger) anfertigen, 2. Kan-
nenbäcker, welche hauptsächlich die in