﻿Stillingiasamen

Storax

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getrocknete, blaublühende Kraut des wild-
wachsenden Stiefmütterchens, Viola
tricolor (L.), wird in Apotheken und Dro-
gerien als blutreinigender Tee und als gelinde
wirkendes Abführmittel für kleine Kinder ver-
kauft. Es besitzt einen nur schwachen Ge-
ruch und süßlich schleimigen Geschmack und
enthält als wirksamen Bestandteil ein Gluko-
sid, Violaquerzitrin, neben Salizylsäure-
menthylester. Es muß jährlich frisch gesam-
melt werden. In vielen Gegenden werden
nur die Blüten der Pflanze als Tee verlangt
(lat. Flores violae tricoloris seu Flores jaceae,
frz. Fleurs de pensee sauvage, engl. Pansy
flowers). — Zoll: S.-Kraut und -Blüten sind
zollfrei.

Stillingiasamen sind die talghaltigen Sa-
men des zu den Euphorbiaceen gehörenden
Talgbaumes, Stillingia sebifera Michx.,
der im tropischen Asien und China viel-
fach kultiviert wird. Aus den S. gewinnt
man einen weißen Talg, der chinesischer
Talg, vegetabilischer Talg (frz. Suif
d’Arbre, engl. Vegetable tallow of China)
genannt wird und zur Seifen- und Kerzen-
fabrikation Verwendung findet. Die Früchte
sind dreikantig und enthalten schwarze Samen,
die in einer talgartigen Masse eingebettet
sind und die gleiche Masse selbst enthalten.
Der Talg besteht aus Palmitin und Stearin. —
Zoll: S.-Samen s. Tarif Nr. 16. S.-Talg
Nr. 171.

Stiltonkäse, ein überfetter englischer
Weichkäse, der in dem Dorfe Stilton in der
Grafschaft Huntington und in einigen Ge-
genden von Leicestershire bereitet wird, bil-
det zylindrische Stücke von 15—20 cm Durch-
messer, 20—30 cm Höhe und 3—10 kg Ge-
wicht. Dieser Käse ist erst gegen Ende des
zweiten Jahres genügend reif und gilt als
besonders gut, wenn er im Inneren von
Schimmel durchsetzt ist. — Zoll: S. Tarif
Nr. 135.

Störe, Acipenserini, zu den Schmelz-
schuppern (Ganoidei) gehörende Fische
mit schmackhaftem Fleisch, sind besonders
wichtig wegen ihrer Eier (s. Kaviar) und
der Schwimmblase (s. Hausenblase). 1. Der
Stör, Acipenser sturio, 2—6 m lang,
in Europa in Flüssen und Meeren außer
der Donau und dem Schwarzen Meer, 2. Ster-
let, Störl, Acipenser ruthenus, lm lang,
im Schwarzen Meere und den größeren
Flüssen Rußlands, 3. Scherg, Scherk,
Schörgel, Acipenser stellatus, 2 m
lang, ebendaselbst, und 4. Hausen, Aci-
penser huso, bis 8 m lang und bis 160kg
schwer. Das Fleisch der größeren Sorten
gleicht dem Kalbfleische und wird beson-
ders in Rußland von allen Schichten des
Volkes genossen. In erster Linie gilt das
Fleisch des Sterlet als große Delikatesse.
Der S. liefert die Hauptmenge des Kaviars
und in seinen Sehnen auch Material zu Peit-
schen und Treibstöcken. — Zoll: Frische S.
sind zollfrei; geräuchertes Störfleisch s. Tarif
Nr. 117; Kaviar Nr. 118.

Storax (lat. Storax, Styrax liquidus, Bal-
samum storacis, frz. Styrax liquide, engl.
Liquid storax). Dieser Artikel des Drogen-
handels gehört zu den Balsamen und ist
das Produkt eines in Kleinasien und Syrien
wachsenden und wälderbildenden stattlichen
Baumes aus der Familie der Hamameli-
daceen, Liquidambar orientalis. Zur
Gewinnung des S. entschälen die Sammler die
Bäume zur Hälfte, schaben die innere lockere
Rinde ab und pressen sie in pferdehaarenen
Säcken aus. Ergibt das Pressen nichts mehr,
so wird heißes Wasser auf die Säcke ge-
gossen und weiter gepreßt, oder man kocht
auch wohl ohne vorhergegangene Pressung
die abgeschabte Masse mit Wasser und nimmt
den an die Oberfläche tretenden Balsam ab.
Die Ware wird von den Sammlern nach
Smyrna, Konstantinopel, Syra und Alexandria
gebracht, von wo sie in Fässern oder Ka-
nistern nach Europa gelangt. Im Orient selbst
wird sehr viel davon verbraucht. Der Balsam
ist im frischen Zustande zähflüssig wie Ter-
pentin, grau oder graugrünlich von Farbe,
durch beigemischtes Wasser getrübt und wird
in der Regel noch mit einer Schicht Wasser
bedeckt in den Handel gebracht. Der Ge-
ruch ist stark und vanilleähnlich, der Ge-
schmack würzhaft und brennend scharf. Al-
kohol, Äther, Essigäther, Methylalkohol, Eis-
essig, Azeton und Amylalkohol lösen den S.
fast vollständig mit brauner Farbe. Das spez.
Gew. beträgt 1,112—1,115. Der Aschengehalt
soll 1%, der Wassergehalt 30% nicht über-
steigen. S. enthält außer Harz Styrazin,
Styrol, Zimtsäure, Vanillin und mehrere
Zimtsäureester. Er wird häufig durch Ter-
pentin, Kolophonium und fette Öle verfälscht
und dient medizinisch als beliebtes Mittel
gegen Krätze und ähnliche Hautkrankheiten.
Da die Originalware oft mit Holz- und Rinden-
stücken versetzt ist, verwendet man in der
Medizin eine gereinigte Ware (lat. Styrax
depuratus, frz. Styrax purifiö, engl. Prepared
storax). Zu ihrer Herstellung löst man den S.
in Weingeist, filtriert und destilliert den Wein-
geist wieder ab. Die so gereinigte Ware ist
eine sirupdicke Flüssigkeit von dunkelbrauner
Farbe. — Die rohe Ware wird hauptsächlich
zu Räuchermitteln und Parfümerien, Räucher-
spezies, Ofenlack und Räucherkerzen ver-
wendet und in weingeistiger Lösung vielen ge-
mischten Parfüms zugesetzt, um ihren Ge-
ruch haltbarer zu machen. — Als fester S.
(lat. Styrax solidus seu calamitus) finden sich
braune, bröckelige Massen im Handel, welche
den Storaxgeruch haben und ebenfalls zu
Räuchermitteln dienen. Ursprünglich bestand
diese Ware aus den wohlriechenden Rinden-
rückständen von der Balsamgewinnung, wäh-
rend sie jetzt vielfach ein Gemisch von Säge-
spänen mit S. und anderen Riechstoffen, das
erst in Triest zusammengeknetet wird, dar-
stellt. — Ein anderer, von dem vorigen ganz
verschiedener Baum oder baumartiger Strauch
aus dem südlichen Europa und dem Orient,
Styrax officinalis, liefert einen S. in
Körnern oder Tränen, der aber nur noch