﻿Thermit

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Thymian

verschiedenen Magenschnäpsen, z. B. alter
Schwede, verwendet. — Der medizinische T.
ist mit Zusatz von Opium hergestellt und
daher für den Handverkauf nicht freigegeben.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 386.

Thermit nennt Goldschmidt die von ihm
in die Technik eingeführte Mischung von
Aluminiumpulver mit Eisenoxyd, Chromoxyd
und anderen Metalloxyden, welche mit einer
Zündkirsche entzündet wird und dann Tem-
peraturen von gegen 3000° erzeugt. T. dient
zur Herstellung sonst schwierig reduzierbarer
Metalle, wie Chrom und Mangan, ferner von
künstlichem Korund, und findet zum Schweißen
von Stahl (Eisenbahnschienen) nach dem Ver-
fahren der Aluminothermie ausgedehnte
Anwendung.

Thioform, das basische Wismutsalz der
Dithiosalizylsäure, ein geruchloses, gelbes, in
Wasser unlösliches Pulver, wird an Stelle des
Jodoforms in der Wundbehandlung benutzt.

—	Zollfrei.

Thiol, ein neuerdings in den Handel ge-
kommenes Medikament, welches dem Ichthyol
Konkurrenz zu machen bestimmt ist, wird aus
denjenigen Destillationsprodukten des Braun-
kohlenteeröls gewonnen, die unter dem Namen
Gasöl bekannt sind. Das Gasöl wird bei unge-
fähr 215° C mit Schwefel behandelt, der sich
unter Schwefelwasserstoffentwicklung löst, die
Lösung durch Eingießen in konz. Schwefel-
säure in Sulfosäuren verwandelt, die sich
beim Zusammenbringen mit Wasser als harzige
Schicht niederschlagen, während die unzer-
setzten Öle obenauf schwimmen und entfernt
werden. In reinem, schwefelsäurefreiem Was-
ser lösen sich jene Sulfosäuren, werden aber
durch Zusatz von Kochsalz wieder ausgefällt.
Neutralisiert man sie mit Ammoniak oder
Natron, so erhält man die entsprechenden
Salze, die als T. in den Handel kommen. —
Zollfrei.

Thiorubin, ein im Jahre 1885 aufgekom-
mener Teerfarbstoff, besteht aus dem Na-
tronsalze der Thioparatoluidinazoalphanaph-
tholdisulfosäure. Der Farbstoff bildet ein rot-
braunes Pulver, welches sich in Wasser mit
fuchsinroter Farbe löst und Wolle im sauren
Bade rot färbt. — Zollfrei.

Thomasschlacke, die nach dem Verfahren
von Thomas-Gilchrist zur Herstellung von
Eisen und Stahl aus den Bessemerkonvertern
entnommene Schlacke, wird in ein feines
Mehl verwandelt und wegen ihres Gehaltes
an, Phosphorsäure als Düngemittel verkauft.
Der Gehalt ist ziemlich schwankend, steigt
jedoch bis zu 50°/o Kalziumphosphat. —
Zollfrei.

Thujaöl (Lebensbaumöl, lat. Oleum thu-
jae, frz. Essence de Thuje, engl. Thuja oil),
das ätherische öl aus den Blättern von
Thuja occidentalis, dem sog. Lebens-
baum, ist blaßgrüngelb und von kampfer-
artigem Geruch und hat ein spez. Gew. von
0,918. Aus den im März geschnittenen Zwei-
gen erhält man 0,65, aus den im Juni und
November geschnittenen 0,40 °/o Ausbeute an
Öl. Das letztere enthält zwei isomere sauer-

stoffhaltige Öle, Thujon und Fenchon, von
denen das eine rechts, das andere links dreht,
außerdem ein rechts drehendes Terpen, ein
G1 u k o s i d (T h u j i n) und Sp uren von Ameisen-
säure und Essigsäureestern. Das T. wird
äußerlich wie innerlich gegen Warzen und Ge-
schwülste, sowie als Abortivmittel benutzt. —
Zoll: S. Tarif Nr. 353.

Thunfisch (Tunfisch, frz. Thon, engl.
Tunnyfish). Dieser Riese unter den Ma-
krelen (Scomber Thynnus), ein lachs-
artiger, dicker, 3—6 m langer, 250—500 kg
schwer werdender Seefisch hat zwar für unsere
Märkte keine Bedeutung, eine um so größere
aber für die Bewohner der Mittelmeerküsten,
denen er die dort fehlenden Heringe und
Stockfische ersetzt. Die Tiere leben im Welt-
meer, kommen aber alljährlich im Frühjahr,
des Laichens halber, in großen Scharen ins
Mittelmeer, um an den spanischen, franzö-
sischen und italienischen Küsten vorbei bis
in das Schwarze Meer zu ziehen. Gegen den
Winter kehren sie dann mit junger Brut
wieder in den Ozean zurück. Die Hauptzeit
des Fanges fällt in das Frühjahr. Die ge-
fangenen Fische werden getötet, so schnell
als möglich auf die Fahrzeuge gezogen und
ans Land in die Einsalz- und Packräume ge-
bracht. Hier schlägt man den Fischen die
Köpfe ab, zieht sie am Schwänze mit einem
Seilzug auf, weidet sie wie Schlachtvieh aus
und schneidet sie zum Einsalzen in Streifen
und Stücke. Aus den Köpfen und übrigen
Abfällen wird Tran gesotten. Das Fleisch,
welches eingesalzen werden soll, einiges wird
auch geräuchert, läßt man in den Tonnen
zunächst 8—10 Tage unter freiem Himmel in
der Sonne stehen, salzt es dann, tritt es in
die Tonnen fest ein und schließt diese. —
Zoll: S. Tarif Nr. 117.

Thymian (welscher Quendel, lat. Herba
thymi, frz. Herbe de thym, engl. Thyme).
Dieses bei uns in Gärten gepflegte, im süd-
lichen Europa heimische aromatische Gewächs
ist ein kleiner ausdauernder, zu den La-
biaten gehöriger Halbstrauch, Thymus vul-
garis L. Die krautartigen Teile der Pflanze
bilden getrocknet das Thymiankraut des
Handels, sowie eine Würze für Würste und
Speisen. Der starke aromatische Geruch und
Geschmack beruht auf einem Gehalte an
ätherischem Öl, dem Thymianöl (lat. Oleum
thymi, frz. Essence de thym, engl. Oil of
thyme), welches sich in Drüsen der Blätter
eingebettet vorfindet. Durch Destillation des
Krautes mit Wasser wird gegen l»/o des Öles
erhalten, welches zum Parfümieren von Seifen
und ähnlichen Zwecken dient. Das frisch be-
reitete Öl ist grünlich oder gelblich, läßt sich
durch Rektifizieren entfärben, nimmt aber
mit der Zeit seine frühere Farbe wieder an.
Die wichtigsten Bestandteile des Thymianöles
sind Thymol (s. d.), Karvakrol, zwei
phenolartige Verbindungen und einige Kohlen-
wasserstoffe. Außer dem ätherischen Öl hat
man noch Thymianextrakt als Fluid-
extrakt im Handel, der ähnlich dem Kon-
durangoextrakt (s. d.) als Mittel gegen Magen-