﻿Thymol

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Tinte

krankheiten, wie auch gegen Keuchhusten an-
gewendet wird. — Zoll: Thymiankraut s. Tarif
Nr. 34; Thymianöl 30 M.; Thymianextrakt
s. Tarif Nr. 386.

Thymol (Thymiansäure, Thymian-
kampfer, lat. Thymolum, Acidum thymicum,
frz. und engl. Thymol) findet sich neben den
Kohlenwasserstoffen Cymen und Thymen
fertig gebildet im Thymian- und Monardaöl,
wird aber, weil diese zu geringe Ausbeute
geben, lediglich aus dem Ajowänsamen
durch Wasserdampfdestillation gewonnen.
Das in chemischer Hinsicht als Methyl-
propylphenol anzusprechende T. bildet farb-
lose, tafelförmige Kristalle von thymianartigem
Geruch und stark pfefferartigem Geschmack.
Es schmilzt bei 50° und siedet unzersetzt bei
230°. T. löst sich leicht in Alkohol, Äther,
Chloroform und Natronlauge, hingegen schwer
in Wasser. — Das T. wird an Stelle des Phenols
als Antiseptikum bei Verbänden, besonders im
Gemisch mit Wasser oder Leinöl, als mildes
Ätzmittel, sowie als Zusatz zu Zahnwässern
benutzt. — Zollfrei.

Tierkörpermehl nennt man ein in Ab-
deckereien mittels Podewils’scher Apparate
gewonnenes trockenes Pulver mit ca. 8°/o
Wasser, 15°/o Fett, 60°/o Rohprotein, 35°/o
verdaulichem Protein, 16°/o Asche und 6°/o
Phosphorsäure, welches als Futtermittel An-
wendung findet.

Tillyöl, eine Einkochung von Schwefel-
blumen mit Leinöl unter Zusatz von Terpen-
tinöl nach Art des Oleum Terebinthinae sul-
furatum (holländisches oder Harlemer
öl), wurde früher in der Volksmedizin benutzt, I
ist aber jetzt durch das Ichthyol und ähnliche
Präparate ersetzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Tinkturen (lat. Tincturae, frz. Teinture,
engl. Tincture) sind Auszüge von Roh-
drogen aus den drei Naturreichen. Als
Lösungsmittel wird meistens Alkohol, bei eini-
gen auch Äther oder Wein verwendet. Man
zerkleinert die Rohstoffe und unterwirft sie
einer mehrtägigen Digerierung oder Maze-
rierung, preßt dann ab und filtriert. Als
wichtige T. sind zu erwähnen: Arnika-, Bal-
drian-, Benzoe-, China-, Myrrhen-, Opium-, Ra-
tanhia-, Vanilletinktur u. a. Wegen der gesetz-
lichen Bestimmungen hinsichtlich des Ver-
kaufs s. die Kaiserliche Verordnung über den
Verkehr mit Arzneimitteln. — Näheres über
die einzelnen Tinkturen bei den betreffenden
Artikeln.

Tinte (lat. Atramentum, frz. Encre, engl.
Ink) nennt man die zur Erzeugung von Schrift-
zügen benutzten Flüssigkeiten, von denen die
ältesten, die schwarzen Gallustinten, schon
bei den alten Babyloniern, Hebräern und
Persern in Gebrauch waren. Ebenso alt ist
die Verwendung von Zinnober, Minium, Berg-
blau, Gold und Silberpulver, schwarzer Tusche,
Sepia und farbigen Pflanzensäften, welche mit
Reisschleim, Honig, Tierleim oder Gummi
verdickt und zum Schutze gegen Fliegen und
Würmer mit Wermut, Aloe oder anderen
Bitterstoffen versetzt wurden. Die heute ge-
bräuchlichen Tinten lassen sich in die drei

großen Gruppen der farbigen Tinten, der
Chromblauholz- und der Eisengallus-
tinten einteilen. Als farbige Tinten kom-
men hauptsächlich wäßrige Auflösungen von
Teerfarben im Gemisch mit Bindemitteln
(Gummischleim) in Betracht, und zwar für
Rot: Fuchsin und Eosin, für Blau: Indigo-
karmin, Methylenblau und Alkaliblau, für
Blauschwarz: Induline, für Violett: Methyl-
violett, für Grün: Malachitgrün, Äthylgrün
oder eine Mischung von Indigokarmin mit
Pikrinsäure, für Gelb: Pikrinsäure, Methyl-
orange, Säuregelb, für Braun: Bismarckbraun,
Modebraun. Daneben werden noch Kosche-
nille, Rotholzabkochung, Berlinerblau mit
Oxalsäure, Kupferazetat mit Weinstein, Gelb-
beeren, Gummigutt, für sich oder im Gemisch
mit Teerfarben angewandt. Die Chrom-
blauholztinten sind Farblacke, welche
durch Versetzen von Blauholzabkochungen
mit chromsaurem Kalium entstehen. Zu
ihrer Darstellung wird ein klar filtrierter Aus-
zug von Blauholz bis zu etwa 4% Extrakt-
gehalt eingedampft und mit einer 8proz.
Kaliumchromatlösung vermischt. An Stelle
der letzteren kann auch Alaun, Kupfervitriol
oder Eisenvitriol genommen werden. Zur Er-
höhung der Flüssigkeit wird etwas Alkali, und
zur Konservierung etwas Phenol hinzugesetzt.
Die Eisengallustinten sind Mischungen
von Gallussäure oder andern Gerbstoffen mit
Eisenoxydulsalzen und Gummi arabikum. Bei
den älteren Erzeugnissen dieser Art wurde der
entstehende Niederschlag von schwarzem
gerbsaurem Eisen durch das Gummi in Lö-
sung erhalten und in fein verteilter Form
auf das Papier übertragen. Sie hatten den
Nachteil, daß sich die Oxydation und die
Ausscheidung des Niederschlages schon im
Glase vollzog, daß die schwarzen Teilchen
sonach nur wenig fest an der Oberfläche des
Papiers hafteten und geringe Haltbarkeit be-
saßen. Die neueren dokumenten-
sicheren Tinten werden aus Gerbstoff-
lösungen und Eisenoxydulsalzen mit Zusatz
von Indigosulfosäure, Holzessig oder Salz-
säure hergestellt. In ihnen findet die Oxy-
dation erst statt, nachdem sie in das Papier
eingedrungen und dort getrocknet sind, wäh-
rend sie im Glase zunächst keine Färbung
besitzen. Lediglich, um sie dem Auge des
Schreibenden vorläufig sichtbar zu machen,
werden sie mit einem unwesentlichen Farb-
stoff versetzt. Der zufälligen Verwendung
von Alizarin verdankt die erste dauerhafte
Eisengallustinte der Leonhardischen Fabrik
in Dresden ihren Namen Alizarintinte.
Für die Beurteilung einer Tinte in bezug auf
ihre Verwendbarkeit und besonders in bezug
auf ihre Haltbarkeit für Dokumente von blei-
bendem Werte sind die von den Direktoren
der Leonhardischen Fabrik, Schluttig und
Neumann, aufgestellten Grundsätze allge-
mein anerkannt. Eine gute T. soll klar und
leichtflüssig sein, gut aus der Feder fließen,
ohne zu tropfen und breitzulaufen, und bei
längerer Aufbewahrung im Glase nur einen
geringen Bodensatz, aber an der Oberfläche