﻿Strachino-Käse

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Sturmhut

selten im Handel vorkommt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 97.

Strachino-Käse, ein italienischer Käse,
wird in ähnlicher Weise wie der Gorgonzola
aus Vollmilch oder aus Vollmilch mit Rahm-
zusatz hergestellt und enthält nach König:
38,01 % Wasser, 23,39% Stickstoffsubstanz,
34,04% Fett und 4,70% Asche. — Zoll:
S. Tarif Nr. 135.

Strontium, ein dem Kalzium nahe ver-
wandtes metallisches Element, findet sich in
der Natur nicht gediegen, sondern nur in
Form von Verbindungen, hauptsächlich als
Karbonat im Strontianit und als Sulfat im
Zölestin. Es hat das spez. Gew. 2,400, das
Atomgewicht 87,500 und zersetzt Wasser wie
met. Natrium. Die Verbindungen des S.,
welche in der Medizin und Technik viel-
fache Anwendung finden, werden aus dem
natürlichen Zölestin durch Glühen mit Kohle
und durch Behandlung des entstehenden
Schwefelstrontiums mit Säuren, oder durch
Auflösen von Strontianit dargestellt. Sie
stehen ihrem chemischen Verhalten nach
zwischen dem Kalzium und Baryum, geben
mit Schwefelsäure, aber nicht mit Kalium-
chromat oder Kieselfluorwasserstoffsäure,
Niederschläge und färben die Flamme des
Bunsenbrenners purpurrot. Das Strontium-
oxyd entsteht durch Erhitzen des Nitrates
oder durch starkes Glühen von Strontianit
und geht bei Behandlung mit Wasser, analog
dem Löschen des Kalkes, in Strontium-
hydroxyd über, welches zur Entzuckerung
der Melasse nach dem sog. Strontianver-
fahren benutzt wird. Das Strontium-
chlorid wird durch Auflösen von Strontianit1
in Salzsäure und Eindampfen in Form farb-
loser Kristalle dargestellt. Es löst sich leicht
in Alkohol und dient zur Erzeugung purpur-
roter Spiritusflammen. Das Azetat, Nitrat
und Chlorat finden in der Feuerwerkerei, das
Bromid, Jodid und Laktat in der Medizin,
hauptsächlich gegen Nieren- und Herzkrank-
heiten Anwendung. — Zoll: Strontian, Zö-
lestin s. Tarif Nr. 232. Strontianit Nr. 227.
Strontiansalze, künstliche, Nr. 314.

Strontiumnitrat (Salpetersaures Stron-
tium, Strontium-Salpeter, lat. Strontium
nitricum, frz. Nitrate de Strontium, engl.
Strontium nitrate) entsteht beim Auflösen von
Strontiumkarbonat (Strontianit) oder Stron-
tiumsulfid, durch Glühen von gepulvertem
Zölestin mit Kohle dargestellt, in verdünnter
Salpetersäure. Es kristallisiert aus verdünnten
kalten Lösungen mit 4 und 5 Molekülen
Kristallwasser, aus heißen konzentrierten Lö-
sungen aber wasserfrei, und ist in 5 Teilen
kaltem, l/ä Teil siedendem Wasser, nicht aber
in Alkohol löslich. Das wasserfreie Salz wird
zur Herstellung von Rotfeuer, Leuchtkugeln
und anderem Feuerwerk benutzt. Zur Ver-
hinderung von Wasseranziehung muß es in
gut verschlossenen Behältern verwahrt wer-
den. — Zoll: S. Tarif Nr. 314.

Strophanthussamen (lat. Semen strophan-
thi, frz. Semences de strophanthus, engl.
Strophanthus seeds), ein in den letzten Jahr-

zehnten in Aufnahme gekommener Artikel
des Drogenhandels, findet sich in mehreren
Sorten im Handel, die von verschiedenen
Arten der zu den Apocyneen gehörigen
Gattung Strophanthus abstammen. 1. Die
von dem Deutschen Arzneibuche aufgenom-
menen graugrünen Samen aus Ostafrika,
auch Combd- oder Kombösamen genannt,
von Strophanthus Kombd. 2. Die Samen von
Strophanthus hispidus, auch braune S.
genannt, von der Westküste Afrikas aus dem
Nigergebiet. — Die Samen der strauchartigen
Klettergewächses sind 12—18 mm lang und
3—5 mm breit und befinden sich in einer
Kapselfrucht von 20—40 cm Länge. Die
Samen sind graugrün oder braun und tragen
zahlreiche Haare, die sich an der Spitze zu
einem Haarschopf vereinigen. Der innere
Kern ist gelblich, der Geschmack bitter. Der
wirksame giftige Bestandteil ist ein Gluko-
sid, das Strophanthin, welches in weißen
Kristallen im Handel ist. Verwendet werden
die S. medizinisch, ähnlich der Digitalis, bei
Herzkrankheiten. — Zoll: S. ist zollfrei.

Strychnin (lat. Strychninum, frz. Strych-
nine, engl. Strychnin), ein in den Krähen-
augen (s. d.) und deen Ignatiusbohnen (s.
d.) enthaltenes sehr giftiges Alkaloid, wird
entweder als weißes Pulver, durch Fällung er-
halten, oder in Form weißer, prismatischer
Kristalle in den Handel gebracht. Obgleich
es in Wasser kaum löslich ist, besitzt es
intensiv bitteren Geschmack. In kochendem
wasserhaltigen Alkohol ist es löslich, dagegen
nicht in absolutem A. Das reine S. (lat.
Strychninum purum) wird in der Regel
nicht verwendet, sondern gewöhnlich durch
das salpetersaure S. (Strychninnitrat,
lat. Strychninum nitricum) ersetzt. Man
erhält dieses Salz in ebenfalls äußerst bitter
schmeckenden, farblosen Kristallen, die in
Wasser viel leichter löslich sind, als das reine
Alkaloid. Das salpetersaure S. dient zur
Tötung schädlicher Raubtiere und giftiger
Schlangen, sowie zur Herstellung des Gift-
weizens oder Strychningetreides zur Ver-
tilgung der Feldmäuse und Hamster, medi-
zinisch wird es nur wenig und in sehr kleinen
Dosen verordnet. Das gleiche gilt von den
übrigen Strychninsalzen S. aceticum, S.
arsenicicum, S. hydrojodicum, S. mu-
riaticum. -— Zollfrei.

Sturmhut (Eisenhut), eine stark giftige
Gebirgswaldpflanze, Aconitum Na-
pellus L., gehört zu den Ranuncula-
ceen und bildet viele verschiedene Arten,
die man in blaublühende und gelbblühende
einzuteilen pflegt. Sie haben handförmige,
5—7 teilige Blätter und große, stark besetzte
Blütenrispen, deren Kelche wie die Blüten
gefärbt sind. Die frischen Blätter geben zer-
rieben einen widerlichen, betäubenden Geruch
von sich und schmecken erst bitterlich, dann
anhaltend brennend scharf. Schärfer und gif-
tiger noch als die Blätter sind die Wurzel-
knollen (lat. Tubera aconiti, frz. Racine
d’aconit, engl. Aconite root), die daher in
den neueren Arzneibüchern auch den Vorzug