﻿Terpentinöl

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Terpentinöl

und von angenehmem Geruch. Amerika-
nischer T. von Pinus palustris, unter-
scheidet sich vom gewöhnlichen nicht wesent-
lich und fällt daher in dieselbe Gruppe. —
2. Die beste Sorte des Terpentins ist der
venezianische oder Lärchen-T. (lat. Tere-
binthina veneta, frz. Töröbenthine de Vönise,
engl. Venetian turpentine), der dem Lärchen-
baum, Larix decidua, abgezapft wird. Man
gewinnt ihn hauptsächlich in Tirol, Kärnten,
Steiermark und weiter östlich bis nach Ungarn.
Er ist dickflüssig, klebrig, durchsichtig, nur
wenig gelblich gefärbt und stark fadenziehend,
riecht harzig gewürzhaft und etwas zitronen-
artig. Auch in Frankreich gibt es in der
Provence Lärchenwälder, welche echten vene-
zianischen T. liefern. — 3. Nordamerika er-
zeugt die feinste aller Terpentinarten, den
Kanadabalsam, (Kanadischer Terpen-
tin, lat. Terebinthina canadensis seu Balsa-
mum canadense, frz. Törebenthine de Kanada,
engl. Canada turpentine [siehe dieses unter
Kanadabalsam]), von Abies balsamea. —

4.	Österreichischer T. (lat. Terebinthina
austriaca, frz. Töröbenthine autrichienne, engl.
Austria turpentine) wird von Pinus La-
ricio gewonnen. Man bezieht ihn meist aus
Niederösterreich, von wo er in sogen. Lägeln,
kleinen ovalen Fässern, versandt wird. —

5.	Italienischer T. (lat. Terebinthina ita-
lica, frz. Töröbenthine italienne, engl. Italia
turpentine) ist von derselben Abstammung
wie der venezianische T., im Gegensatz zu
diesem nur dunkler an Farbe. — Die sonst
noch vorkommenden T., wie ungarischer,
und cyprischer T. von Pistacia terebin-
thina, haben wenig Bedeutung. — Terpentin
dient hauptsächlich dazu, Harze weicher und
geschmeidiger zu machen, und wird daher als
Zusatz für Siegellacke, Harzfirnisse, Lacke,
Kitte und Ätzgründe verwendet. Im Hinblick
auf den Wassergehalt des gewöhnlichen T.
kann zur Lackfabrikation nur die wasserfreie
venezianer Sorte verwendet werden, da man
sonst trübe Lacke erhalten würde. Man er-
kennt den Unterschied bei einer Brennprobe
sehr leicht daran, daß der gewöhnliche T.
beim Verbrennen ein prasselndes Ge-
räusch von sich gibt. T. wird als Zusatz zu
Salben, Pflastern und Hufkitt, sowie in der
Medizin viel verwendet. Auch bildet er das
Rohmaterial zur Darstellung des Terpen-
tinöls und des dabei entstehenden Neben-
produktes Kolophonium. — Zollfrei.

Terpentinöl (Terpentingeist, lat. Oleum
terebinthinae, frz. Essence de teröbenthine,
engl. Turpentine oil), ein bedeutender Han-
dels- und Verbrauchsartikel, wird aus Ter-
pentin abdestilliert und bildet eine wasser-
helle, leichte und leichtflüchtige, stark
riechende und brennend schmeckende, mit
großer rußender Flamme brennende Flüssig-
keit, welche sich leicht in Alkohol, aber nicht
in Wasser löst. Es besteht hauptsächlich aus
Pinen, hat ein spez. Gew. von 0,865—0,870
und destilliert bei 155—162 0 größtenteils über.
Bei gewöhnlicher Temperatur in flachen Ge-
fäßen der Luft ausgesetzt, verdunstet es nur

teilweise, während der Rest sich durch Sauer-
stoffaufnahme verändert, zähe wird (Dicköl
der Porzellanmaler) und endlich zu einem
harten, durchsichtigen Firnis eintrocknet (ver-
harzt). Dieses Verhalten macht das öl haupt-
sächlich wertvoll als Bindemittel für Farben.
Das französische T. ist stark linksdrehend,
das amerikanische dreht rechts. Zur Gewin-
nung des T. destilliert man Terpentin und
Wasser aus eisernen Blasen. Hierbei gehen
Wasser -und Öldämpfe über, die sich in der
Vorlage unter Schichtentrennung verdichten.
Der Rückstand heißt gekochter Terpentin
(lat. Terebinthina cocta, s. Resina pini, frz.
Rösine jaune, engl. Burgundy pitch), s. Fichten-,
harz. Setzt man die Destillation so weit fort, bis
aller Wassergehalt ausgetrieben ist, so hinter-
bleibt das Kolophonium (lat. Colophonium,
frz. Colophone, engl. Colophony), s. d. Das
öl von der ersten Destillation ist immer noch
mit harzartigen Stoffen und etwas freier Säure
(Ameisensäure) verunreinigt, sieht daher gelb
aus und kann nicht für alle Zwecke benutzt
werden. Um es .rein und farblos zu erhalten,
rektifiziert man es durch nochmalige gelinde
Destillation mit Wasser unter Zusatz von
etwas Kalk, der die Säure bindet. — Das Öl
löst die meisten Harze, auch Kautschuk,
Schwefel und Phosphor, läßt sich mit Alkohol,
Äther, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, fetten
und ätherischen ölen und Firnis mischen und
wird in großer Menge zur Bereitung von
Lacken, zum Verdünnen von Ölfarben und
zur Entfernung von Fettflecken verwendet.
Sehr häufig dient es auch zum Verfälschen
anderer, teurer ätherischer öle. In neuerer
Zeit benutzt man T. als ein gutes Bleich-
mittel für solche Stoffe, die Chlorkalk nicht
vertragen, wie z. B. Elfenbein. Die Bleich-
kraft beruht auf dem Vermögen des Öles, eine
große Menge Sauerstoff aus der Luft auf-
zunehmen, diesen zu ozonisieren und an die
zu bleichenden Stoffe abzugeben. — Medi-
zinisch wird das T. zu reizenden und zer-
teilendenEinreibungen,sowie zuweilen tropfen-
weise innerlich verwendet. — Die wichtigsten
Handelssorten sind das französische und
amerikanische T., während das sogen,
deutsche (russisch-polnische) T. rich-
tiger als Kienöl bezeichnet wird (lat. Oleum
pini, seu terebinthinae germanicum, frz. Es-
sence de pin, engl. Pine oil). Das letztere wird
bei der Teerschwelerei aus dem Holze der
Kiefer, Pinus silvestris, gewonnen, ist
gelblich, von ziemlich starkem, unangenehmen
Geruch und trocknet nicht so schnell, wie
amerikanisches oder französisches T. Auch
löst es sich im Gegensatz zu diesem nicht
klar in Alkohol, da stets noch erhebliche
Wassermengen vorhanden sind, die sich oft
durch einen starken Bodensatz bemerkbar
machen. Das K. ist daher zum Mischen mit
Lacken nicht verwendbar, für Ölfarben nur,
wenn es sich um äußere Anstriche handelt,
da sein Geruch zu unangenehm wirkt. Es
kommt aus Polen, Ostpreußen und Österreich
in den Handel. — Amerikanisches und fran-
zösisches T. sind als gleichwertig zu erachten,