﻿Succus

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Süßholz

erhalten haben, während man sich früher an
die Blätter (lat. Folia aconiti, frz. Feuilles
d’aconite, engl. Aconite leaves) hielt. Die
Wurzel besteht aus einer rübenförmigen
Knolle von 4V2—9 cm Länge und oben 2 bis
3V2 cm Dicke und bildet in der Vegetations-
periode neben sich eine zweite Knolle, die
im künftigen Jahre das Leben der Pflanze
fortsetzt, während die erstere eingeht. Daher
finden sich in der Regel die Knollen zu
zweien zusammenhängend, eine jüngere, die
schwer und fest, innen weißlich und von Stärke-
mehl erfüllt ist, und eine ältere, die leichter,
innen bräunlich, oft lückig oder hohl er-
scheint. Man sammelt die Wurzelknollen von
Aconitum Napellus L., während die Blät-
ter vielfach von anderen blaublühenden Arten
genommen werden. Die Pflanze wächst in
den Gebirgen und Voralpen des südlichen
Deutschlands in Menge wild. Außerdem kom-
men aus dem fernen Asien zwei Arten A.
in den Handel. Die eine derselben von Aco-
nitum ferox, vom Fuße des Himalaya, die
weit größer ist und viermal soviel an wirk-
samen Bestandteilen enthalten soll, heißt in
ihrer Heimat auch Bitsh, Bish = das Gift,
und wird von den Eingeborenen zur Bereitung
des Pfeilgiftes benutzt. Eine japanische
Art Akonitwurzeln (Tsaou-woo), die sich
durch ganz besondere Giftigkeit auszeichnet
und von Aconitum japonicum abstammt,
darf anstatt der gewöhnlichen nicht verwendet
werden. Sie dient in Europa lediglich zur
Darstellung des Akonitins, das neben einem
besonderen Alkaloid, Japakonitin reichlich
in ihnen enthalten ist. Verwendung finden
die Akonitwurzeln in der Medizin als Aus-
zug; Extrakt und Tinktur, z. B. bei Ge-
lenkrheumatismus, Neuralgie usw., doch ver-
ordnet der Arzt der sicheren Wirkung halber
meist das Akonitin (s. d.). — Zoll; Sturmhut-
wurzeln und -blätter sind zollfrei.

Succus ist die lateinische Bezeichnung für
Saft, oder, wenn eingedickt (Succus inspis-
satus), Mus. Im Handel finden sich ge-
wöhnlich folgende Säfte: S. citri, Zitronen-
saft, S. dauci, Möhrensaft, S. ebuli, Attich-
mus, S. juniperi, Wacholdersaft, Wacholder-
mus, S. liquiritiae seu glycyrrhizae, Lakritzen-
saft. — Vergleiche wegen der näheren Be-
schreibung die betreffenden Artikel.

Sudan. Diesen Namen führen verschiedene
Teerfarbstoffe: Sudan I, ein ziegelrotes,
in Alkohol lösliches Pulver, dient zum Färben
von Spirituslacken und besteht aus Anilin-
azobetanaphtol. — Sudan II, ein braun-
rotes, in Wasser unlösliches, in Alkohol lös-
liches Pulver, wird wie S. I verwandt und
besteht aus Xylidinazobetanaphtol. — Su-
dan III, ein braunes Pulver, ist in Wasser un-
löslich, in Alkohol löslich und besteht aus
Amidoazobenzolazobetanaphtol. — Sudan G,
ein braunes Pulver, welches in heißem Wasser
teilweise mit gelber Farbe, leichter in Al-
kohol löslich ist, besteht aus Metadioxyazo-
benzolanilinazoresorzin. — Sudanbraun, ein
braunes, in Wasser nicht, wohl aber in Al-
kohol lösliches Pulver, wird zum Färben von

Seifen verwendet und besteht aus Alpha-
naphtylaminazoalphanaphtol. — Sudanrot
ist identisch mit Magdalarot (s.	d.).	—

Zollfrei.

Süßholz (Süßholzwurzel, lat. Radix li-
quiritiae seu Radix glycyrrhizae, frz. Racine
de rüglisse, engl. Liquorice root) stammt von
Glycyrrhiza-Arten, welche im Mittelmeer-
gebiet, in Südosteuropa und Vorderasien hei-
misch sind und in einer ganzen Reihe von
Ländern, hauptsächlich Spanien, Südfrank-
reich, Süddeutschland, Italien, Ungarn, Mäh-
ren, Südrußland, China und Nordamerika kul-
tiviert werden. Im Handel unterscheidet man
besonders zwei Sorten, das spanische und
das russische S. Die Süßholzpflanze ge-
hört zu der Familie der Schmetterlings-
blütler und ist in den oberirdischen Teilen
krautig. Die Blätter sind unpaarig, 5—8 fach
gefiedert und die Fieder stachelspitzig, die
Blütentrauben kürzer als die Blätter, die
Hülsen wenigsamig und kurz. Die Wurzel
ist ausdauernd und besitzt zahlreiche lange
Ausläufer mit schuppigen Niederblättern, aus
deren Achseln neue Schößlinge entstehen. —
Das spanische S. (lat. Radix liquiritiae
hispanica seu glabra), von Glycyrrhiza
glabra L., besteht zumeist aus Ausläufern,
während man die eigentlichen Wurzeln in
den Produktionsländern selbst auf Süßholz-
saft verarbeitet. Die Pflanze treibt einen,
bis 1 m langen und 2,5 cm dicken, senkrecht
in die Erde dringenden Hauptstamm, welcher
selten Äste, aber zahlreiche lange, horizontal
verlaufende Ausläufer hat. Diese sind hier
und da mit Stengelknospen besetzt und unter-
scheiden sich von den Wurzeln durch die
Gegenwart eines ziemlich schwachen Markes.
Das spanische S., welches nicht nur aus
Spanien, sondern auch aus Frankreich, Süd-
deutschland usw. stammt, bildet meist finger-
dicke Stäbe von 6—9 cm Länge. Außen sind
sie graubraun und runzlig, innen gelb, holzig-
faserig und sehr zähe. Das spanische S.
schmeckt süß, hintennach etwas kratzend,
kommt ungeschält in den Handel und ist
so schwer, daß es im Wasser unter-
sinkt. Von dem in Spanien selbst, gebauten
S. unterscheidet man in der Hauptsache zwi-
schen dem katalonischen S. von Tortosa und
dem S. von Alikante. Beide Sorten werden
in Ballen von 35—40 kg über französische
Häfen eingeführt. Das in Deutschland (Ge-
gend von Bamberg und Schweinfurt) und
Mähren gebaute S. ist dem in Spanien pro-
duzierten ähnlich, aber dünner und von bläs-
serem Gelb. Die deutsche Ware kommt teil-
weise, in längliche Kränze gebunden, in den
Handel, teils wird sie an Ort und Stelle auf
Extrakt verarbeitet. Das mährische Produkt
wird im Lande selbst verbraucht. Franzö-
sisches S. ist in der Regel spanische, über
Frankreich gegangene Ware, da dieses Land
selbst noch viel S. zur Extraktbereitung ein-
führt. Italienisches S. kommt nicht in den
Handel, vielmehr wird alle in Italien gebaute
Wurzel auf Extrakt verarbeitet. Unter der
Bezeichnung spanisches S. endlich geht auch