﻿Tabak

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Tabak

stanz, beteiligt. Beim Rauchen (Verglimmen)
entwickeln sich Ammoniak, Kohlensäure,
Kohlenoxyd, Schwefelwasserstoff, Blausäure,
Pyridin und ein ätherisches Öl. Das letztere,
von dem Thoms aus 15 kg T. 6 g isolieren
konnte, siedet bei 295—315° und hat einen
kamillenähnlichen Geruch. Das Nikotin wird
zum Teil beim Glimmen zerstört oder in
Pyridine umgewandelt, gelangt aber teilweise
in unverändertem Zustande mit dem Rauche
in den Organismus. Es bildet in reinem
Zustande ein heftiges Gift und erregt Er-
brechen, Durchfall, Zittern, Muskellähmung
und Starrkrampf mit oft tödlichem Ausgange.
In der beim Rauchen auftretenden starken
Verdünnung wirkt es anregend und befähigt
zu erhöhter körperlicher und geistiger Tätig-
keit und zum leichteren Ertragen von Hunger,
Durst, Arbeit, Sorge und Gefahr. Im Über-
maß wirkt Rauchen schädlich, besonders beim
Verbrauch der unteren Zigarren enden, in
denen sich das Nikotin anhäuft. Die größte
Bedeutung für die Bekömmlichkeit hat die
Verbrennlichkeit, richtiger Verglimm-
barkeit, welche durch einen hohen Gehalt
an Kali und Nikotin, sowie durch eine feine
und dünne Struktur begünstigt wird. Weiter
kommt als Wertmesser der Geruch (das
Aroma) und der Geschmack in Betracht,
der vom Klima abhängt. Die Tabake aus
Gegenden nördlich der Weinregion, beson-
ders von schwerem Boden sind ordinär, die
aus den Tropen bevorzugt. Man unterschei-
det daher nach ihrer Herkunft folgende
Sorten: 1. Europäische T. Frankreich und
Italien verbrauchen ihre Produktion selbst.
Holland erzeugt den Amersforter, Neu-
kerker und Gelderschen T., dessen Best-
gut zu Schnupftabak und dessen Erdgut zu
Deckblättern verarbeitet wird. Deutschland
liefert Uckermärker, Pfälzer und Elsäs-
ser T. für geringwertige Zigarren. Ungarn
versendet den Debrecziner, Debröer,
Szegediner, Fünfkirchener, Garten-
blätter, Charbel, Palanke, Osegger
und Rebel als billiges Pfeifen-, Zigaretten-
und Karottengut. Die besten europäischen
T. sind die türkischen, doch gehen unter
diesem Namen auch die kleinasiatischen und
russischen T. Sie haben ein feines gelbes
Blatt, milden Geschmack, starken Geruch mit
süßlichem Nebengeschmack und wirken stark
narkotisch. Man verwendet sie in Form gold-
gelber, langer dünner Fäden hauptsächlich
für Zigaretten. 2. Asiatische T., Manila,
Java und Sumatra werden hauptsächlich
zu Zigarren verarbeitet. Ceylon, Kalkutta,
Japan und China sind ohne Bedeutung für
den europäischen Handel. 3. Amerika-
nische T., die wichtigsten und wertvollsten
Sorten, werden meist in Ballen aus Rinds-
häuten, sog. Seronen, und in Fässern ver-
sandt. Von den nordamerikanischen
Sorten werden die im Westen am meisten
angebauten und beliebten Ohio und Mary-
land zu fein gelben, aromatischen Rauch-
tabaken verarbeitet. Virginia gibt in feinen,
fetten Sorten Schnupf- und Kautabak, in den

leichteren lebhaft braunen Rauchtabak. Ken-
tucky, Carolina, Georgia, Missouri,
Tennessee geben Umblatt, Deckblatt, Ein-
lage für Zigarren; Kau-, Schnupf- und Rauch-
tabak. Seedleaf und Florida finden als
Deckblatt Verwendung. Die westindischen
T., welche am höchsten geschätzt werden, um-
fassen Havanna, Kuba für Zigarren, Do-
mingo und Portoriko hauptsächlich für
Rauchtabak. Unter den Mittel- und Süd-
amerikanischen Sorten ist der Varinas,
(Kanaster), ein sehr geschätzter Rauchtabak
in Rollen oder Bündeln, in erster Linie zu
erwähnen. Ähnliche Sorten sind Marakaibo,
St. Thomas, Cumana, Orinoko. Ko-
lumbia, Ambalema, Palmira, Girong,
Yukatan, Carmen liefern Zigarrengut,
stehen aber als Rauchgut dem Varinas nach.
Esmeralda gibt Deckblatt. Sehr fein und
wertvoll ist der Brasil. Zum Schluß ist
noch der Kamerun-T. zu erwähnen, welcher
dem Sumatra gleichstehen soll, und die be-
ginnende Kultur in Deutschguinea und Ost-
afrika. — Die Verarbeitung des T. zerfällt
in die Herstellung von Rauchtabak, Zigarren
und Zigaretten, Schnupf- und Kautabak. Der
Rauchtabak wird, geschnitten und ge-
sponnen, in Rollen (Kraus- oder Krülltabak)
verkauft. Die Verarbeitung der Blätter be-
steht in einem Entrippen und Abblatten oder
in einem Plätten der Rippen unter Walzen.
Vielfach geht auch die Behandlung mit einer
Beize oder Sauce voraus, d. s. Mischungen
von Melasse, Rosinenabkochungen, Feigen-
und Teeauszügen, Gewürzen, Kochsalz, Sal-
miak, Salpeter und anderen Salzen, durch
deren Einwirkung die Brennbarkeit erhöht
wird. Danach folgt das Schneiden oder Spin-
nen zu Rollen und das Darren. Die Zi-
g.arren bestehen aus dem Wickel, d. h. der
aus gepreßten Rippen hergestellten Einlage
mit dem unentrippten Umblatt und dem ent-
rippten Deckblatt. Sog. nikotinfreie Zigarren
werden aus extrahiertem T. oder neuerdings
auch aus mit Gerbstoff vermischtem T. her-
gestellt und heißen dann richtiger nikotin-
unschädliche Zigarren. Thoms sucht die
Schädlichkeit des Rauchens durch Einlegen
eines mit Eisenchlorid oder Ferrosulfat ge-
tränkten Wattefilters zu beseitigen, welches
die gasförmigen Destillationsprodukte teil-
weise zurückhält. Schnupftabak wird aus
den besonders fetten und schweren, schlecht
brennenden Blättern durch Behandlung mit
Saucen unter Zusatz von Tonkabohnen,
Veilchenwurzel, Rosenöl und andere Aroma-
stoffen, darauf folgender Gärung (Karottieren),
Zerreiben (Rapieren), Sieben und Sortieren
hergestellt. Zum Einwickeln benutztes Stan-
niol darf nicht mehr als l°/o Blei enthalten.
Kautabak wird aus fettem, schweren, be-
sonders Kentuckytabak, durch Saucieren,
Fermentieren hergestellt und zu fingerdicken
Rollen (Andouillen) gesponnen oder in Stan-
gen gepreßt. — Als Verfälschungen des
T. sind Zusätze von Rüben-, Kartoffel-, Wal-
nuß- und anderen Blättern beobachtet worden.
Geringe Beimischungen von Rosen-, Kirschen-