﻿Tisane

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Tokaier

keine Haut oder Schimmelbildungen abschei-
den. Sie darf nicht zu sauer sein und an den
Federn keinen krustenartigen Überzug bilden.
Sie muß schnell trocknen und nachdunkeln
und Schriftzüge hinterlassen, welche nach
achttägigem Trocknen durch Wasser und
Alkohol nicht abgewaschen werden können.
Ferner darf sie nicht durchschlagen und nach
dem Trocknen nicht klebrig sein. Die doku-
mentensicheren Eisengallustinten I. Kl.
müssen außerdem mindestens 6 g Eisen in 1 1
enthalten und sich gegen Licht, Luft, Wasser
und Alkohol ebenso verhalten wie ein gleich-
gefärbter Normaltypus von bestimmtem Gerb-
stoffgehalt (7,7 g krist. Gallussäure und 23,4 g
Tannin, 30 g Eisenvitriol, 10 g Gummi arabi-
kum, 2,5 g Salzsäure und 1 g Karbolsäure in
11). Für die Aufbewahrung verwendet man
zweckmäßig Gefäße in der von Schluttig
empfohlenen Form, in welchen die Tinte vor
dem Luftzutritt geschützt ist. — Für beson-
dere Zwecke verwendet man noch folgende
,T.: Kopiertinten und Hektographen-
tinte sind eingedickte, mit 25°/o Glyzerin und
etwas mehr Gummi oder Dextrin als gewöhn-
lich vermischte T. — Sympathetische T.,
welche erst beim Erwärmen sichtbare Schrift-
züge liefert, besteht aus Lösungen von Kupfer-,
Kobalt- oder Nickelsalzen. Schriftzüge mit
Ferrocyankalium werden bei der Behandlung
mit Eisenchlorid sichtbar. — Trockentinten
bestehen aus völlig eingedampften und pul-
verisierten T., welche nach dem Auflösen in
Wasser sofort gebrauchsfähig sind (Jacob -
sensche Tintenstifte). S. Bleistifte. —
Wäschetinte zum Zeichnen der Wäsche ist
meist eine Höllensteinlösung. — Zoll: S. Tarif
Nr. 337. Tintenstifte Nr. 340.

Tisane (Ptisane, lat. Ptisana) nennt man
mit viel Wasser hergestellte Abkochungen,
welche in der Medizin als Getränke verord-
net werden. Als Geschmackskorrigens er-
halten sie Zusätze von Süßholzextrakt, Honig
oder Zucker. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Titan, ein ziemlich seltenes Metall vom
Atomgewicht 48,1, findet sich in der Natur
als Titandioxyd in den Mineralien Rutil,
Anatas und Brookit, als titansaures
Kalzium im Gemisch mit Kalziumsilikat als
Titanit (Sphen), ferner als Greenovit,
Perowskit und besonders als Titaneisen-
erz. Die Sauerstoffverbindung des T., das
Titandioxyd (Titansäureanhydrid, lat. Aci-
dum titanicum), ein weißes, geruch- und ge-
schmackloses Pulver, welches beim Erhitzen
vorübergehend gelb wird, findet in der Por-
zellanmalerei als gelbe Farbe Anwendung. Das
Titaneisen (Ferrotitan) dient zur Her-
stellung von Titanstahl; auch findet man
in gewissen amerikanischen Bogenlampen
statt der Kohle Stäbe von Titan und Eisen-
oxyd. Das Titanchlorür wird in beschränk-
tem Maße als Beize beim Färben benutzt,
ist hierzu jedoch weniger geeignet als Zinn-
chlorür. Titansulfür dient als Beize, Ti-
tankaliumoxolat als gelbe Farbe und Beize
für Leder. — Zollfrei.

Töpfergeschirr (frz. Poterie commune,
engl. Commun pottery), die geringsten und
billigsten Tongeschirre, sog. Hafner- oder
irdene Waren, werden aus den weitverbrei-
teten, meist nahe der Oberfläche liegenden
Alluvialtonen hergestellt. Das immer kalk-
und eisenhaltige Material erweicht schon bei
geringer Hitze und liefert daher eine poröse
und erdige Ware von geringer Festigkeit
und Haltbarkeit. Die meist durch Eisen gelb
oder braun gefärbten Geschirre haben aber
den Vorzug, daß sie selbst starken Tempe-
raturwechsel gut vertragen und daher ohne
weiteres dem Feuer ausgesetzt werden kön-
nen. Einige Erzeugnisse, wie Blumentöpfe
und Zuckerhutformen, bleiben unglasiert, alle
zur Aufnahme von Flüssigkeiten bestimmten
T. müssen aber glasiert werden. Die Glasur
besteht meist aus einem Gemisch von Ton
und geriebener Bleiglätte oder Bleiglanz, in
welches die trockenen, ungebrannten Ge-
schirre eingetaucht werden. Während des
nur einmal vorgenommenen Brennens ver-
einigt sich das Blei mit der Kieselsäure zu
unlöslichem Glase. Bei zu geringem Kiesel-
säuregehalte entsteht aber eine Glasur mit
überschüssigem Bleioxyd, das unter Umstän-
den in die Speisen übergehen kann. Zum
Schutze der Volksgesundheit ist daher durch
das Reichsgesetz vom 25. Juni 1887 die Be-
stimmung getroffen, daß glasierte Tonwaren
bei V2Stündigem Kochen mit 4proz. Essig
kein Blei abgeben dürfen. Zur Vermeidung
von Beanstandungen müssen die Fabrikanten
also für das richtige Verhältnis von Blei-
und Kieselsäure und nicht zu niedrige Tem-
peratur sorgen. In letzter Zeit sind auch
Versuche mit bleifreien Glasuren aus Wasser-
glas und borsauren Salzen angestellt worden.
Zur Erzeugung bestimmter Farben wird die
Glasur mit Smalte, Braunstein, Chrom oder
Kupferoxyd vermischt. Das bekannte Bunz-
lauer Geschirr wird aus einem feuerfesten
Material bei höheren Temperaturen bis zum
Fritten gebrannt, erhält eine bleifreie Glasur
und steht dem Steinzeug näher. — Zoll:
S. Tarif Nr. 721. S. auch die Anmerkung
zu Nr. 732.

Toiöl, ein fettes Öl aus den Früchten von
Bignonia tomentosa, wird in Japan bei
der Herstellung von Lackfirnissen verwendet.
Die geringere Sorte heißt Jacko, die feinere
Cok. — Zoll: S. Tarif Nr. 166/67.

Tokaier (Hegyälljaerwein) stammt nicht
aus Tokaj selbst, sondern hat von dieser
Stadt nur deshalb seinen Namen erhalten,
weil hier am 28. Oktober, also mitten in
der Weinlesezeit, die berühmte Messe ab-
gehalten wird. Er wächst vielmehr in der
Hegyällja (deutsch: unterer Teil des Berges),
jenem, beinahe regelmäßigen, gleichschenke-
ligen Gebirgsdreieck, welches in Sätoralja-
Ujhely seine nördliche, in Tokaj seine öst-
liche und in Abauj-Szäntö seine westliche
Spitze hat. Die Haupterzeugungsorte der
edelsten Sorten sind, so ziemlich nach der
Masse, der Güte und günstigen Lage ihres
Bodens geordnet, folgende: Mäd, Tälya,