﻿Toluol

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Tonbäder

in der Farbenindustrie verwendet und aus
dem Toluol bereitet, wie das Anilin aus dem
Benzol. Das T. kristallisiert in farblosen,
glänzenden Kristallblättern von eigentüm-
lichem Geruch. Die Verbindungen mit Säuren
sind geruchlos. — Zollfrei.

Toluol (Methylbenzol, lat. Toluolum),
ein dem Benzol (s. d.) nahestehender Kohlen-
wasserstoff des Steinkohlenteers, eine farb-
lose, durchsichtige, dem Benzol ähnlich rie-
chende, brennbare Flüssigkeit vom spez. Gew.
0,860, siedet bei 110° C und wird bei —28°
noch nicht fest. In Wasser ist es unlöslich.
Man gewinnt es neben Benzol durch frak-
tionierte Destillation des Steinkohlenteeröles
und verwendet es in der Farbenindustrie
und zur Herstellung von künstlichem Bitter-
mandelöl. — Zollfrei.

Tomaten (Liebesäpfel, Psomodoro)
sind die Früchte der in Peru heimischen So-
lanee Lycopersicum esculentum vul-
gare oder Solanum Lycopersicum
Tournefort, welche besonders in Italien
und Sizilien in großen Massen angebaut wird.
An warmen, sonnigen Stellen, besonders an
nach Süden gelegenen Spalieren, kann die
Pflanze auch bei uns gezogen werden. Die
Scharlach- bis gelbroten, etwa 50—60 g
schweren Früchte werden im Oktober ge-
erntet und besitzen ein stark wäßriges,
schwach säuerlich schmeckendes Fleisch. Sie
bestehen nach König zu 3,7°/o aus Frucht-
haut, 10,9% aus Samen und zu 85,4% aus
Fruchtmus. Das letztere enthält 95,31% Was-
ser, 4,23% organische und 0,46% unorga-
nische Stoffe. Die Säure, deren Gesamt-
menge 0,47% beträgt, ist als Zitronensäure
anzusprechen. Der in Wasser unlösliche, in
Äther, Alkohol, Chloroform und wäßrigen
Alkalien lösliche Farbstoff steht demjenigen
des Safrans und Orleans nahe und wird in
Tomatenkonserven bisweilen durch Eosin auf-
gebessert. Die T. dienen hauptsächlich zur
Herstellung pikanter Saucen und Salate. —
Zoll: S. Tarif Nr. 33. 36. 216.

Tombak, eine Legierung von Kupfer und
Zink, welche sich vom Messing durch einen
kleineren Zinkgehalt und die gold- oder rot-
gelbe bis rotbraune Färbung unterscheidet.
Alle Legierungen, in welchen auf 1 Teil Zink
6—12 Teile Kupfer kommen, fallen unter den
Begriff T. — Zoll: S. Tarif Nr. 869ff.

Ton (Belit, lat. Argilla, frz. Argile, engl.
Clay). Dieses wichtige Mineral ist ein Ver-
witterungsprodukt verschiedener aluminium-
haltiger Silikate, namentlich der Feldspate,
und besteht aus wasserhaltiger kiesel-
saurer Tonerde (Aluminiumsilikat). In
der Natur kommt der T. in verschiedenen
Graden der Reinheit vor. Befindet er sich
noch an dem Orte seiner Entstehung, so ist
er weniger rein, weil ihm dann noch kleine
Mengen von Bestandteilen der Ursprungs-
gesteine beigemengt sind. Solcher T. ist
auch weniger plastisch und heißt Porzellan-
ton oder Kaolin. Werden dagegen die Zer-
setzungsprodukte der Feldspate durch Wasser
einem natürlichen Schlämmprozesse unter-

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

worfen und an anderen Stellen wieder abge-
lagert, so ist der T. gewöhnlich reiner. Der
reinste heißt Pfeifenton, etwas weniger
reiner Topf ertön. Durch Verwitterung eisen-
haltiger Gesteine entstandener T. (Lehm oder
Letten) hat eine gelbbraune Farbe und ent-
hält gewöhnlich auch noch Sand beigemengt.
Der Lehm brennt sich in der Hitze rot, in-
dem das Eisenoxydhydrat sein chemisch ge-
bundenes Wasser verliert und sich in Eisen-
oxyd verwandelt. Ein mit Kochsalz durch-
setzter T., wie er in Steinsalzablagerungen
vorkommt, heißt Salzton, bituminöser, mit
Schwefelkies durchsetzter T. Alaunton. In-
nige natürliche Gemenge von T. mit kohlen-
saurem Kalk werden als Mergel bezeichnet,
und zwar bei vorherrschendem Tongehalt als
Tonlnergel, ist dagegen umgekehrt der
Kalk vorherrschend, als Kalkmergel. Rein-
ster weißer T. ist erdig und milde, abfärbend
und zerreiblich, zerfällt mit Wasser über-
gossen zu einer sehr plastischen, f etten Masse,
die nach dem Austrocknen wieder die ur-
sprünglichen Eigenschaften annimmt, aber
nach dem Glühen (Brennen) stark schwindet
und dann beim Zusammenbringen mit Wasser
nicht wieder plastisch wird. Je mehr fein
verteilte Kieselsäure, Sand oder andere
fremde Beimengungen ein Ton enthält, desto
weniger plastisch ist er. Plastischer T. wird
in der Technik auch fetter oder langer
T., ein nur wenig plastischer dagegen ma-
gerer oder kurzer T. genannt. Ganz reiner
T. ist auch in der stärksten Hitze unschmelz-
bar (feuerfester T.). Beimengungen von
Kalk, Eisenoxyd und Alkalien machen ihn
um so leichter schmelzbar, in je größerer
Menge sie vorhanden sind. Gesuchte Han-
delsartikel sind besonders der Kaolin oder
Porzellanton und der feuerfeste T., welche
oft weithin versendet werden. Größere Lager
von Kaolin finden sich zu Aue bei Schnee-
berg, Morl bei Halle, Sedlitz bei Meißen,
Settlitz in Böhmen, Obernzell und Diendorf
bei Passau, in Frankreich zu St. Yrieix bei
Limoges, in England zu St. Austle in Com-
wallis. In neuerer Zeit kommt auch Chine-
sischer und japanesischer Kaolin in ziem-
lichen Mengen nach Europa, namentlich Eng-
land. — Außer zur Herstellung der verschie-
denen Tonwaren wird der T. auch noch zur
Bereitung von Ultramarin, von schwefelsaurer
Tonerde und Alaun und, mit Kreide oder Kalk
gemengt, zur Erzeugung von Zement ver-
wendet. Ferner benutzt man ihn unter dem
Namen Leuzin oder Lenz in als Füllmaterial
für Papiermasse. — Zollfrei.

Tonbäder, Tonfixierbäder. Hiermit be-
zeichnet man die zur Tonung der photo-
graphischen Bilder gebräuchlichen Lö-
sungen, welche in folgende beiden Klassen
zerfallen: 1. Tonbäder, mit denen zunächst
der Ton des Bildes hergestellt und dann in
einem besonderen Bade das Fixieren vor-
genommen wird. 2. Tonfixierbäder, in
denen das Fixiersalz schon mit enthalten ist,
und deren Anwendung die Arbeit daher ver-
einfacht. — Die Bäder bestehen meist ausGold-

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