﻿Tellur

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Terpentin

den Endgliedern dieser Reihe finden sich
zahlreiche Übergangsstadien aus Mehl, Wasser
und geringen Eierzusätzen, auch wird an
Stelle des ganzen Eiinhalts vielfach getrock-
netes oder auf andere Weise konserviertes
Eigelb verwandt. Im Hinblick auf den Um-
stand, daß viele sog. Eierteigwaren des Han-
dels nur verschwindend geringen oder gar
, keinen Eigehalt aufwiesen, durch künstliche
Auffärbung mit gelben Teerfarben aber den
Anschein einer Normalware besaßen, erschien
es zweckmäßig, den Begriff der normalen
Beschaffenheit, insbesondere einen Mindest-
gehalt von Eiern, festzulegen. Die Ansichten
über die erforderliche Menge gehen zurzeit
noch auseinander. Während die Fabrikanten
ursprünglich einen Mindestgehalt von 75 Eiern
für den Zentner Mehl als erforderlich, später
aber auch 50 und 30 Eier als ausreichend
bezeichneten, ja schließlich sogar jede Be-
grenzung ablehnten, vertreten die Nahrungs-
mittelchemiker die Ansicht, daß Eiernudeln
mindestens 400 Eier auf 100 kg Mehl ent-
halten müssen. Die sächsischen Nahrungs-
mittelchemiker haben sich für eine Normierung
auf 100 Eier für 1 Ztr. Mehl ausgesprochen.
Die weitere Forderung, daß eine künstliche
Färbung zu deklarieren sei, wird auch von
den Fabrikanten anerkannt. Die Feststellung
des Eigehaltes in Nudeln stützt sich auf die
Ermittlung der charakteristischen Bestand-
teile des Eigelbs: Lut ein (Eifarbstoff), Cho-
lesterin, Lezithin und Fett, sie bietet aber
gewisse Schwierigkeiten, weil mit längerer
Aufbewahrung eine Veränderung der Ei-
substanz verbunden ist. Abgesehen von dem
Eigehalte stellt man an die T., welche ein
wertvolles Nahrungsmittel für den Massen-
konsum darstellen, die Forderung, daß sie
keine anderen Mehle als Weizenmehl ent-
halten, beim Kochen nicht zerfallen und keine
trübe oder sauer reagierende Brühe liefern.
— Zoll: S. Tarif Nr. 200.

Tellur, ein dem Schwefel und Selen nahe
verwandtes Element vom Atomgewicht 127,
findet sich in der Natur nur selten, und zwar
entweder gediegen oder in Verbindung mit
Gold und Silber im Schrifterz oder mit Blei
und Silber im Tellurblei. Die wichtigsten
Fundorte sind in Siebenbürgen, im Altai und
vulkanische Gebilde der liparischen Insel Vul-
kano. Praktische Verwendung findet nur das
t'ellursaure Kalium (Kaliumtellurat, lat.
Kalium telluricum), ein in wasserlöslichen
Nadeln kristallisierendes Salz, welches zur
Verhinderung des Nachtschweißes von Phti-
sikern medizinisch benutzt wird. Bei längerem
Gebrauche des Mittels, welches keinerlei un-
angenehme Nebenwirkungen zeigt, nimmt der
Atem einen knoblauchartigen Geruch an. —
Zoll: Als Arzneimittel s. Tarif Nr. 388.

Tereben, eine gelbliche, bei 160° C sie-
dende, ölige Flüssigkeit, die an Stelle des
Terpentinöls medizinische Anwendung findet,
wird durch wiederholte Destillation von Ter-
pentinöl oder anderen Terpenen mit etwas
konzentrierter Schwefelsäure dargestellt. Es
ist nicht, wie früher angenommen wurde,

eine einheitliche Verbindung, sondern ein
Gemisch mehrerer Kohlenwasserstoffe. —
Zollfrei.

Terpentin (lat. Terebinthina, frz. Türeben-
thine, engl. Turpentine). Diesen Namen führen
die dickflüssigen Harzausflüsse der Nadel-
bäume, Koniferen, in frischem, durch
Lufteinwirkung noch nicht verändertem Zu-
stande. Sie sind dann Gemische von Harz
und ätherischem Öl und gehören somit zu
den Balsamen. Beim Eintrocknen an der
Luft entweichen die flüchtigen Bestandteile
allmählich, und es bleibt nur Harz (vgl. Fich-
tenharz) übrig. Die Harzbäume sammeln
diese natürlichen Ausscheidungen entweder
zwischen Holz und Rinde oder in besonderen
Hohlräumen an, welche durch die ganze Holz-
masse des Stammes zerstreut sind. Im ersteren
Falle macht man rinnenartige, senkrechte Ein-
schnitte, indem man schmale Streifen der
Rinde bis aufs Holz wegnimmt. Die aus-
fließende Masse sammelt sich in am Fuße der
Bäume angelegten Vertiefungen oder unter-
gestellten Gefäßen. In Fällen, in denen die
Harzgänge tiefer im älteren Holz liegen, wie
bei der Lärche und der Vogesentanne, bringt
man Bohrlöcher in den Stämmen an, die ent-
weder mit Plolzpfropfen geschlossen und zeit-
weilig geöffnet oder mit kleinen Rinnen ver-
sehen werden. Das Anhauen oder Anbohren
der Harzbäume wird gewöhnlich im Frühjahr
vorgenommen, und das Ausfließen dauert
dann bis in den Herbst an. Bäume, die am
meisten der Sonne ausgesetzt sind und recht
dicke Rinde haben, liefern am reichlichsten T.
Die gesammelten, oft durch Erde oder Sand,
Nadeln und Rindenstückchen verunreinigten
Massen werden durch Schmelzen bei ge-
lindem Feuer flüssig gemacht, durch grobe
Tücher oder eine Strohschicht geseiht und
auf Fässer gefüllt. In den Vereinigten Staaten
von Nordamerika setzt man die Masse in
Fässern mit durchlöchertem Boden der
Sonnenwärme aus, worauf der reine T. von
selbst abtropft. Auch in Frankreich wird
T. auf diese Weise gereinigt und Pate de
töröbinthine au soleil, als dickflüssige — ä la
chaudiüre, als dünnflüssige Sorte — genannt.
— Die Terpentine sind honigdicke, sehr
zähflüssige, je nach der Plerkunft klare oder
trübe, aromatisch riechende und schmeckende
Massen. Obschon im allgemeinen von gleicher
Zusammensetzung, weichen sie doch in Kon-
sistenz, Färbung, Geruch und Prozentgehalt an
flüchtigem Öl voneinander ab. Die Handels-
sorten werden nach den Ursprungsländern
unterschieden. 1. Der gewöhnliche, ge-
meine oder deutsche T. (lat. Terebinthina
communis), hauptsächlich von Pinus Lari-
cio, seltener von der Weiß- und Rottanne,
ist von zäher, etwas körniger Konsistenz, gelb-
lichweiß gefärbt und trübe, sowie von stark
harzigem Geruch und bitterlich gewürzhaftem
Geschmack. Französischen T. nennt man
besonders das Produkt der Seestrandkie-
fern (Pinus maritima und P. pinaster),
die in verschiedenen Gegenden Südfrankreichs
Wälder bilden. Er ist dünnflüssiger und feiner