﻿Stempelfarben

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Stiefmütterchenkraut

Bayern üblichen Bierkrüge und bauchigen
Kannen drehen und durch Bemalen mitSmalte
verzieren, 3. Weißwarenfabrikanten,
welche die für den Haushalt gebrauchten
Geschirre, Töpfe, Schüsseln, Einmachebüchsen,
ferner Büchsen für Apotheker, zu Wichse,
Senf u. dgl., und endlich für chemische Fa-
briken Säureballons, Woulfsche Flaschen,
Retorten und Wasserleitungsröhren her-
stellen. Zu bemerken ist noch, daß Stein-
zeuggeschirre zum Gebrauch über Feuer nicht
benutzt werden können, weil sie dem Zer-
springen sehr unterworfen sind. — Zoll: S.
s. Tarif Nr. 730/1. Siehe auch Steingut und
Tonwaren.

Stempelfarben sind Gemische von orga-
nischen oder unorganischen Farbstoffen mit
Klebe- und Bindemitteln, wie Leim, Gummi,
Dextrin und Fetten. Für Metallstempel
eignet sich besonders Karmin, Zinnober, Kien-
ruß oder irgendein in Öl löslicher Teerfarb-
stoff mit Leinölfirnis oder mit Firnis und
Rizinusöl. Für Kautschukstempel verwen-
det man Mischungen von Anilinfarben mit
Dextrin, Wasser und Glyzerin. Fleisch be-
schau er benutzen meist eine Lösung von
3 Teilen Methyl violett in je 50 Teilen Glyzerin
und Alkohol. Als S. für Säcke eignet sich
eine Abkochung von Blauholz und Gall-
äpfeln, die mit Essig, Alaun und Eisen-
vitriol und darauf mit Gummi arabikum und
Terpentin gemischt wird. Zum Zeichnen
der Wäsche wird meist ein Gemisch von
ammoniakalischer Silberlösung mit Soda und
Gummi arabikum benutzt.

Sternanis (Badian, lat. Fructus anisi stel-
lati, Semen badiani, frz. Badiane ou Anise
etoilö, engl. Star anise) nennt man die würz-
haften Früchte eines im östlichen Asien hei-
mischen, in China häufig kultivierten, immer-
grünen Baumes aus der Familie der M a g n o 1 i a -
ceen, Illicium anisatum, der jetzt auch in
Japan und auf den Philippinen angebaut wird.
Der Name rührt von der charakteristischen
Form der Frucht her, welche aus fünf bis
acht schotenförmigen, mit den Spitzen auf-
wärts gebogenen Fächern sternförmig zusam-
mengesetzt ist. Bei der Fruchtreife springen
die Fächer oben auf und bilden nun kahn-
förmige Gestalten, in denen je ein linsen-
förmiger, glänzend hellrotbrauner Samenkern
sichtbar ist. In der Handelsware finden sich
die unversehrten Früchte meist mit Bruch-
stücken und ausgefallenen Körnern vermengt.
Die holzigen, zerbrechlichen Hülsen oder Kap-
seln sind außen graubraun und runzlig, innen
glatt und braunrot. Die Droge hat einen star-
ken Geruch nach Anis und einen würzhaft
süßlichen, etwas brennenden Geschmack. Sie
wird hauptsächlich als Gewürz verwendet, me-
dizinisch bisweilen als Bestandteil von Brust-
tee und anderen Tees. Das dem eigentlichen
Anisöl sehr ähnliche ätherische öl findet sich
am reichlichsten, bis zu 5°/o, in den Kapseln, in
den Kernen nur zu 2°/o, und wird meist schon
in China durch Destillation der frischen gan-
zen Früchte dargestellt. — Das Sternanis-
öl (lat. Oleum anisi stellati, frz. Essence de

badiane ou d’anise dtoild, engl. Oil of star
anise) wird in ziemlicher Menge aus Süd-
china bezogen und in Blechkanistern ver-
sandt, die mit dem bekannten graugrünen,
mit chinesischen Schriftzeichen versehenen
Papier beklebt sind. Das spez. Gew. des Öles
liegt zwischen 0,985 und 0,990, der Erstar-
rungspunkt bei —f—14 bis -f-18°. Sternanisöl
löst sich in 3 Teilen 90proz. Spiritus klar auf.
Seine wichtigsten Bestandteile sind An et hol,
Safrol und Pinen. Die Gegenwart des
Safrols bedingt den Unterschied vom
Anisöl. Das Öl wird hauptsächlich in der
Likörfabrikation benutzt. In der Medizin dient
es, wie Anisöl, als würzhaftes, erwärmendes
Mittel. — Verwechslungen des Sternanis
mit anderen ähnlichen Samen kommen zu-
weilen vor. Besondere Vorsicht ist gegenüber
den giftigen Früchten der in Japan heimi-
schen Art Illicum religiosum geboten.
Man erkennt diese leicht an der geringeren
Größe und dem stark zurückgebogenen
Schnabel am Ende eines jeden Fachs. Die
giftige Wirkung beruht auf der Anwesen-
heit der Glukoside Shikimin, Shikimi-
säure u. a. — Zoll: Sternanis s. Tarif Nr. 67.
Sternanisöl 30 M.

Sternwurzel (Sterngraswurzel, Leucht-
sternwurzel, Kolikwurzel, engl. Blazing
star), eine in Nordamerika sehr bekannte und
allgemein als Hausmittel verwendete Droge,
die neuerdings auch in Europa als Arznei-
mittel empfohlen wird, stammt von Aletris
farinosa, einer Liliacee, und besteht aus
einem wagerechten, 5—8 cm langen Wurzel-
stock von 0,4—1,0 cm Dicke. Der letztere ist
oben glatt, unten konkav und mit hellgrauen,
faserigen oder schuppigen Blattresten besetzt.
Von der unteren, konkaven, Fläche gehen
zahlreiche, einfache, im älteren Zustande
glänzend schwarze, im jüngeren braune oder
weißliche Wurzelfasern von 5—8 cm Länge
aus. Das Innere des Wurzelstockes ist meist
mehlig und zeigt zerstreute Netzbündel. Der
Geschmack ist anfangs nur mehlig, später
aber sehr bitter. — Zollfrei.

Stickoxydul Stickstoffoxydul, Lust-
gas, Lachgas) bildet im komprimierten Zu-
stande einen Handelsartikel und wird ähnlich
wie die flüssige Kohlensäure in eisernen
Flaschen versendet. Es wird hauptsächlich
von Zahnärzten zum Betäuben an Stelle des
Chloroforms benutzt und wegen eines eigen-
tümlichen Zustandes der Berauschung, den es
erzeugt, vom Publikum Lustgas genannt. Man
stellt das S. durch Erhitzen von Ammonium-
nitrat dar als ein farbloses und geruchloses,
nur aus Stickstoff und Sauerstoff bestehendes
Gas von süßlichem Geschmack. Es ist 1,52 mal
schwerer als die Luft und wird bei 0° unter
einem Drucke von 30 Atmosphären flüssig.
Bei gewöhnlichem Luftdruck bildet es erst
bei —88° eine farblose Flüssigkeit, die bei
—1000 C zu einer eisartigen Masse erstarrt.
— Zollfrei.

Stiefmütterchenkraut (Dreifaltigkeits-
blume, lat. Herba violae tricoloris seu Herba
jaceae, frz. Pensde sauvage, engl. Pansy), das