﻿Terpinhydrat

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Theriak

doch zeigt das letztere einen etwas feineren
Geruch. Als Handelsplatz für beide Sorten
kommt hauptsächlich Hamburg in Frage. —
Dem Terpentinöl verwandte Öle sind: 1.Tem-
plin- oder Edeltannenzapfenöl, das aus
den Zapfen von Abies alba Mill. ge-
wonnen wird (lat. Oleum templinum, frz. Es-
sence de templin, engl. Templin oil). Als
Herkunftsländer kommen die Schweiz und
Thüringen in Betracht. 2. Latschen- oder
Krummholzöl (s. d.). 3. Fichtennadel-
oder Kiefernnadelöl (s. d.). Diese drei
Öle werden mehr in der Parfümerie und als
Einreibungsmittel verwendet. — Da die Ein-
fuhr von amerikanischem und französischem
T. in den letzten Jahren den Bedarf nicht
decken konnte, und eine ungewöhnliche
Preissteigerung die Folge war, hat man ver-
sucht, künstliches Terpentinöl herzu-
stellen. Man verwendet hierzu verschiedene
Ausgangsmaterialien, wieleichtesKampfer-
öl oder Destillate anderer ähnlicher Öle, in
der Hauptsache aber Petroleumdestillate,
die bei 120—150° C übergehen. Die erlangten
Produkte sind für manche Zwecke verwend-
bar, trocknen verhältnismäßig gut und kleben
auch nicht. Da sie sich zum Teil aber zu
rasch verflüchtigen, entbehren sie der Halt-
barkeit bei Lackanstrichen und bewirken
namentlich, daß diese leicht rissig werden.
Auch ist der Geruch meist sehr stark, so
daß zu Innenarbeiten die Verwendung nicht
ratsam erscheint. Ein weiterer Mißstand ist
die erhöhte Feuergefährlichkeit im Gegensatz
zum Naturprodukt. — Zoll: T. und die ande-
ren äther. T. s. Tarif Nr. 353. Künstliches
T. als Petroleumprodukt Nr. 239.

Terpinhydrat (lat. Terpinum hydratum)
nennt man die farblose, durchsichtige und ge-
ruchlose Kristallmasse, welche sich bei länge-
rem Stehen aus einer Mischung von Terpen-
tinöl, wasserhaltigem Alkohol und Salpeter-
säure abscheidet. Das T. schmilzt bei 116 bis
117° und geht dabei unter Verlust von Wasser
in weißes kristallinisches Terpin über. Man
verwendet das T. seit einiger Zeit medizinisch
bei Lungenaffektionen und Diphterie. — Zoll-
frei.

Terra ist Erde. Im Drogenhandel führen
diesen Namen folgende Stoffe, die jedoch1
nicht immer Erden im gewöhnlichen Sinne
des Wortes sind: T. japonica, ein Pflanzen-
produkt, s. Katechu, T. di Siena, s. Siena-
erde, T. tripolitana, s. Tripel, T. viridis,
Grüne Erde. — S. d. betreffenden Artikel.

Terrakotten sind aus gewöhnlichem, doch
fein bearbeiteten Ton gebrannte, unglasierte
Erzeugnisse von künstlerischer Ausführung,
die nicht zu gewöhnlichem Gebrauch, sondern
nur zur Ornamentierung von Gebäuden, Gär-
ten usw. dienen. Schon in der römischen
und vorrömischen Zeit (etruskische Vasen),
sowie später im 15. und 16. Jahrhundert stand
dieser Zweig der Kunstindustrie in hoher
Blüte, doch hat man sich ihm auch in neuerer
Zeit wieder mit einer gewissen Vorliebe zu-
gewendet. Die Produkte finden nicht nur als
Bauverzierung häufige Verwendung, sondern

auch selbständige Figuren und ganze Gruppen,
bis zu lebensgroßen Statuen und Tierstücken,
große Vasen und Kandelaber werden viel-
fach in T. hergestellt. Die Farbe ist, je
nachdem der Ton sich brennt, dunkler oder
heller braun-, gelblich oder ganz weiß. —
Neuerdings fertigt man aus T. auch kleine,
mit Vertiefungen und Erhabenheiten ver-
sehene Steinplatten, aus denen Trottoirs zu-
sammengesetzt werden. Vgl. Tonwaren. —
Zoll: S. Tarif Nr. 713ff.

Teufelsabbiswurzel (lat. Radix morsus
diaboli s. succisae, frz. Racine de succise, engl.
Succise root). Der Wurzelstock der in Europa
heimischen Komposite Succisa pratensis ist
3—5 cm lang, 1 cm dick, dunkelbraun und
mit Nebenwurzeln bedeckt. Die Wurzel ent-
hält Gerbstoff und wird in der Volksmedizin
gegen Durchfall verwendet. — Zollfrei.

Thallin (Tetrahydroparachinanisol)
wird durch Erhitzung von Paramido- und
Paranitroanisol mit Glyzerin und Schwefel-
säure auf 150° und Reduktion des bei der
Destillation mit Wasserdämpfen übergehen-
den Parachinanisols mit Zinn und Salzsäure
dargestellt. Es bildet eine farblose ölige Flüs-
sigkeit von kumarinähnlichem Geruch, welche
sich in Wasser, Alkohol und Äther löst und
sich mit Eisenchlorid tiefgrün färbt. Das
Thallinsulfat, ein gelblich weißes Pulver
von Kumaringeruch und säuerlich-salzigem
und gleichzeitig bitterlich-gewürzhaftem Ge-
schmack, sowie das ganz ähnliche weinsaure
Salz, Thallintartrat, dienten einige Zeit
als Chininersatz, werden wegen ihrer Giftig-
keit aber jetzt nur noch äußerlich als Anti-
septikum bei Tripper angewandt. Beide
müssen vor Licht geschützt aufbewahrt werden.
— Zollfrei.

Theobromin, das anregende Prinzip des
Kakaos, ist dem Kaff ein (Teein) nahe ver-
wandt und in chemischer Hinsicht als Di-
methylxanthin anzusprechen. Es kann aus
dem Xanthin des Fleischextraktes künstlich
dargestellt werden, wird aber meist aus dem
wäßrigen Auszuge der Kakaobohnen durch
Fällung mit Bleiessig, Zerlegung des abfil-
trierten Niederschlages mit Schwefelwasser-
stoff und weitere Reinigung mit Magnesia
und Alkohol gewonnen. T. bildet ein weißes
Kristallpulver, sublimiert unzersetzt, schmilzt
bei 329—330° und ist in Alkohol und Wasser
schwer, in Petroläther unlöslich. Gegen
Säuren verhält das T. sich wie eine schwache
Base, gibt andererseits aber auch mit Natron,
Baryt und anderen Basen Salze. Die leicht-
lösliche Doppelverbindung des Theobromin-
natriums mit Natriumsalizylat findet unter
dem Namen Diuretin medizinische Anwen-
dung gegen Wassersucht und als harntreiben-
des Mittel. — Zollfrei.

Theriak (lat. Electuarium theriaca, s. theria-
cale, frz. Thöriaque, engl. Treacle) ist eine
aus verschiedenen Wurzel- und Gewürzpulvem
unter Zusatz von Honig und Wein hergestellte
Latwerge, welche im Mittelalter namentlich
in Venedig zubereitet und daher auch vene-
zianischer T. genannt wurde. T. wird zu