﻿Teer

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Teigwaren

liehen Meilerverkohlung läßt sich etwas Teer
gewinnen, wenn aus dem Inneren ein
schräg abfallendes Gerinne in ein verdeck-
tes Sammelgefäß geleitet wird. Bei der
eigentlichen Teerschwelerei benutzt man ge-
wöhnlich Kienholz, harzige Wurzeln, Stöcke
und Rinden, so daß die übrig bleibenden
Kohlen von geringer Qualität sind. Doch
schwelt man bisweilen auch andere Hölzer
und schätzt namentlich den Buchenholz-
teer als eine bevorzugte Sorte. Das zuerst
abfließende, dünnere und flüssige Destillat
(weißer T.) sieht bräunlich oder gelblich
aus, schwimmt auf Wasser und wird meistens
verwendet, um daraus Kienöl abzudestillie-
iren, wobei als Rückstand weißes Pech
hinterbleibt. Die mittlere, etwas dunklere
Sorte ist der Rad- oder Wagenteer. Der
letzte, dickste, schwarzbraune und am übel-
sten riechende schwarze oder Schiffs-
teer (lat. Pix navalis) dient zum Tee-
ren des Tauwerks und Kalfatern hölzerner
Schiffe. Der Holzteer besteht aus Phenol,
Kresol, Phlorol und ähnlichen Körpern, ferner
Brenzkatechin, Zedriret, einigen flüssigen
Kohlenwasserstoffen, etwas Paraffin und stick-
stoffhaltigen öligen Basen. Der Birkenteer
(lat. Oleum betulinum seu rusci, frz. Goudron
de bouleau, engl. Birch tar), der in Rußland
in großer Menge erzeugt und zur Herstellung
des Juchtenleders verwendet wird, und der
Buchenteer sind durch einen höheren Gehalt
an Guajakol charakterisiert. Medizinisch
wird B. bei Hautkrankheiten, sowie als Ein-
reibungsmittel gegen Gicht und Rheumatis-
mus angewandt. — 2. Torf teer (frz. Goudron
de tourbe, engl. Turf tar) gleicht dem aus
harzarmen Hölzern gewonnenen Holzteer,
z. B. dem Buchenholzteer, ist aber weniger
geschätzt, als der aus harzreichen Hölzern be-
reitete Holzteer. Man erhält aus gutem Torf
6—90/0 T. — 3. Braunkohlenteer, Berg-
teer (lat. Pix carbonis, frz. Goudron de lig-
nite, engl. Wood coal tar). Obschon jede
Braunkohle T. liefert, benutzt man doch zur
Paraffingewinnung nur diejenigen Sorten,
welche reich an Pyropissit (vgl. Paraffin)
sind. Der Braunkohlenteer ist eine dicke,
dunkelbraune, übelriechende Flüssigkeit und
enthält nur wenig Kresol und Phenol, dagegen
hauptsächlich Paraffin und flüssige Kohlen-
wasserstoffe der verschiedensten Art. Die
leichter flüchtigen Bestandteile werden unter
dem Namen Photogen, die schwerer flüch-
tigen als Solaröl verkauft. Der Rückstand
von der Destillation des Braunkohlenteers
ist der B raunkohlenasphalt oder das
Braunkohlenteerpech. Die Ausbeute an
Braunkohlenteer ist sehr verschieden und
schwankt zwischen 6 und 25 °/o. — 4. Der
Steinkohlenteer (lat. Pix lithanthracis seu
carbonis, frz. Goudron d’houille, engl. Coal
tar) wird in bedeutenden Mengen bei der Er-
zeugung von Leuchtgas aus Steinkohlen als
Nebenprodukt gewonnen und bildet das Aus-
gangsmaterial zur Gewinnung zahlreicher
wertvoller Bestandteile. Er ist eine dicke,
schwarze, klebrige, stark betäubend riechende

Flüssigkeit, schwerer als Wasser und mit
diesem nicht mischbar. Die wichtigsten im
Steinkohlenteer enthaltenen Stoffe sind: Ben-
zol, Toluol, Xylol, Kumol, Cymol, Phenol,
Kresol, Anilin, Toluidin, Xylidin und ähn-
liche Basen, endlich Naphtalin, Anthrazen,
Chrysen, Diphenyl, Fluoren, Phenanthren,
Fluoranthren, Pyren u. a. Der bei der De-
stillation des Steinkohlenteers hinterbleibende .
Rückstand erstarrt beim Erkalten zu einer
harten, schwarzen Masse von muscheligem
Bruch, dem Steinkohlenteerpech oder
Steinkohlenasphalt, dem Material zur
Herstellung von Dachpappen und Asphaltfuß-
böden. —• 5. Animalischer Teer (Tieri-
scher Teer, Franzosenöl, Hirschhorn-
öl, lat. Oleum animale foetidum, frz. Huile
animale, engl. Animal oil) wird durch trok-
kene Destillation von Knochen, Haut, Leder,
Horn und anderen tierischen Abfällen ge-
wonnen. Er bildet eine außerordentlich übel-
riechende, dunkelbraune, ölige Flüssigkeit,
welche eine große Zahl stickstoffhaltiger or-
ganischer Basen und Kohlenwasserstoffe ent-
hält. Man verwendet das Tieröl in der Vete-
rinärmedizin gegen Räude der Schafe, zum
Fernhalten von Insekten in der heißen Jahres-
zeit, zum Vertreiben von Hamstern, Kanin-
chen usf. Die aus dem Tieröl durch Rekti-
fikation erhaltenen leichter flüchtigen Teile
bilden eine gelbliche, an der Luft sich dunkler
färbende Flüssigkeit, welche unter dem Namen
Dippels Öl, gereinigtes Tieröl (lat.Oleum
animale aethereum, Oleum animale Dippelii,
frz. Huile animale volatile ou Huile de Dippel,
engl. Volatil animal oil) medizinisch als
krampfstillendes Mittel Verwendung findet.
— Zoll: Bergteer s. Tarif Nr. 239; Birken-
teer, Braunkohlenteer, Holzteer, Torfteer
Nr. 243, Steinkohlenteer Nr. 244; Tieröl
Nr. 352, ätherisches Tieröl: 30 M. Teeröle
s. Tarif Nr. 239. 245. 352.

Teigwaren. Unter diesem Namen faßt
man eine ganze Reihe von Erzeugnissen, wie
Nudeln, Makkaroni, Gräupchen und Suppen-
einlagen zusammen, welche ursprünglich in
Italien (Makkaroni) hergestellt wurden, jetzt
aber auch in Deutschland von zahlreichen
Fabriken in großen Mengen, ungefähr
500000 dz für mehr als 25 Millionen Mark
in den Verkehr gebracht werden. Die sehr
einfache Fabrikation besteht im Prinzipe darin,
daß man einen mit Hilfe von Weizenmehl
oder -grieß (Hartweizen) und Wasser oder
Eiern hergestellten Teig entweder dünn aus-
walzt und in Streifen schneidet oder durch
besondere Maschinen in Faden- oder eine
andere Form preßt und dann bei erhöhter
Temperatur trocknet. Nach der Form unter-
scheidet man hauptsächlich Band-, Faden-,
Röhren- oder Schnittnudeln, Perlgräupchen,
Sternchen, Hörnchen und Tierformen. Wich-
tiger ist die Unterscheidung nach der Art des
Ausgangsmaterials in Wasserteigwaren
und Eierteigwäre n, von denen die ersteren
aus einem Teig von Mehl und Wasser, die
letzteren aus einem Gemisch von Mehl und
Eiern hergestellt werden. Zwischen den bei-