﻿Talk

485

Tamarinden

duktion geht direkt von den Fleischern oder
Schlachthöfen an die Seifensieder über. Doch
findet sich die Inlandsware auch im Handel
und wird den besseren Sorten, dem pol-
nischen, holländischen und dänischen
T. gleichgestellt und sogar etwas höher notiert
als die russische Ware. Aus Rußland kom-
men aber die größten Quantitäten, und zwar
der Schöpstalg mehr aus dem Süden, vom
Schwarzen Meer aus, der Rindertalg aus dem
Norden bis Finnland und auf Wasserwegen
tief aus dem Innern, von Archangel und
Sibirien über Petersburg und andere westliche
Häfen. England braucht neuerdings auch viel
australischen und südamerikanischen T., aus
den La Platastaaten, doch steht der letztere
sogar dem russischen nach. In Petersburg
bestehen besondere Warenhäuser für den aus
dem Inneren kommenden T. Güterbeschauer
prüfen die Waren, sortieren sie, geben den
Fässern den Qualitätsstempel und bestimmen
für jede Partie eine durchschnittliche Taxe.
Man unterscheidet weißen und gelben
Lichtertalg , ordinären und sibirischen
Seifentalg. Der gelbe Lichtertalg ist die
Primasorte und soll aus reinem oder nahezu
reinem Rindertalg bestehen. Der Seifentalg
gilt für um so besser, je fettiger und weicher
er ist. Der sibirische ist der reinste und er-
langt in der Regel höhere Preise als die
anderen Sorten. Der beste weiße Lichter-
talg kommt von Woronesch. Die Fässer, in
denen der weiße T. zugeführt wird, haben
eine eigentümliche, konische Form und an
dem einen Boden 7V2 dm, am anderen nur
41/2 dm Durchmesser. Der gelbe T. ist in
gewöhnliche Fässer verpackt. Die Schiffer,
welche T. aus Rußland holen, lagern zur
Vermehrung der Fracht gern eine Partie
Fässer frei auf Deck, doch ist dies unzweck-
mäßig, da die Sonnenwärme die Ware, sowohl
in der Menge, als in derGüte schädigt. — DerT.
dient außer den beiden Hauptverwendungen
auch in nicht geringer Menge zur Leder-
bereitung, sowie als Schmiermittel und zu
anderen Zwecken. Der von Apotheken zu
Pflastern und Salben gebrauchte T. wird nicht
dem Handel entnommen, sondern aus frischem
Rohstoff selbst ausgeschmolzen. —• Zoll: T.
von Rindern und Schafen s. Tarif Nr. 129;
pflanzlicher T. Nr. 171.

Talk (Talkstein), ein aus kieselsaurer
Magnesia mit zirka 5°/o Wasser bestehendes
Mineral, kommt in zwei Varietäten vor, einer
scheinbar amorphen, kryptokristallinischen,
Speckstein (s. d.) genannten, und einer
deutlich kristallinischen, dem gewöhnlichen
Talkstein. Letzterer ist im reinen Zustande
ganz weiß, in den meisten Fällen jedoch durch
fremde Bestandteile, namentlich Eisenoxydul,
schwach grünlich, gelblich oder graulich ge-
färbt. Er ist ein sehr weiches, großblätteriges,
in dünnen Blättchen biegsames Mineral, er-
scheint auf den frischen Bruchflächen perl-
mutterglänzend und fühlt sich eigentümlich
fettig an. T. findet sich rein weiß besonders in
denTiroler Alpen und wurde früher hauptsäch-
lich von Venezianern in den Handel gebracht

und daher Talcum venetum genannt. Der
Stoff findet vielfache Verwendung. In rein
weißer Farbe dient er zur Herstellung der
Glanztapeten, Glanzkartons und satinierter
Papiere. Weiter bildet er den Körper für
viele weiße und rote Schminken, wozu er sich
wegen siener Zartheit und Unschädlichkeit
für die Haut vorzüglich eignet, und dient auch
als Zumischung zu Körperfarben und feinen
Siegellacken. Die nicht rein weißen Sorten
werden als Poliermittel und als Erleichterungs-
mittel beim Stiefelanziehen (Rutschpulver)
verwandt. — Zollfrei.

Tamarinden (Sauerdatteln, lat. Fructus
tamarindi, frz. Tamarins, engl. Tamarinds) sind
die Schotenfrüchte eines in Ostasien hei-
mischen, aber auch in anderen heißen Län-
dern kultivierten Baumes aus der Klasse der
Leguminosen, welche nicht in ganzen
Früchten, sondern zu einer Masse einge-
stampft in Fässern zu uns kommen und daher
besser Tamarindenmus (lat. Pulpa tama-
rindorum cruda, frz. Pulpe de tamarins, engl.
Pulp of tamarinds) heißen. — Die Frucht ist
eine zusammengedrückte, an den Lagerstellen
der Samen verdickte, meist stark gekrümmte,
innen durch Querwände in 2—8 Fächer ab-
geteilte Schote. In jedem Fache liegt ein
flacher, glänzend rotbrauner, hartschaliger
Samenkem. Die Fruchtschale ist holzig, dünn
und zerbrechlich. Die Samenfächer enthalten
außer den Kernen ein schwarzbraunes, ange-
nehm sauer und etwas herb schmeckendes
Mus, welches den nutzbaren Stoff bildet. Die
in Deutschland allein offizinelle Ware kommt
aus Ostindien, meist von Bombay, in Fässern
von einigen Zentnern Inhalt zu uns. Sie be-
steht aus dem Marke mit Samen, während die
Hülsen größtenteils entfernt sind. Gute Ware
soll schwarz, nicht fuchsig aussehen, nicht zu
viel Samenkerne enthalten und angenehm
sauer schmecken. Das Tamarindenmus dient
als ein kühlendes, gelind abführendes Mittel
und wird für den Gebrauch nochmals ge-
reinigt, indem man es mit heißem Wasser
anrührt, durch ein feines Sieb reibt, mit
Zucker versetzt und in der Wärme wieder
eindickt. Man bezeichnet es im Handel als
gereinigtes Tamarindenmus (lat. Pulpa
tamarindorum depurata). Der saure Ge-
schmack der Droge rührt von ihrem Gehalt
an Weinstein, freier Wein- und Zitronensäure
her. —- Die levantische oder ägyptische
T. bildet feste Kuchen von V2 kg Gewicht und
sehr unreiner Masse. Die westindische in
Fässern, welche in Frankreich und England
offizinell ist, bildet eine hellbraune, süß und
zusammenziehend schmeckende Masse. Weil
in Westindien die reifen und von den Hülsen
befreiten Früchte in Fässer geschichtet, und
diese schließlich mit kochendem Sirup _ auf-
gefüllt werden, so ist diese Masse viel weicher
als die ostindische Ware. — Die T. finden,
außer der medizinischen Verwendung als Ab-
führmittel, auch in Form von Konserven,
noch Verwendung in der Tabakfabrikation zu
Tabaksaucen. Hierzu benutzt man zum Teil
die ägyptische und die süße westindische