﻿Tokaier

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Toluidin

Tolcsva, Keresztur, Bönye, Liszka und Tarczal.
Dann folgen Ujhely, Säros-Patak, Szäntö,
Horvdti, Jozseffalva, Kärolyfalva, Kisfalud,
Olaszi, Szegilong, Trauczonfalva, Kamoslyfaln
und Zombor, und schließlich erzeugen auch
die außerhalb des Gebirgsstockes liegenden
Orte Ond, Rätka, Golop, Kis-Toronya einen
vorzüglichen Wein. Der Westabhang zwischen
Ujhely und Szäntö gehört zur Abaujer Wein-
gegend. Das ganze Gebiet dieses 5 Quadrat-
meilen großen Gebirgsstockes mit einer Er-
zeugung von 80 000 hl in guten, zwei Drittel
hiervon in mittleren und ein Drittel in schlech-
teren Jahrgängen umfaßt 6162 ha in Wein-
gärten. Die Erträge, die wegen des meist
vulkanischen Bodens von den Witterungs-
verhältnissen außerordentlich beeinflußt wer-
den, stellen sich im zehnjährigen Durch-
schnitte auf zwei vorzügliche, drei gute und
fünf weniger gute Jahre, was zur Erhöhung
des Preises nicht wenig beiträgt. Das Produkt
des Tokaj-Hegyälljaer Weinbaugebietes ist
hauptsächlich Weißwein, die edle Traube,
die ihn liefert, die Furminttraube. Nach dem
Reifegrade der benutzten Beeren unterschei-
det man folgende Unterabteilungen: Szamo-
rodni (russisch-polnische Bezeichnung für den
Begriff „so wie er gewachsen ist“). Zu seiner
Herstellung werden die Trockenbeeren — die
durch Edelfäule eingetrockneten Beeren —
nicht herausgesucht, sondern mitgetreten und
mitgepreßt. Sind die Trauben abgetreten,
so wird auf die aus den Säcken ausgeschüt-
teten und so trockenen, abermals fest durch-
getretenen Trester der Most neuerdings auf-
gegossen, 4-—6 Stunden darauf belassen und
dann von neuem zuerst im Sack und dann
in der Presse bearbeitet. Ausbruch wird
erzeugt, indem man auf die ausgelesenen,
zu einer feinen, breiigen Masse getretenen
Trockenbeeren Most aus besten Lagen auf-
gießt, diese gut aufgerührte Masse 12 bis
18 Stunden stehen läßt und dann auspreßt.
Die Anzahl Butten von 30 Liter Inhalt an
Trockenbeeren für ein Faß Most von
135 Liter bestimmt das Ausbruchsortiment,
ein-, zwei- bis fünfbuttig. Ausnahmsweise wer-
den auch sechsbuttige Weine hergestellt, in-
dem man auf 180 Liter gute Trockenbeeren
135—140 Liter Most aufschüttet. Zu den
Ausbrüchen gehört neben T. auch der Me-
nöser und Rüster. Forditäs, der zweite
Mostaufguß auf die abgesackten, aber noch
nicht ausgepreßten Trockenbeertrester, ist un-
gefähr einem sehr guten Szamorodni gleich.
Essenz wird gewonnen, wenn man die
Trockenbeeren in einem Bottich mit durch-
löchertem Boden stehen läßt und die von
selbst abtropfende Flüssigkeit einer sehr
langsam verlaufenden Gärung unterwirft. Die
Haupterzeugnisse, die Ausbruchweine, unter-
liegen einer lang dauernden, oft jahrelangen
Gärung. Der Wein kommt in ganz neue
Fässer und soll in der Regel aus dem Fasse,
in welches er als Most kam, nur in die
Flasche gefüllt werden. Im Keller braucht
er weder verspundet noch nachgefüllt zu
werden, vielmehr geschieht beides erst beim

Verkauf, auch wenn dieser erst nach Jahren
stattfindet. Bei ganz feinen Ausbrüchen füllt
man das Faß nur halb mit Most, weil sich als-
dann der Wein, der Luft eine große Oberfläche
darbietend, viel besser entwickelt. Einfache
hölzerne, in besseren Kellern gläserne Stöpsel
verhindern die Verunreinigung des Weines
durch äußere Einflüsse. Sämtliche süßen:
Ungarweine sind Verfälschungen in hohem
Grade ausgesetzt, ja es werden völlige Kunst-
produkte aus Rosinen und eingedickten Most-
stoffen hergestellt. Bei den unbestimmten ge-
setzlichen Vorschriften im Ursprungslande ist
gegen Zusatz von Spiritus und Rohrzucker
nicht einzuschreiten. Von einem sog. Medi-
zinal-T. verlangt man aber in Deutschland,
daß er ein konz. natursüßer Süßwein ist,
also keinen Zuckerzusatz erhalten hat. —
Zoll: S. Tarif Nr. 180/81.

Tolubalsam (lat. Baisamum de Tolu seu
Resina de Tolu seu Opobalsamum siccum,
frz. Baume de Tolu, engl. Balsam of Tolu),
ein seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Deutsch-
land bekannter Artikel des Drogenhandels,
kommt aus dem nördlichen Teile Südame-
rikas, aus Neugranada, namentlich aber aus
dem unteren Stromgebiete des Amazonas
und des Magdalenenflusses und hat seinen
Namen von der hier gelegenen Stadt Tolu.
Der Balsam wird von mehreren Arten
Myroxylon, Bäumen aus der Familie der
Papilionaceen, gewonnen, z. B. von Myr-
oxylon toluiferum (Toluifera balsamum).
Er wird vom Juli bis April gesammelt,
indem man Einschnitte in den Stamm
macht und den harzigen Saft in angehängten
Kürbisschalen auffängt. Die Ausbeute wird
in ledernen Schläuchen nach den Ausfuhr-
häfen gebracht und dort in Blechbüchsen
umgefüllt. Im frischen Zustande ist der T.
terpentinartig, zähflüssig, klebrig, von braun-
gelber bis rotbrauner Farbe und durchsichtig.
Er erhärtet aber bald zu einer spröden braun-
roten, kristallinischen Harzmasse, die sich zu
einem gelben Pulver zerreiben läßt. Der Ge-
ruch ist dem des Perubalsams ähnlich, aber
feiner. Man benutzt den T. zur Herstellung-
feiner Parfümerien, zu Räucherzwecken, medi-
zinisch in Verbindung mit anderen Stoffen,
z. B. mit Kreosot in den bekannten Kreosot-
kapseln. Mit Wasser oder Wasserdampf der
Destillation unterworfen, gibt er ca. l°/o
eines sehr wohlriechenden Öles, Tolu-
balsamöl oder auch Tolen genannt. An-
dere Bestandteile sind Harz, Zimtsäure und
Benzoesäure. Das in dem Perubalsam ent-
haltene Styrazin und Zinnameln fehlen im
Tolubalsam. In Alkohol und auch in Chloro-
form löst sich der T., aber nicht in Schwefel-
kohlenstoff und Benzol. Man kann daher
eine Verfälschung mit Kolophonium oder ähn-
lichen Harzen leicht erkennen, da diese sich
in den letztgenannten beiden Flüssigkeiten
leicht lösen. Konzentrierte Schwefelsäure
färbt reinen Tolubalsam schön kirschrot,
terpentmhaltigen braunschwarz. — Zollfrei.

Toluidin, eine dem Anilin (s. d.) sehr nahe-
stehende organische Base, wird wie dieses