﻿Tabak

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Tabak

Deutschland (Hannover und Nürnberg), Un-
garn, Afrika und Asien angebaut und liefert
ein kräftiges Pfeifengut. 4. Jungf erntabak,
N. peniculata, aus Peru mit 3/i m hohem,
fünfeckigen, etwas filzigen Stengel und ge-
stielten, an der Unterseite rauhen und kleb-
rigen Blättern. Als weitere Sorten werden
noch angeführt der Soldatentabak, N.
glutinosa, der chinesische T., N. chi-
nensis, der Riesentabak, N. gigantea,
sowie die wenig beachtenswerten N. argen-
tifolia aus Chile und N. viscosa aus
Buenos Aires. — Anbau. Der T. verlangt
einen trocknen, tiefgründigen, humusreichen
■und kalkhaltigen Boden der Sand- und Lehm-
bodengruppe. Auf leichtem Boden wird er
milder, für Rauchgut geeigneter, auf schwe-
rem Boden besser für Schnupftabak. Auf
Tonboden wächst nur Karottengut, auf Mittel-
boden das beste Deckblatt. Wärme mit häu-
figem, gelinden Regen oder doch feuchter
Luft (Holland mit Seeklima, Wassernähe)
sagen ihm am besten zu, während wechseln-
des Wetter, rauher Wind, Kälte und Nässe,
Trockenheit und starke Gewitter ungünstig
■wirken. Hagelschlag und Sturm schädigen
die Blätter, Trockenheit verringert den Er-
trag. Für Europa ist die Düngung und
Fruchtfolge von großer Bedeutung. Stick-
stoffreicher Dünger verschlechtert die Qua-
lität, Kali, Kalk, Asche, Kompost und Grün-
düngung verbessert sie. Die Pflanzung er-
folgt, wenn die Pflänzchen in den Saat-
beeten (Kutschen) 5—6 Blätter entwickelt
haben, je nach dem Klima vom März an,
in Deutschland im Juni. Man rechnet auf
den ha 14—16 qm Saatbeet und 0,05—0,17 kg
Samen (1 kg zu 10000—15 000 Samen), für
die in Reihen zu pflegenden Pflänzchen 20
bis 60 qcm Wachsraum. Die Pflege besteht
in mehrmaligem Behacken und Behäufeln,
wobei die Blätter nicht verletzt oder mit
Erde bedeckt werden dürfen. Anfangs muß
man die Pflanzen durch Begießen und Be-
deckung mit Moos vor dem Vertrocknen
schützen. Nach der Bildung von 8—12 Blät-
tern erfolgt das Köpfen, die Entnahme der
sonst Blüten treibenden Spitzen, darauf die
Entfernung der blattwinkelständigen Seiten-
triebe („Geizen“). Die Ernte erfolgt von
unten nach oben, je nach dem Reifen der
Blätter, wenn sie eine lichtgrüne Farbe mit
gelblichen Flecken, eine Art Marmorierung,
annehmen, schlaff herunterhängen und zäh-
klebrig werden. Die untersten Blätter, das
sog. Erd- oder Sandgut, Sandgrumpen,
Sandblatt, geben geringwertiges Rauchgut,
die mittleren das Haupt- oder Best gut, die
obersten das mittlere Gut. Zum Trocknen
werden die Blätter auf Schnüre gezogen und
in Schuppen aufgehängt. Nach 6—8 Wochen
nimmt man die jetzt gelbbraunen Blätter ab,
sortiert und bindet sie zum Verkauf an die
Fabrikanten zu 25—30 in Bündel zusammen.
Oder man glättet die Deckblätter, etwas an-
gefeuchtet, mit der Hand und schichtet sie
zu Stößen oder Docken auf, welche dann
mit Steinen gepreßt werden und so lange

zusammenbleiben, bis sie kastanienbraun oder
gelb werden. Mit dieser durch Bakterien oder
Oxydasen veranlaßten sog. Fermentation
ist eine erhebliche Temperaturerhöhung ver-
bunden, die bis zu 60° steigen kann, meist
aber bis auf 40° beschränkt wird. Zweck
der Fermentation ist die Zerstörung gewisser
Bestandteile des frischen T., welche beim
Rauchen unangenehm riechende und schmek-
kende Stoffe liefern und im Übermaß giftig
sind. Durch Anwendung besonderer, aus
gärenden Havannasorten dargestellter En-
zyme soll man sogar inländischen Erzeug-
nissen das Aroma der Edeltabake verleihen
können. Nach Beendigung der Fermentation
werden die Blätter gelüftet, wieder getrock-
net und zu Bündeln von 20—30 Stück zu-
sammengelegt. Feinere Blätter werden ent-
rippt, und die Rippen zu Schnufpftabak, Ein-
lagen oder billigem Rauchtabak verkauft. In
der Türkei vermischt man die gärenden
Blätter mit Steinklee, dessen Aroma sie an-
nehmen, in Serbien mit Honigwasser. —
Der Ertrag ist nach Lage, Boden, Dün-
gung und Jahrgang außerordentlich wech-
selnd. Man rechnet 1,5—3 dz Sandgut, 2 bis
5 dz Geize, 8—25 dz trockne Blätter und
50'—60 dz Stengel. Die größten Mengen T.
erzeugen die Vereinigten Staaten von Nord-
amerika, ferner Asien, danach Südamerika
und Afrika, zusammen etwa 1200 Millionen
Kilogramm. An der etwa 250 Mill. kg aus-
machenden europäischen Produktion sind in
erster Linie Rußland und Österreich-Ungarn,
danach Deutschland, die Türkei und Frank-
reich beteiligt. Im Jahre 1906 wurden in
Deutschland auf 14 684 ha 32,1 Mill. kg
trockner T., auf 1 ha also 22 dz geerntet.
Der Wert belief sich auf 30 Millionen Mark.
— Nach seiner chemischen Zusammen-
setzung und physiologischen Wirkung
gehört der T. zu den alkaloidischen Genuß-
mitteln. Die frischen Blätter enthalten 80
bis 88% Wasser, die trocknen Blätter im
Durchschnitt 8,14% Wasser und in der
Trockensubstanz 6,65% Protein, 0,41% Am-
moniak, 0,86% Salpetersäure, 4,50% Äther-
auszug (Fett), 0,28% Wachs, 7,70% Plarz,
8,83 % Äpfelsäure, 3,68 % Zitronensäure,
2,38% Oxalsäure, 0,31% Essigsäure, 9,49%
Pektin, 1,04% Gerbsäure, 6,12% sonstige
stickstoffreie Extraktstoffe, 11,16% Roh-
faser und 20,73% Mineralstoffe, welche haupt-
sächlich aus Kali und Kalk bestehen. Die
narkotische Wirkung des T. beruht auf seinem
Gehalte an Nikotin (s. d.), welcher in den
geringwertigen Sorten am höchsten, im Ha-
vannatabak am niedrigsten ist. Der Gehalt an
Nikotin unterliegt außerordentlichen Schwan-
kungen von 0—8% und beträgt im Mittel
etwa 2%. Durch den Fermentationsprozeß
wird ein erheblicher Teil des Alkaloides, oft
bis zur Hälfte, zerstört. Neben dem Nikotin
sind in geringen Mengen noch drei andere
Alkaloide: Nikotei'n, Nikotellin und Ni-
kotimin vorhanden. Außerdem ist an der
narkotischen Wirkung auch das Nikotianin
oder der Tabakkampfer, eine fettartige Sub-