﻿Tee

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Teer

wickelt, ein Teil des Gerbstoffs zerstört und
die grüne Farbe in schwarz umgewandelt. Die
Abfälle, Zweigspitzen und Stengelteile wer-
den, ev. unter Zuhilfenahme von Gummi,
Blut oder anderen Bindemitteln zu Back-
stein- oder Ziegeltee, Bruchtee, Wür-
fe ltee oder Lügentee zusammengepreßt.
Zur Aromatisierung werden bisweilen Zusätze
von wohlriechenden Blättern und Blüten ge-
macht. — Von den zahlreichen Sorten des
Chinesischen T. gehören zum schwarzen
T. der aus den jüngsten Zweigspitzen mit
noch nicht völlig entfalteten, silberhaarigen
Blättern bestehende Pekko, ferner der
Kongo oder Concho mit 3—8 cm langen,
li/2—2 cm breiten, braunen bis braunroten
Blättern, Souchong mit ausgewachsenen,
5 cm langen und bis 2 cm breiten bräunlichen,
ins Violette spielenden Blättern, und Kapern-
concho, Kaperntee, die geringste Sorte
des schwarzen T. Die feinste Sorte des grü-
nen T., der Haysan aus bläulichgrünen,
zylindrisch, nicht spiralig gerollten, seiden-
haarigen Blättern zerfällt in die beste Sorte
Junghaysan und die geringere Haysan-
skin. Auslese ist der Kaisertee, Imperial,
Gunpowder, der zu Körnchen geformt in
den Handel kommt. Tonkay oder Twan-
kay bildet die Mittelsorte, Perl- oder Pul-
vertee die geringste. Weiter kommt aus
China noch sog. gelber Tee (Blumentee),
welcher in analoger Weise wie der grüne
hergestellt, aber im Schatten getrocknet wird.
Er umfaßt den gelben Oolong, den gelben
Mandarinen- und Karawanentee. Ganz
ähnliche Erzeugnisse werden neuerdings in
steigenden Mengen aus Ceylon, Ostindien und
Java eingeführt. Sie besitzen einen kräftigeren
Geschmack als der chinesische Tee, aber ein
weniger feines Aroma. Als wirksame B e-
standteile enthält der T. vor allem Kaffein
(Teein), dessen Menge zwischen 1 und 5°/o
schwankt und im Mittel 2,6 % beträgt.
Am reichsten an diesem Stoffe sind die
besseren schwarzen und die geringeren
grünen Sorten. Die Feinheit des T. wird
aber nicht durch das Kaffei'n, sondern durch
das in Menge von 1/2—1% vorhandene
ätherische Öl verursacht. Der zusammen-
ziehende Geschmack wird durch Gerbstoff
bedingt, welcher im frischen Teeblatt etwa
20—25°/o, im grünen T. zirka 16—18% und
im schwarzen 10—12% ausmacht. Um nicht
zu herbe Aufgüsse zu erhalten, empfiehlt es
sich daher, den T. mit heißem Wasser nicht
zu lange, sondern nur bis zur hellgelben
Farbe ziehen zu lassen. Von anderen Stoffen
enthält der Tee noch 20—40% Protein, 3 bis
15% Fett, Chlorophyll, Wachs und Harz,
9—15% Rohfaser und erhebliche Mengen,
4—8%, Mineralstoffe, die durch einen hohen
Mangangehalt charakterisiert sind. Wegen sei-
nes Gehaltes an Kaffei'n wirkt der T. anregend
auf Nerven und Gehirn, erregt aber im Über-
maß Schlaflosigkeit, Zittern und Abspannung.
Der hohe Preis des T. veranlaßt zahlreiche
Verfälschungen. Beimischungen von frem-
den Blättern: Weiden (Kanton-T.), Weiden-

röschen (Russischer, Ktoporischer, Iwan-
tee), Schlehen, Erdbeeren, Eschen, Ulmen,
Holunder, Rosen, Johannisbeeren (W ar-
schauer T.), Steinsamen (Böhmischer,
Kroatischer T.) und zahlreichen anderen,
sind beobachtet worden und wegen der cha-
rakteristischen Zähne, Idioblasten und Ge-
samtform leicht zu erkennen. Vielfach werden
schon gebrauchte Blätter von neuem gerollt
und mit Zuckercouleur, Berlinerblau, Blei-
chromat, Katechu, Blauholz, Indigo, Graphit
und anderen Stoffen aufgefärbt. Als Verfäl-
schung ist auch die Beimischung minder-
wertiger Sorten zu guten zu betrachten. Die
Untersuchung erstreckt sich auf die Bestim-
mung des Wassergehaltes (8—12%), der Asche
(mindestens 3, höchstens 8%, davon 50% in
Wasser löslich), des wäßrigen Extraktes (30
bis 40%, mindestens 24%), des Teei'ns (1%).
Ein Mittel zur Vorprüfung auf extrahierte
Blätter bietet die Erhitzung zwischen zwei
Uhrgläsern, wobei Kaffei'n sublimieren muß.
Die Aufbewahrung des T. muß in gut
verschlossenen Gefäßen bei Lichtabschluß er-
folgen, da er leicht Gerüche anzieht und bei
Feuchtigkeit modrig wird. — Zoll: S. Tarif
Nr. 65; T. zur Kaffeinfabrikation unter Kon-
trolle zollfrei.

Teer (lat. Pix, frz. Goudron, engl. Tar).
Diesen Namen führen alle Produkte der
trockenen Destillation organischer Körper,
welche eine ölige, mehr oder weniger dick-
flüssige, zähe Beschaffenheit und eine braune
bis schwarze Farbe haben. Sie mischen sich
nicht mit Wasser und besitzen meist einen
unangenehmen Geruch. Häufig bildet der
Teer ein Nebenprodukt, wie bei der Fabri-
kation von Leuchtgas und Holzessig. Viel-
fach wird die Destillation aber auch nur zum
Zwecke der Teergewinnung ausgeführt, wie
z. B. beim Schwelen der Braunkohlen. Der
Teer ist keine einheitliche Substanz, sondern
ein Gemisch zahlreicher verschiedener Stoffe,
deren Art und Menge in den einzelnen Teer-
sorten großen Schwankungen unterliegt.
Selbst in ein und derselben Teerart, z. B. im
Steinkohlenteer, kann das Mengenverhältnis
der einzelnen Bestandteile außerordentlich
wechseln, je nach der Qualität der Kohle, der
Art des Betriebes und besonders der Tempe-
ratur und Dauer der Destillation. Im Handel
unterscheidet man hauptsächlich folgende
Teersorten: 1. Der Holzteer (Vegetabi-
lischer Teer, lat. Pix liquida, frz. Goudron
vögötal, engl. Vegetable tar) ist schwarz bis
dunkelbraun und schwerer als Wasser, be-
sitzt einen lang anhaltenden, durchdringenden
Geruch und scharfen, bitteren Geschmack,
brennt mit leuchtender, rußender Flamme,
und löst sich völlig in Alkohol, hingegen nur
teilweise in Äther und Terpentinöl. Das spez.
Gew. beträgt ungefähr 1,060. Zurzeit wird
der Holzteer meist als Nebenprodukt bei der
Holzessigfabrikation, sowie in denjenigen Gas-
anstalten, welche noch Holz verarbeiten, ge-
wonnen. Doch stellt man ihn in holzreichen
Gegenden auch noch nach alter Art in Teer-
schwelereien dar. Schon bei der gewöhn-